Dorian Hunter 122
Der Diamantendolch
von Earl Warren (Walter Appel)
Die Inderin Reena will Don und Unga zu dem verschwundenen Colonel Bixby bringen.
Zuvor glaubt Unga erneut die Stimme Jeff
Parkers durch den Kommandostab zu hören, ist sich aber nicht sicher.
Nach einem geistigen Kontakt mit den Padmas erklärt Reena, dass der Padma in Gefahr sei, weil Chakravartin immer größeren Einfluss gewinne. Um dem Padma zu helfen, pilgert man mit den Anhängern nach Ajanta.
Durch Andeutungen der Pilger erinnert Unga sich,
dass er im achten Jahrhundert schon einmal dort war, um seinen Herrn Hermon
alias Hermes Trismegistos zu suchen.
Da er trotz Krankheit gegen den Dämon Ravana kämpfte
und ihn schließlich besiegte, rankt sich sogar ein Mythos um den “Goldenen
Fremden”, bezogen auf seine Gesichtsfarbe. Durch eine List gelang es Unga
damals, das Karma des Dämons in den Diamanten eines Dolchs fahren zu lassen,
worauf er ihm den Dolch ins Herz stieß.
In der Gegenwart erfährt er, dass die Chakras den
Dämon wiederbeleben wollen, indem sie das Karma befreien, das sich noch im
Diamanten befindet. Ravana unterstützt dies in drei Tierinkarnationen, die Unga
jedoch nach und nach ausschaltet.
Als Don schließlich Colonel Bixby entdeckt, hat
dieser inzwischen die Seiten gewechselt und nimmt den Diamanten an sich, worauf
das Karma Ravanas in ihn fährt. Als Unga auftaucht, ist er bereits mit Don
Chapman verschwunden.
- Erschienen am 2. Mai 2023
- Erstveröffentlichung: Am 30. November 1976 als „Dämonenkiller Band 119“
-
Titelbild: Mark Freier
Mit diesem Roman legt Earl Warren
die Fortsetzung des Doppelbandes rund um die Ereignisse in Indien vor, und auch
wenn (oder besser gerade weil) diese nur am Rande mit den Janusköpfen zu tun
haben, kann auch dieser zweite Teil wieder überzeugen.
Das liegt zum einen an der sehr
packend geschilderten Handlung, die keine längere Nebenhandlung und somit auch
keine unnötigen Längen aufweist, an dem exotischen und sehr schön beschriebenen
Schauplatz und nicht zuletzt an dem beachtlichen Talent des Autors, seinen
Figuren Leben einzuhauchen.
Das trifft natürlich vor allem
auf Unga muss zu, denn diese ohnehin schon starke Figur hat sich in den letzten
Bänden noch weiter entwickeln können. Im Gegensatz zum Dämonenkiller, dessen
Wandlung zum Halbgott dieser Figur doch sehr geschadet hat, bleibt Unga in
seinem Verhalten und Auftreten, auch im Umgang mit anderen Figuren immer
glaubwürdig und authentisch.
Vor allem aber - und das ist
das bemerkenswerte - ist er im Grunde der wahre Held dieser Serie, da er zum
einen noch zu kämpfen versteht, wenn es sein muss auch mit bloßen Händen, und
zum anderen das Herz am rechten Fleck hat. Zudem ist er nicht auf den Kopf
gefallen und verfügt über einen lakonisch bissigen Humor, der die manchmal
etwas trockene Odyssee immer wieder auflockert.
Zwar wundert man sich ein wenig
darüber, dass Unga sich in der Vergangenheit kaum weniger zivilisiert verhält,
als der gegenwärtige Unga, der das erst nach einer längeren Anpassungszeit
konnte, aber da die Episode recht kurz ist, kann man darüber hinwegsehen.
Überhaupt ist die Idee, einen
Mythos um die Figur herum zu stricken wieder mal eine von den gelungenen, zumal
dieser hier mal eben mit einem Augenzwinkern entzaubert wird, da der “Goldene”
eigentlich eine gelbe Gesichtsfarbe aufgrund seiner Krankheit hat. Einfach
köstlich.
Auch Ungas Kampf gegen den
Dämon Ravana ist spannend und macht Spaß, weil er hier einmal nicht mit seiner
immensen Körperkraft, sondern mit Köpfchen agieren muss, was schließlich erst
das Rätsel um das im Diamanten eingeschlossene Karma in Gang bringt.
Dass Colonel Bixby sich dann am
Ende als Gefäß des Karmas und somit als Wiedergeburt des Dämons erweist, ist
dann das Sahnehäubchen, da der Autor den Leser hier zunächst auf eine falsche
Fährte führt, weshalb der Schluss diesmal nicht unbedingt vorhersehbar ist.
Nebenbei hat man so auch die bis dahin doch recht blasse Figur des Colonel
Bixby (zumindest vorübergehend) etwas aufgewertet.
Alles in allem ein spannender,
überdurchschnittlicher Roman, der zwar die Handlung um die Janusköpfe nicht
groß voranbringt, aber dafür ein kleines Highlight in diesem doch etwas
seltsamen Zyklus darstellt, in dem ein Dorian Hunter wieder nur mit hoch
erhobenem Ys-Spiegel in der Gegend herumläuft, während der Steinzeitmensch Unga
auch mal ohne den Kommandostab zurechtkommt und hier sehr eindrucksvoll zeigt,
was ein wahrer Held zu leisten vermag…
© by Stefan Robijn
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