Gespenster-Krimi 189
ECHO 9 - Der Kristallschädel
von Sophia
Benjamin
Draußen,
auf dem Highway 23, mitten in der Wüste zwischen dem kleinen Geisterdorf Puerto
Seco und der Ortschaft Lands End in der Sonora-Wüste, brennt nicht nur die
Sonne, sondern verschwinden auch immer wieder Menschen spurlos.
Denn hier gab es das geheime Projekt NOEMA, bevor es auf schlimme Weise gescheitert war. Dort, mitten in der Wüste hatte man eine große Bohrung im Richtung Erdkern vorgenommen, ähnlich wie damals auf der Halbinsel Kola in Sibirien.
Doch
beim Projekt NOEMA hörte man aus der Tiefe keine seltsam wehklagenden Schreie
wie aus der Hölle. Dafür traf man auf etwas, was einem Kristallschädel nicht
unähnlich schien. Doch es war mehr ... viel mehr. Es war ein fremdartiges
Gehirn wie Flüssigquarz. Eine Art Vampir von Erinnerungen und Schicksalen.
Und
diese erschreckende Kraft wirkt noch immer in diesem Bereich der Wüste. Sendet
mutierte Kreaturen wie den Memophage (einen großen fliegenden Wurm) oder etwa
Raupen in verschiedenen Größen, die man auch Leichensammlerraupen nennt und die
sich selbst mit Körperteilen und Innereien ihrer Opfer zu schmücken scheinen.
Ja,
selbst verschollene Menschen wie Professor Mugford können plötzlich wie aus dem
Nichts wieder auftauchen. Doch nur als Täuschung, als eine spiegelverkehrte
Version des ehemaligen Menschen. Und diese Kreaturen sind Teil von zwei völlig
unterschiedlichen Dimensionen.
Die
ehemalige Militärärztin Rayne Monroe und Liam Warrwick, den sie nur beim
Spitznamen "Spook" nennt, kennen dieses Gebiet allerdings genau.
Denn
sie selbst waren einstmals Teil des Projekts NOEMA und suchen nun den Playboy
Donny Leavitt genau im Umfeld von Puerto Seco. Denn seine besorgte Familie hat
einen beträchtlichen Finderlohn für ihn ausgesetzt.
Doch
der 35-jährige Donny Leavitt scheint hier längst schon dem Wahnsinn verfallen
zu sein und offenbart sich Rayne nur noch als eine Vision, welche sie fasst in
eine tödliche Falle locken konnte.
Dabei
sind auch Rayne und Liam hier längst bereits wie so viele vor ihnen in einem
Schrecken um das Projekt NOEMA gefangen, welches wie ein Schwamm Wissen, Träume
und Erfahrungen aus ihren Opfern saugt und in pervertierter Weise wieder gegen
andere Menschen einsetzt.
Aber
auch mutierte Bestien, teilweise sogar in einer erschreckenden Symbiose von
Fleisch und Technik, bedrohen ihr Leben in dieser selbst schon
menschenfeindlichen Wüste.
Bald
können sie sich selbst nicht einmal mehr sicher sein, ob sie noch sie selbst
sind, oder bereits Schatten ihres eigenen Geistes, welches nun Teil des alten
Projekt NOEMA ist und sie so immer wieder durch die Hölle gehen lassen
kann.
- Erstveröffentlichung: 3. Januar 2026
- Autor: Sophia Benjamin
-
Ein
Einzelroman
„Die Wesen draußen waren namenlos, körperlos - keine Monster im klassischen Sinne. Es waren Termiten des Geistes. Zerfallsbringer. Sie schwammen im Sand wie winzige dunkle Intelligenzen.“ (Gespenster-Krimi/Band 189, "ECHO 9 - Der Kristallschädel"/Seite 35)
Erwarten sie als Leser ein Happy End? Nun, hier überlässt
ihnen die Autorin Sophia Benjamin die jeweils betreffende Auslegung. Denn es
könnte für Rayne und Liam gut ausgegangen sein oder es könnte eben auch nur
eine weitere grausame Vision sein, welche sich in Luft auflösen könnte.
Der Bastei Verlag hatte in der Vorschau für den Roman „ECHO
9 - DER KRISTALLSCHÄDEL“ im „GESPENSTER-KRIMI“ Band 188 bereits damit geworben,
dass die Autorin hier einen außergewöhnlichen wie auch "beängstigenden
psychodelischen Schocker" präsentieren würde.
Und ja, dieser Roman hebt sich inhaltlich durchaus von
den üblichen Gruselromanen der Bastei-Reihe ab. Und das sogar im positiven
Sinne, wie ich aus meiner Sicht bemerken würde.
Hier stimmt nämlich einfach alles. Die Handlung trägt
eine unheimliche Atmosphäre, die Dialoge sitzen immer auf den Punkt und lassen
die Protagonisten des Roman äußerst lebendig wirken, und die Spannung baut sich
hier auch durch Überraschungen auf, die teils innerhalb der Handlung sogar
recht surreal wirken.
Ob man jetzt aber der devoten sexuellen Ausrichtung von
Liam, bzw. seinem Fuß- oder Schuh-Fetischismus aber nun so viel Raum geben
musste, darüber kann man sich natürlich streiten. Man muss es aber nicht
unbedingt, denn dieser Inhalt schmälert die Spannung und die Glaubwürdigkeit
der handelnden Figuren zu keinem Augenblick.
Man könnte auch einwenden, dass dieser intime Einblick
bei den Protagonisten den gewünscht surrealen Charakter der Gesamthandlung
sogar noch unterstreicht, da man so von einem gängigen zwischenmenschlichen
Konzept abweicht, welches man ansonsten aus einem Gruselroman her kennt.
Mit Abstand betrachtet legt dieser erste „GESPENSTER-KRIMI“
im neuen Jahr 2026 damit sicherlich aber auch schon gleich die Messlatte recht
hoch. Denn eigentlich mal angefangen zu lesen, mag man den Roman nicht mehr aus
der Hand legen wollen.
Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet kann man daher
nur hoffen, dass die weiteren Romane und deren Autoren der Reihe sich von
diesem interessanten Handlungsaufbau und der Stärke der lebendigen Dialoge
leiten lassen.
Das Niveau als Romanheft, welches bei nicht wenigen
leider seit den 1980er Jahren eher als etwas angestaubt gilt, könnte hierbei
sicherlich positiv profitieren.
© by Konrad Wolfram

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