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Donnerstag, 23. Juli 2026

Roman: Tunnel

Tunnel

von Daniel Weber

Der Tag sollte eigentlich richtig schön ausklingen zwischen dem sechsundzwanzigjährigen Michael Dörfler, seiner Verlobten Elena und den zukünftigen Schwiegereltern Franz und Gertrude.

Nur hätte man die Linie 2 der U-Bahn nicht nehmen sollen, in der sich an diesem Abend zwölf Personen eingefunden hatte. Denn dieser Wagon wird niemal sein eigentliches Ziel erreichen.

Denn ehe Michael und die anderen sich versehen, wachen sie nach einem möglichen Unfall in einem seltsamen Tunnel auf, dessen Wände, der Boden und die Decke identisch und wie glatt poliert wirken. 

Doch der seltsame Gestank aus Fäkalien und Desinfektionsmitteln raubt ihnen den Atem.  Und dann eskaliert sie Situation auch schon, denn der Geschäftsmann Norbert Obermann dreht durch und entwendet bei einem Handgemenge einem der Streifenpolizisten die Waffe und schießt dem Afrikaner Paul direkt in den Kopf.

Doch die Kugel bleibt stecken und Paul schwört danach, weder schmerzen zu haben, noch sonst beeinträchtigt zu sein. Zwar ist Obermann danach in Panik in einer der Seitengänge geflohen. Aber die Polizisten Ludwig Klaus und Nadja Leitner stufen ihn weiterhin wegen der Waffe als Gefahr ein.

Doch die eigentliche Gefahr für die Menschen, darunter auch Pauls vierjähriger Sohn Benny, die alte Frau Joseefine Jedlicka oder Ingrid mit ihrer vierzehnjährigen Tochter Tanja sehen sich bald einer Gefahr gegenüber, die es eigentlich schon aufgrund der Naturgesetze nicht geben dürfte.

Denn bald verspüren sie weder Hunger noch Durst und selbst die Akkus ihrer Handys scheinen sich nicht zu entladen. Denn sie bekommen Anrufe mit seltsamen Geräuschen, auch wenn sie hier offenbar keinen Empfang haben.

Doch hier kann der Tod in erschreckend grausamer Weise zuschlagen, was zuerst für alle unvorbereitet die junge Tanja trifft. Und während sich die Gruppe versucht durch diese seltsamen Gänge und Räume zu einem möglichen Ausgang durchzukämpfen, sind sie auch Angriffen von spinnenartigen Kreaturen oder wurmartigen Wesen ausgesetzt, die wie Tentakel aussehen.

Bald schon müssen Michael Dörfler und die anderen Überlebenden sich eingestehen, das hier in diesen Tunneln einfach alles falsch ist und sowohl ihre Orientierung als auch die Zeit selbst zu einer völligen Illusion verkommt.

Dafür scheint das Grauen in diesen Tunneln sie systematisch einen nach dem anderen zu dezimieren. Und dann fängt sich sogar Michaels Verlobte Elena langsam körperlich zu verändern, was mit einer heftigen Eifersucht gegen die Polizistin Nadja einhergeht.

Doch wird es Michael und den noch Überlebenden überhaupt gelingen können, dem Wahnsinn zu entkommen, oder ist dies erst der Beginn einer viel schlimmeren Katastrophe?

  • Tunnel
  • Autor: Daniel Weber
  • Aus der Buchreihe "H.P. Lovecrafts Schriften des Grauens"
  • ISBN: 978-3-68984-777-7
  • Taschenbuch, ca. 136 Seiten
  • Erstveröffentlichung: Juni 2026
  • Blitz Verlag

„Die Fäden, die einmal seine Finger gewesen waren, zogen sich zusammen wie die Fühler von Schnecken, wenn man sie berührt. Die Masse seines ehemaligen Gesichts verschrumpelte, platzte auf und entließ faulig stinkende braunrote Brocken auf dem Boden. Sie dampften.“ (Tunnel/seite 44)

Dieser Roman von Daniel Weber, welcher offenbar vorher schon länger in seiner Schublade gelegen hatte und nun überarbeitet in der Reihe „H. P. LOVECRAFTS SCHRIFTEN DES GRAUENS“ seitens des Blitz Verlag erstmalig veröffentlicht wurde, hat es wahrlich in sich.

Dabei fängt der Roman an wie so mancher übliche Gruselroman. Nämlich in einer U-Bahn-Linie in Wien mit einem verliebten Paar und den glücklichen Eltern der Verlobten.

Zudem werden erst einmal alle weiteren acht unterschiedlichen Personen aus der Erinnerung von Michael Dörfler eingeführt, welche sich zu diesem Zeitpunkt in dem besagten Wagon befinden.

Allerdings geht der Autor dann auch zügig ins Eingemachte, als die U-Bahn scheinbar einen Unfall hat, welcher aber nur eben diesen einen Wagon zu betreffen scheint.

Und so wachen Michael und die anderen nicht in den Trümmern ihres Wagon in einem U-Bahn-Schacht auf, sondern in tunnelartigen Gängen und Räumen die wie blank poliert aussehen und eine unheimliche Ausstrahlung besitzen. Von dem allgegenwärtigen bestialischen Gestank einmal ganz zu schweigen.

Und je mehr sie versuchen, diesem seltsamen Ort zu entkommen um ihr Leben zu retten, umso mehr müssen sie feststellen, das hier nichts mehr den eigentlich unumstößlichen Naturgesetzen gehorcht.

Dabei sind die mitunter glitschigen Monster nicht einmal wirklich die gruselige Spitze in der Handlung, sondern eher ein weiteres Sahnehäubchen auf dem atmosphärisch äußerst dichten wie finsterem Kuchen.

Die Handlung steigert sich nämlich schnell in eine Art fiebrigem Albtraum, bei dem hier und da uns Lesern H. P. Lovecraft ein wenig aufmunternd zuzwinkert, während wir gerade Seite für Seite in einem Backroom-Horror immer mehr dem nackten Wahnsinn entgegen treiben.

Denn gerade die seltsamen Gänge und Räume bauen mit ihrem diffus beschriebenen Licht die eigentlich bedrohliche Atmosphäre auf, bei der Geräusche wie ein Kratzen, Schmatzen oder Klicken das nahen eines schrecklichen Todes verkünden kann. Und nicht zuletzt können selbst die Menschen neben einem zur potentiellen Gefahr mutieren.

Wer also eine recht außergewöhnliche, ja beklemmende Atmosphäre in einem Roman sucht, welcher an den Hirnwindungen langsam bis zum Wahnsinn kratzt, der sollte bei „TUNNEL“ von Daniel Weber unbedingt zugreifen.

© by Konrad Wolfram

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