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Freitag, 23. April 2021

Das Pulp-Magazin Weird Tales - Die Anfänge

Das Pulp-Magazin "Weird Tales"

Die Anfänge

Das Pulp-Magazin "Weird Tales", das im März 1923 startete und deren letzte Ausgabe im September1954 erschien, war das wesentliche Magazin für Abenteuer, Horror und Fantasy (mit Betonung auf übernatürliche Elemente) von den 1920er bis weit in die 1950er Jahre hinein.

Viele der großen Autoren und Autorinnen dieser Genres veröffentlichten den Hauptteil ihrer Kurzgeschichten und Erzählungen in diesem Magazin. 

Neben Robert E. HowardH. P. Lovecraft und  Clark Ashton Smith, waren dies unter anderem  Robert Bloch, Ray Bradbury, August Derleth, Edmund Hamilton, Henry Kuttner, Fritz Leiber, C. L. Moore, H. Warner Munn, Seabury Quinn, Greye La Spina und Henry S. Whitehead.

"WEIRD TALES" war ein typisches amerikanisches großformatiges Pulp-Magazin und eines der Hauptmedien der Unterhaltungsliteratur im phantastischen Bereich.

Der Name "PULP" kommt nicht von Schund, wie viele glauben, sondern leitet sich von dem billigen Papier ab, mit denen die Pulp-Magazine gedruckt wurden. Magazine mit besserer Papierqualität, die meistens Familienorientiert waren, nannte man "GLOSSIES" oder "SLICKS". 

Die Titelbilder der Pulp-Magazine waren in Farbe und wurden dagegen in besserer Papierqualität gedruckt. Hierbei waren besonders die Bilder mit halbbekleideten Frauen beliebt, die darauf warteten von dem Helden gerettet zu werden.

1922 gründete J. C. Henneberger, ein Fan von Edgar Allan Poe, zusammen mit J. M. Lansinger den Verlag RURAL PUBLICATIONS INC., der  Anfang 1923 neben "WEIRD TALES" auch das Pulp-Magazin "REAL DETECTIVE TALES AND MYSTERY STORIES" herausbrachte.

Die erste Ausgabe von "WEIRD TALES" (Weird = unheimlich, geisterhaft; Tales = Erzählungen, Geschichten) startete im März 1923 mit dem Untertitel "THE UNIQUE MAGAZINE“ (Das einzigartige Magazin).

Der Preis dieser ersten Ausgabe betrug 25 Cent. Sie war 192 Seiten stark und enthielt  24 Erzählungen sowie den Fortsetzungsroman "THE THING OF A THOUSAND SHAPES“ von OTIS ADELBERT KLINE, der in "Weird Tales" sein Debüt als professioneller Autor gab.

Die Titelgeschichte der ersten Ausgabe war "OOZE" von ANTHONY RUD (1893 - 1942), der später der Herausgeber von "ADVENTURE" und dem "DETECTIVE STORY MAGAZINE" wurde. 

Die weiteren Geschichten in der ersten Ausgabe von "Weird Tales" waren

  • The Dead Man's Tale von  Willard E. Hawkins  
  • The Mystery of Black Jean von Julian Kilman  
  • The Grave von Orville R. Emerson 
  • Hark! The Rattle! von  Joel Townsley Rogers 
  • The Ghost Guard von Bryan Irvine 
  • The Ghoul and the Corpse von G. A. Wells 
  • Fear von David R. Solomon 
  • The Chain von Hamilton Craigie 
  • The Place of Madness von  Merlin Moore Taylor 
  • The Closing Hand von  Farnsworth Wright 
  • The Unknown Beast von  Howard Ellis Davis 
  • The Basket von Herbert J. Mangham 
  • The Accusing Voice von  Meredith Davis 
  • The Sequel  von Walter Scott Story 
  • The Weaving Shadows von W. H. Holmes 
  • Nimba, the Cave Girl von  R. T. M. Scott 
  • The Young Man Who Wanted to Die . 
  • The Scarlet Night von William Sanford 
  • The Extraordinary Experiment of Dr. Calgroni von Joseph Faus & James Bennett Wooding
  • The Return of Paul Slavsky von  George Warburton Lewis 
  • The House of Death von  F. Georgia Stroup 
  • The Gallows von I. W. D. Peters 
  • The Skull von Harold Ward 
  • The Ape-Man von James B. M. Clark, Jr. 

Die Geschichten waren allerdings alle nicht besondes gut und es sah nicht danach aus, als würde das neue Pulp- Magazin "WEIRD TALES" ein hohes Alter erreichen.

Dagegen waren die Geschichten in der April - Ausgabe, der zweiten Ausgabe von "WEIRD TALES" waren da schon etwas besser. Mit der dritten Ausgabe, der Mai-Ausgabe, wurde das Format des Pulp-Magazins geändert. 

