Poltergeist
von James Kahn
"Sie
sind hier", sagt die kleine Carol Anne zu ihren Eltern. Aber wer sollte
denn nun gekommen sein, während sie vorher mit dem flimmernden Bildschirm des
Fernsehers gesprochen hatte?
Eigentlich
sind Steve und Diane Freeling samt ihren Kids Dana (15 Jahre), Robbie (gerade
acht 8 Jahre geworden) und eben Carol Anne (fünf Jahre) eine typische
Mittelstandsfamilie die in einer ebenso typischen Neubausiedlung gleich das
Musterhaus bezogen hatten, wo eben Carlo Anne auch geboren wurde.
Dies ist auch nicht schwer für Steve gewesen, ist er doch der beste Angestellte der die meisten der Häuser im Siedlungsgebiet Cuesta Verde verkauft...
...weshalb er auch bei seinem Boss Frank Teague einen dicken Stein im Brett hat. Doch plötzlich verändert sich für die Freelings alles, als sie mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert werden, die man doch eigentlich niemanden wirklich erklären kann.
Und bei diesen heftigen paranormalen Aktivitäten, die zuerst
ziemlich unproblematisch begonnen hatten, verschwindet plötzlich die kleine
Carlo Anne spurlos in einer Abstellkammer.
An
anderer Stelle hofft indes das kleinwüchsige Medium Tangina Barrons auf Hilfe
durch die Parapsychologin Dr. Martha Lesh und ihre Mitarbeiter Ryan und Marty.
Denn ihre Fähigkeit, ihre Seele auf andere astrale Ebenen auszusenden, werden
immer intensiver und saugen ihr dabei beständig immer mehr ihre eigene
Lebensenergie ab.
Und
so hofft sie über Dr. Lesh, diese von ihr nie gewollte Gabe endlich beenden zu
können. Doch dann führt gerade eine ihrer paranormalen Aktivitäten sie in
Trance auf die Spur der kleinen Carol Anne und damit zu den Freelings, die
nicht einmal wissen, wo sie überhaupt in ihrer unglaublichen Lage wirkliche
Hilfe bekommen würden.
Zwar
ist Tangina so geschwächt, das sie sofort zurück in die Klinik muss, doch Dr.
Lesh, Ryan und Marty nehmen sich der Schrecken an, von denen Steve und seine
Familie heimgesucht werden. Ein Schrecken, der bald gerade Marty bis in seine
tiefste Seele terrorisieren wird.
Aber
auch Tangina versucht von der Klinik aus wieder in die übernatürlichen Ebenen
vorzudringen, um der kleinen Carlo Ann vor etwas unsagbar Bösem zu schützen,
welches sie selbst nur das Ungeheuer nennt.
Doch in diesen paranormalen Dimensionen gibt es auch andere Wesenheiten wie Sceädu, die lebendige Finsternis, Fantable, die feurige Kreatur oder ein Wesen, welches einem knorrigen Baum ähnelt. Und alles ist hier eine einzige Bedrohung für Tangina.
Trotzdem
nimmt Tangina den Kampf mit dem dunklen Wesen gHalas auf, denn die Rettung von
Carol Anne ist hierbei auch eine Rettung für Tangina gegen ihre
unkontrollierbaren und Energie entziehenden Schrecken, wenn sich in ihrem
Schlaf die Pforten zu einer dunklen Dimension öffnen.
Doch
um Carol Anne von der anderen Ebene der Finsternis retten zu können, ist auch
der volle Einsatz ihrer Eltern Diane und Steve von Nöten. Doch wird sich das
boshaft-dunkle Wesen gHalas seine Beute wirklich völlig ungestraft nehmen
lassen?
- Poltergeist
- Autor: James Kahn
- ISBN: 3 505 07376 8
- Taschenbuch, ca. 290 Seiten
- Erstauflage: 1982
-
Verlag:
Franz Schneider Verlags GmbH & Co. KG
„Ich glaube, ich habe schon gesagt - oder Ryan hat es getan -, daß Poltergeister im allgemeinen auf ein Individuum bezogen sind. Wenigstens steht es so in der Literatur. Wohingegen Spukerscheinungen mit einem bestimmten Ort verbunden zu sein scheinen ... meistens mit einem Haus." (Poltergeist/Seite 110)
Nun, dem Film „POLTERGEIST“ von Steven Spielberg, der damals zu einem wahren Blockbuster wurde, konnte ich nicht viel abgewinnen.
Denn Tobe Hooper (Texas Chainsaw Massacre/1974), der eigentlich Regie führen
sollte, war schlicht nur eine Strohfigur. Denn ein Regisseur durfte schließlich
nicht zwei Filme zugleich Inszenieren und Spielberg führte ja offiziell schon
Regie bei seinem Film „E.T.“, den er "nach Hause telefonieren" ließ.
Trotzdem konnte man absolut die Handschrift von Steven
Spielberg erkennen, der hier dann einen eher familientauglichen Horrorfilm
fasst auf Disney-Niveau in die Kinos schickte. Quasi ein Spaß von 8 bis 80
Jahre.
Also war dies jetzt nicht gerade die beste Voraussetzung,
um mich auf den Roman zum Film durch den Autor James Kahn aufmerksam zu machen.
Übrigens hatte Kahn damals sogar im Vorfeld einen kurzen darstellerischen
Auftritt in Spielbergs Film E.T. erhalten.
Allerdings bekam ich dann auch über einige Kanäle mit,
dass der Roman zum Film sogar spannender sein sollte als Spielbergs Film. Und
dies kann ich hier nun sogar wirklich bestätigen.
Zwar ist auch im Roman der Handlungsstrang um die Familie
Freeling und der kleinen Carol Anne das unverzichtbare Grundgerüst. Doch da
wohl das hierzu vorliegende Drehbuch von Steven Spielberg, Mark Victor und
Michael Grains nicht wirklich viel Fleisch auf den Knochen hatte, schmückte
Kahn nicht nur die Handlung im Roman etwas mehr auf, sondern machte die
Handlung sogar in vielfacher Hinsicht zu seinem eigenen Ding.
So taucht das Medium Tangina nicht erst später bei der
Familie Freeling als Retterin in der Not auf, sondern hat schon zu Beginn im
Roman ihren ganz eigenen Handlungsbogen und bringt erst die Parapsychologin
samt ihren Mitarbeitern zu den Freelings, die eher ziemlich isoliert und
Hilflos dem Übernatürlichen gegenüberstehen.
Aber auch bei den anderen Figuren kommen Handlungsstränge
vor, die im Film nur kurz angerissen oder gar nicht vorhanden sind. Wirklich
auffällig ist allerdings eben der starke Stellenwert, welcher die Handlung um
das Medium Tangina einnimmt, welche im Film so nicht existiert.
Aber genau diese machen, neben einigen anderen
Handlungsebenen, die man im Film ebenso vergebens suchen dürfte, den
eigentlichen Horror aus, der im Roman die Spannung positiv vorantreibt.
Von daher kann ich jedem eigentlich raten, eher mal zum
Roman von James Kahn statt wieder zur
Spielberg-Verfilmung zu greifen. Denn der hier gebotene schriftstellerische
Mehrwert macht hier eindeutig auch die spannendere Musik.
© by Konrad Wolfram

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