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Mittwoch, 7. Januar 2026

Roman: Poltergeist

Poltergeist

von James Kahn

"Sie sind hier", sagt die kleine Carol Anne zu ihren Eltern. Aber wer sollte denn nun gekommen sein, während sie vorher mit dem flimmernden Bildschirm des Fernsehers gesprochen hatte?

Eigentlich sind Steve und Diane Freeling samt ihren Kids Dana (15 Jahre), Robbie (gerade acht 8 Jahre geworden) und eben Carol Anne (fünf Jahre) eine typische Mittelstandsfamilie die in einer ebenso typischen Neubausiedlung gleich das Musterhaus bezogen hatten, wo eben Carlo Anne auch geboren wurde.

Dies ist auch nicht schwer für Steve gewesen, ist er doch der beste Angestellte der die meisten der Häuser im Siedlungsgebiet Cuesta Verde verkauft...

...weshalb er auch bei seinem Boss Frank Teague einen dicken Stein im Brett hat. Doch plötzlich verändert sich für die Freelings alles, als sie mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert werden, die man doch eigentlich niemanden wirklich erklären kann. 

Und bei diesen heftigen paranormalen Aktivitäten, die zuerst ziemlich unproblematisch begonnen hatten, verschwindet plötzlich die kleine Carlo Anne spurlos in einer Abstellkammer.

An anderer Stelle hofft indes das kleinwüchsige Medium Tangina Barrons auf Hilfe durch die Parapsychologin Dr. Martha Lesh und ihre Mitarbeiter Ryan und Marty. Denn ihre Fähigkeit, ihre Seele auf andere astrale Ebenen auszusenden, werden immer intensiver und saugen ihr dabei beständig immer mehr ihre eigene Lebensenergie ab.

Und so hofft sie über Dr. Lesh, diese von ihr nie gewollte Gabe endlich beenden zu können. Doch dann führt gerade eine ihrer paranormalen Aktivitäten sie in Trance auf die Spur der kleinen Carol Anne und damit zu den Freelings, die nicht einmal wissen, wo sie überhaupt in ihrer unglaublichen Lage wirkliche Hilfe bekommen würden.

Zwar ist Tangina so geschwächt, das sie sofort zurück in die Klinik muss, doch Dr. Lesh, Ryan und Marty nehmen sich der Schrecken an, von denen Steve und seine Familie heimgesucht werden. Ein Schrecken, der bald gerade Marty bis in seine tiefste Seele terrorisieren wird.

Aber auch Tangina versucht von der Klinik aus wieder in die übernatürlichen Ebenen vorzudringen, um der kleinen Carlo Ann vor etwas unsagbar Bösem zu schützen, welches sie selbst nur das Ungeheuer nennt.

Doch in diesen paranormalen Dimensionen gibt es auch andere Wesenheiten wie Sceädu, die lebendige Finsternis, Fantable, die feurige Kreatur oder ein Wesen, welches einem knorrigen Baum ähnelt. Und alles ist hier eine einzige Bedrohung für Tangina. 

Trotzdem nimmt Tangina den Kampf mit dem dunklen Wesen gHalas auf, denn die Rettung von Carol Anne ist hierbei auch eine Rettung für Tangina gegen ihre unkontrollierbaren und Energie entziehenden Schrecken, wenn sich in ihrem Schlaf die Pforten zu einer dunklen Dimension öffnen.

Doch um Carol Anne von der anderen Ebene der Finsternis retten zu können, ist auch der volle Einsatz ihrer Eltern Diane und Steve von Nöten. Doch wird sich das boshaft-dunkle Wesen gHalas seine Beute wirklich völlig ungestraft nehmen lassen?

  • Poltergeist
  • Autor: James Kahn
  • ISBN: 3 505 07376 8
  • Taschenbuch, ca. 290 Seiten
  • Erstauflage: 1982
  • Verlag: Franz Schneider Verlags GmbH & Co. KG

„Ich glaube, ich habe schon gesagt - oder Ryan hat es getan -, daß Poltergeister im allgemeinen auf ein Individuum bezogen sind. Wenigstens steht es so in der Literatur. Wohingegen Spukerscheinungen mit einem bestimmten Ort verbunden zu sein scheinen ... meistens mit einem Haus." (Poltergeist/Seite 110)

Nun, dem Film „POLTERGEIST“ von Steven Spielberg, der damals zu einem wahren Blockbuster wurde, konnte ich nicht viel abgewinnen. 

Denn Tobe Hooper (Texas Chainsaw Massacre/1974), der eigentlich Regie führen sollte, war schlicht nur eine Strohfigur. Denn ein Regisseur durfte schließlich nicht zwei Filme zugleich Inszenieren und Spielberg führte ja offiziell schon Regie bei seinem Film „E.T.“, den er "nach Hause telefonieren" ließ.

Trotzdem konnte man absolut die Handschrift von Steven Spielberg erkennen, der hier dann einen eher familientauglichen Horrorfilm fasst auf Disney-Niveau in die Kinos schickte. Quasi ein Spaß von 8 bis 80 Jahre.

Also war dies jetzt nicht gerade die beste Voraussetzung, um mich auf den Roman zum Film durch den Autor James Kahn aufmerksam zu machen. Übrigens hatte Kahn damals sogar im Vorfeld einen kurzen darstellerischen Auftritt in Spielbergs Film E.T. erhalten.

Allerdings bekam ich dann auch über einige Kanäle mit, dass der Roman zum Film sogar spannender sein sollte als Spielbergs Film. Und dies kann ich hier nun sogar wirklich bestätigen.

Zwar ist auch im Roman der Handlungsstrang um die Familie Freeling und der kleinen Carol Anne das unverzichtbare Grundgerüst. Doch da wohl das hierzu vorliegende Drehbuch von Steven Spielberg, Mark Victor und Michael Grains nicht wirklich viel Fleisch auf den Knochen hatte, schmückte Kahn nicht nur die Handlung im Roman etwas mehr auf, sondern machte die Handlung sogar in vielfacher Hinsicht zu seinem eigenen Ding.

So taucht das Medium Tangina nicht erst später bei der Familie Freeling als Retterin in der Not auf, sondern hat schon zu Beginn im Roman ihren ganz eigenen Handlungsbogen und bringt erst die Parapsychologin samt ihren Mitarbeitern zu den Freelings, die eher ziemlich isoliert und Hilflos dem Übernatürlichen gegenüberstehen.

Aber auch bei den anderen Figuren kommen Handlungsstränge vor, die im Film nur kurz angerissen oder gar nicht vorhanden sind. Wirklich auffällig ist allerdings eben der starke Stellenwert, welcher die Handlung um das Medium Tangina einnimmt, welche im Film so nicht existiert.

Aber genau diese machen, neben einigen anderen Handlungsebenen, die man im Film ebenso vergebens suchen dürfte, den eigentlichen Horror aus, der im Roman die Spannung positiv vorantreibt.

Von daher kann ich jedem eigentlich raten, eher mal zum Roman  von James Kahn statt wieder zur Spielberg-Verfilmung zu greifen. Denn der hier gebotene schriftstellerische Mehrwert macht hier eindeutig auch die spannendere Musik.

 © by Konrad Wolfram 

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