"WEIRD TALES" erschien nun im Großformat mit 64 Seiten Umfang. Doch an der Qualität der Geschichten änderte sich nichts. 

Die Oktober-Ausgabe des Jahres 1923 von "WEIRD TALES"  ging in die Geschichte der phantastischen Literatur ein, denn darin gab nicht nur H. P. LOVECRAFT mit der Geschichte  "DAGON" sein Debüt als professioneller Schriftsteller, sondern auch der Autor SEABURY QUINN gab mit der Erzählung "THE PHANTOM FARM HOUSE" sein "WEIRD TALES"-Debüt.  

Seabury Quinn wurde im weiteren Verlauf durch seine Geschichten mit Jules de Grandin, dem geheimnisvolle Detektiv des Okkulten, berühmt, die bei den Lesern des Pulp-Magazins "WEIRD TALES" sehr beliebt waren. 

Falls Jules de Grandin nicht gerade bei seiner Lieblingsbeschäftigung dem Essen war, rettete er hübsche Damen vor Werwölfen, Vampiren und Zombies.

Nachdem im Dezember 1923 keine Ausgabe des Pulp-Magazins erschienen war, war in der Januar-Ausgabe von "WEIRD TALES" unter anderem die Lovecraft-Geschichte "THE PICTURE IN THE HOUSE" ("Das Bild im Haus") vertreten.
In der Februar-Ausgabe folgte die Lovecraft - Story "THE HOUND" ("Der Hund") in der zum ersten Mal das berüchtigte Necronomicon erwähnt wird. 

Während der Anfänge von "WEIRD TALES" schrieb auch der Zauberkünstler Harry Houdini einige Erzählungen für das Pulp-Magazin.
Aber selbst der berühmte Houdini konnte die Auflage des Magazins nicht steigern. Und es sah beinahe so aus, als würde "WEIRD TALES" noch nicht mal seinen ersten Geburtstag feiern können, denn das Magazin hatte einen Verlust von über 40.000 Dollar erwirtschaftet und J. C. Henneberger musste seine Anteile an "DETECTIVE TALES" und "COLLEGE HUMOR" an seinen Partner John Lansinger verkaufen, um eine Einstellung des Magazin zu verhindern. 

Nach der April-Ausgabe des Pulp-Magazins zog Henneberger schließlich die Notbremse und feuerte den Chefredakteur Edwin Baird (1886-1957) und bot Lovecraft den Job an. Doch Lovecraft, der gerade geheiratet hatte, lehnte ab und Bairds Assisent Farnsworth Wright bekam den Job. 

Edwin Baird, der für die ersten dreizehn Nummern von "WEIRD TALES" verantwortlich war, war alles andere als ein guter Chefredakteur. 

Er lehnte viele Geschichten ab, die dann später von Farnsworth Wright angekauft wurden und große Erfolge wurden, wie zum Beispielt der Roman "INVADERS IN THE DARK" der Autorin Greya La Spina.

Otis Albert Kline und Farnsworth Wright stellten daraufhin 1924 eine gewaltige Nummer zusammen, die als "Mai-Juni-Juli-Ausgabe" erschien und drei Monate an den Zeitschriftenständen verkauft wurde. Sie war 192 Seiten stark und wurde für 50 Cent angeboten. 

In dieser  Jumbo-Ausgabe waren unter anderem die Geschichten "THE MALIGNANT ENTITY" von Otis Adelbert Kline und "HYPNOS" von H. P. Lovecraft sowie "IMPRISONED WITH THE PHARAOHS" vertreten, die Lovecraft als Ghostwriter für Harry Houdini geschrieben hatte.

Der Autor HENRY S. WHITEHEAD (1882-1932) gab in dieser Jubiläumsausgabe mit der Kurzgeschichte "TEA LOVERS"  unbemerkt sein Debüt, dessen Erzählungen später bei den "WEIRD TALES"-Lesern sehr beliebt waren.

Farnsworth Wright wurde 1888 geboren. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg, arbeitete er als Musik-Kritiker für den "CHICAGO HERALD" und "EXAMINER", bis er Verbindungen zu "WEIRD TALES" knüpfte.  
Dort war er zuerst für die Manuskripte verantwortlich. Als Assistent des Herausgebers Edwin Baird, löste er diesen, nach dessen Entlassung, Mitte Juni 1924 ab.
Henneberger hatte mit  Farnsworth Wright eine ausgezeichnete Wahl getroffen, denn unter den  Händen von Wright blühte das Magazin in den nächsten Monaten und Jahren regelrecht auf. 
Mit ihm begann das Goldene Zeitalter von "WEIRD TALES". In den sechzehn Jahren, die er das Pulp-Magazin als Herausgeber betreute, entdeckte er einige der wichtigsten Autoren der phantastischen Literatur. 

© by Ingo Löchel



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