Tunnel
von Daniel Weber
Der
Tag sollte eigentlich richtig schön ausklingen zwischen dem
sechsundzwanzigjährigen Michael Dörfler, seiner Verlobten Elena und den
zukünftigen Schwiegereltern Franz und Gertrude.
Nur
hätte man die Linie 2 der U-Bahn nicht nehmen sollen, in der sich an diesem
Abend zwölf Personen eingefunden hatte. Denn dieser Wagon wird niemal sein
eigentliches Ziel erreichen.
Denn ehe Michael und die anderen sich versehen, wachen sie nach einem möglichen Unfall in einem seltsamen Tunnel auf, dessen Wände, der Boden und die Decke identisch und wie glatt poliert wirken.
Doch der seltsame Gestank aus Fäkalien
und Desinfektionsmitteln raubt ihnen den Atem. Und
dann eskaliert sie Situation auch schon, denn der Geschäftsmann Norbert
Obermann dreht durch und entwendet bei einem Handgemenge einem der
Streifenpolizisten die Waffe und schießt dem Afrikaner Paul direkt in den Kopf.
Doch
die Kugel bleibt stecken und Paul schwört danach, weder schmerzen zu haben,
noch sonst beeinträchtigt zu sein. Zwar ist Obermann danach in Panik in einer
der Seitengänge geflohen. Aber die Polizisten Ludwig Klaus und Nadja Leitner
stufen ihn weiterhin wegen der Waffe als Gefahr ein.
Doch
die eigentliche Gefahr für die Menschen, darunter auch Pauls vierjähriger Sohn
Benny, die alte Frau Joseefine Jedlicka oder Ingrid mit ihrer vierzehnjährigen
Tochter Tanja sehen sich bald einer Gefahr gegenüber, die es eigentlich schon
aufgrund der Naturgesetze nicht geben dürfte.
Denn
bald verspüren sie weder Hunger noch Durst und selbst die Akkus ihrer Handys
scheinen sich nicht zu entladen. Denn sie bekommen Anrufe mit seltsamen
Geräuschen, auch wenn sie hier offenbar keinen Empfang haben.
Doch
hier kann der Tod in erschreckend grausamer Weise zuschlagen, was zuerst für
alle unvorbereitet die junge Tanja trifft. Und während sich die Gruppe versucht
durch diese seltsamen Gänge und Räume zu einem möglichen Ausgang
durchzukämpfen, sind sie auch Angriffen von spinnenartigen Kreaturen oder wurmartigen
Wesen ausgesetzt, die wie Tentakel aussehen.
Bald
schon müssen Michael Dörfler und die anderen Überlebenden sich eingestehen, das
hier in diesen Tunneln einfach alles falsch ist und sowohl ihre Orientierung
als auch die Zeit selbst zu einer völligen Illusion verkommt.
Dafür
scheint das Grauen in diesen Tunneln sie systematisch einen nach dem anderen zu
dezimieren. Und dann fängt sich sogar Michaels Verlobte Elena langsam
körperlich zu verändern, was mit einer heftigen Eifersucht gegen die Polizistin
Nadja einhergeht.
Doch
wird es Michael und den noch Überlebenden überhaupt gelingen können, dem
Wahnsinn zu entkommen, oder ist dies erst der Beginn einer viel schlimmeren
Katastrophe?
- Tunnel
- Autor: Daniel Weber
- Aus der Buchreihe "H.P. Lovecrafts Schriften des Grauens"
- ISBN: 978-3-68984-777-7
- Taschenbuch, ca. 136 Seiten
- Erstveröffentlichung: Juni 2026
-
Blitz
Verlag
„Die Fäden, die einmal seine Finger gewesen waren, zogen sich zusammen wie die Fühler von Schnecken, wenn man sie berührt. Die Masse seines ehemaligen Gesichts verschrumpelte, platzte auf und entließ faulig stinkende braunrote Brocken auf dem Boden. Sie dampften.“ (Tunnel/seite 44)
Dieser Roman von Daniel Weber, welcher offenbar vorher
schon länger in seiner Schublade gelegen hatte und nun überarbeitet in der
Reihe „H. P. LOVECRAFTS SCHRIFTEN DES GRAUENS“ seitens des Blitz Verlag
erstmalig veröffentlicht wurde, hat es wahrlich in sich.
Dabei fängt der Roman an wie so mancher übliche
Gruselroman. Nämlich in einer U-Bahn-Linie in Wien mit einem verliebten Paar
und den glücklichen Eltern der Verlobten.
Zudem werden erst einmal alle weiteren acht
unterschiedlichen Personen aus der Erinnerung von Michael Dörfler eingeführt,
welche sich zu diesem Zeitpunkt in dem besagten Wagon befinden.
Allerdings geht der Autor dann auch zügig ins
Eingemachte, als die U-Bahn scheinbar einen Unfall hat, welcher aber nur eben
diesen einen Wagon zu betreffen scheint.
Und so wachen Michael und die anderen nicht in den
Trümmern ihres Wagon in einem U-Bahn-Schacht auf, sondern in tunnelartigen
Gängen und Räumen die wie blank poliert aussehen und eine unheimliche
Ausstrahlung besitzen. Von dem allgegenwärtigen bestialischen Gestank einmal
ganz zu schweigen.
Und je mehr sie versuchen, diesem seltsamen Ort zu
entkommen um ihr Leben zu retten, umso mehr müssen sie feststellen, das hier
nichts mehr den eigentlich unumstößlichen Naturgesetzen gehorcht.
Dabei sind die mitunter glitschigen Monster nicht einmal
wirklich die gruselige Spitze in der Handlung, sondern eher ein weiteres
Sahnehäubchen auf dem atmosphärisch äußerst dichten wie finsterem Kuchen.
Die Handlung steigert sich nämlich schnell in eine Art
fiebrigem Albtraum, bei dem hier und da uns Lesern H. P. Lovecraft ein wenig
aufmunternd zuzwinkert, während wir gerade Seite für Seite in einem
Backroom-Horror immer mehr dem nackten Wahnsinn entgegen treiben.
Denn gerade die seltsamen Gänge und Räume bauen mit ihrem
diffus beschriebenen Licht die eigentlich bedrohliche Atmosphäre auf, bei der
Geräusche wie ein Kratzen, Schmatzen oder Klicken das nahen eines schrecklichen
Todes verkünden kann. Und nicht zuletzt können selbst die Menschen neben einem
zur potentiellen Gefahr mutieren.
Wer also eine recht außergewöhnliche, ja beklemmende
Atmosphäre in einem Roman sucht, welcher an den Hirnwindungen langsam bis zum
Wahnsinn kratzt, der sollte bei „TUNNEL“ von Daniel Weber unbedingt zugreifen.
© by Konrad Wolfram

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