Gespenster-Krimi 203
Das Schloss der Medusa
von Earl Warren
(Walter Appel)
1892:
Da Jack the Ripper, oder besser gesagt, Dr. Anthony Bridenhope sogar einer der
Leibärzte von Queen Victoria war, wurde der Dirnenmörder unter falschem Namen
und unter hohen Sicherheitsauflagen ins berüchtigte Gefängnis von Dartmoor
gesperrt.
Offiziell gilt er zwar als spurlos verschwunden, doch der Ripper kann nun aus Dartmoor fliehen und versucht sich nun in Calmoran Castle zu verstecken, wo er sich aus Jugendtagen bestens auskennt.
Auch
der junge Inspektor Harold "Harry" Worden, der damals bei der
Festnahme von Jack the Ripper beteiligt war, soll nun auf Anweisung von
Superintendent Sir Archibald Hoggs Jack the Ripper wieder einfangen, ohne dabei
die Geheimhaltung zu dessen Person zu beschädigen.
Der
Ripper macht in den weiträumigen Kellergewölben von Calmoran Castle allerdings
bald selbst eine schreckliche Entdeckung. Denn der verstorbene Earl of
Calmoran, welcher als Okkultist unter dem Namen "Schwarzer Earl"
bekannt war, hatte die Medusa aus der Unterwelt heraufbeschworen. Und die steht
nun leibhaftig vor ihm.
Schnell
lässt sie nun auch Jack the Ripper versteinern, um weitere Kräfte zu sammeln.
Denn auch Stephen Calmoran, der ältere Bruder der zwanzigjährigen Janet
Calmoran, ist ihr bereits zum Opfer gefallen.
Als
Inspektor Harry Worden und Konstabler Mackenzie auf Calmoran Castle eintreffen,
funkt es indessen sogleich zwischen ihm und Janet, welche vorher in London
unter dem Pseudonym Lily Aberdeen sich als Schauspielerin am Theater versucht
hatte.
Auf
dem Schloss selbst, trifft man derweil auf immer mehr Merkwürdigkeiten, So
steht im kleinen Garten seit kurzem eine lebensechte Statue von Janets Bruder.
Jedoch weiß auch das Personal nicht, wo diese plötzlich hergekommen ist. Und
nicht lange darauf, steht plötzlich auch eine Statue des Jack the Ripper dort.
Doch
auch ein Angriff der teuflischen Gorgone selbst lässt nicht lange auf sich
warten. Doch Janet gelingt es sie in die Flucht zu schlagen, da die Medusa
offensichtlich etwas geschwächt auf die Jungfräulichkeit von Janet reagiert.
Nur Konstabler Mackenzies Beine scheinen fasst bis zu den Knien zu versteinern
und kurz danach zu zerfallen.
Am Ende ist man gezwungen, Mackenzies mit einer Kutsche ins Krankenhaus zu bringen, wobei alle Bewohner von Calmoran Castle die Flucht ergreifen müssen. Dabei wird die Kutsche auch von einem geflügelten Zerberus angegriffen, den Harry allerdings mit Weihwasser und einem Kreuz zumindest wieder in die Flucht schlagen kann.
So
wirklich glauben will man Harry und Janet in London allerdings ihre Geschichte
nicht, doch will man Harry Worden und eine größer Einheit von Männern zu einem
Himmelfahrtskommando ausschicken, was dieser jedoch kategorisch ablehnt.
Janet
kommt indessen auf die Idee, den Schriftsteller Arthur Conan Doyle, den
Erfinder der Romanfigur Sherlock Holmes, um Rat zu bitten. Helfen kann dieser
aber Janet und Harry auch nicht.
Doch
er schickt sie zu Dr. Winfield Scott, der als alternder Okkultist und Mythologe
bekannt ist. Doch weiß dieser, wie man die Medusa stoppen kann, deren Macht
bereits immer mehr zu wachsen scheint?
- Roman Veröffentlichung: Am 18. Juli 2026
- Autor: Earl Warren (Walter Appel)
-
Ein Einzelroman
"Herr und Satan, hilf mir aus meiner Not. Ich will weiter morden und Böses tun. Hier sind mir die Hände gebunden. Hier verfaule ich bei lebendigem Leib." (Gespenster-Krimi/Band 203, "Das Schloss der Medusa"/Seite 2)
Der Altmeister Walter Appel hat unter seinem recht
bekannten Pseudonym Earl Warren wieder einmal zugeschlagen und dem „GESPENSTER-KRIMI“
einen neuen Roman beschert. Und das gilt es zu würdigen, denn mit Jahrgang 1948
ist auch dieser Autor nicht unbedingt mehr ein junger Hüpfer im
schriftstellerischen Geschäft.
Insgesamt aber kann ich sagen, das Romane von Walter
Appel aka Earl Warren für mich früher schon oft eine kleine Offenbarung in
Sachen Ideenfindung, Spannung und Umsetzung waren.
Ganz im Gegensatz z.B. zu Helmut Rellergerd aka Jason
Dark, der es früher zwar auch mitunter gute Romane schrieb, aber für meine
Begriffe leider auch schlicht zu oft viele Romane bei seiner eigenen Serie „JOHN
SINCLAIR“ spannungfrei und unlogisch hinschludern konnte.
Und das hohe Niveau gelang Walter Appel eben nicht nur im
Bereich der Gruselromane, sondern auch z.B. im Abenteuerbereich, wie bei seiner
leider nur kurzweilige "Indiana Jones" ähnlichen Serie „ROBERTA LEE“
(2010 - 2011) aus dem Kelter Verlag.
Natürlich fragt man sich hier aber in diesem Roman zuerst
schon, was in einem Gruselroman über eine Gorgone nun Jack the Ripper zu suchen
hat? Oder wieso spukt die Medusa aus der griechischen Mythologie überhaupt in
einem düsteren Schloss in England?
Aber man kann sicher sein das Walter Appel nicht einfach
gewisse Figuren der Mythologie einfach nur kräftig aber unlogisch durchmischt,
sondern er liefert bei aller Phantastik in der Handlung trotzdem für seine
Leserschaft immer auch logisch nachvollziehbare Erklärungen.
Und so findet man hier sogar eine nette Love Story mit
humorvollen Einlagen, einen Einblick in die eher verlogenen Moralvorstellungen
der viktorianischen Epoche bis hin zu Robert Louis Stevensons Lied der Piraten
aus dessen Roman „DIE SCHATZINSEL“ (Erstdruck 1881 als Mehrteiler bis 1882),
welche die Darstellung des Zeitalter lebendig und interessant abrunden, ohne
dabei negativ an der Spannung zu kratzen.
Gesamt betrachtet zeigt der Autor Walter Appel hier also
auch im hohen Alter, das er noch heute einer der wohl besten Autoren aus dem
Bereich des Heftroman ist. Von daher kann ich hinsichtlich des Romans „DAS
SCHLOSS DER MEDUSA“ hier nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen.
© by Konrad Wolfram

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