Der Angstfresser
von Tanja Hanika
Chester
Harris ist Schriftsteller. Oder besser gesagt, er gilt als der Horrorautor, der
seinen Lesern den Angstschweiß beim Lesen auf die Stirn bringt.
Nur bei der Lesung zu seinem letzten Buch bemerkt er bei seinen Zuhörern keine wirkliche Angst.
Aber genau dieses Gefühl benötigt er wie ein Drogensüchtiger sein Heroin.
Und so reift in ihm der Plan für ein ganz besonderes Event. Ein
Horrorabend für besonders ausgesuchte Gäste.
Auch Ethan Josephson ist bei der Lesung von Chester zugegen.
Denn er ist ein großer
Fan und würde gerne selbst einmal ein berühmter Autor entsprechender Bücher des
Genre werden. Selbst seine Freundin June Payne unterstützt ihn bei seinem
Traum.
Denn
sie besorgt für ihn und sich selbst zwei der begehrten Eintrittskarten zu
Chester Harris Event. Doch hätte sie gewusst, dass es sich hier um ein Event
handelt, in dem auf sie reale Angst, viel Blut und unbeschreibliche Schmerzen
warten, hätte sie es wohl besser unterlassen, die Eintrittskarten zu besorgen.
Zumal selbst das entsprechend alte Gebäude von Chester für sehr viel Geld zu einer tödlichen Falle umgebaut wurde, welches niemand mehr lebend verlassen kann, wenn Chester selbst auch nur ein Haar gekrümmt wird.
Und um dies zu
unterstreichen hat sich Chester auch ein paar skrupellose Handlanger
eingestellt, wie den undurchsichtigen Wesson.
Und
so finden sich in der Villa neben Ethan und June an diesem Abend sein früherer
Verleger Raymond Varela samt seiner Frau Rachel, die Bloggerin Amber Tarley, der
Fernsehjournalist Frank Chira, Lucille Shelldrake, Chesters heimliche Liebe und
Ben Haberman, ein Buchkritiker, der Chester und seinen Werken bisher weniger
gut gesonnen war, zum abendlichen Event ein.
Beginnt
der Abend bei einem Festmahl noch ziemlich locker, weil Chesters Gäste noch
nicht wissen, dass das Fleisch von amputierten Körperteilen von seiner
verhassten Mutter stammen, so nimmt das ganze schnell extremere Formen an. Denn
Chester foltert zu seinem eigenen kranken Vergnügen danach vor seinen Gästen
seine noch lebende Mutter nun aus Rache zu Tode.
Sich
dagegen wehren, so merken seine Gäste recht bald, scheint völlig unmöglich zu
sein. Und daran sind nicht nur dessen kriminellen Handlanger schuld. Selbst
Lucille, in die Chester verliebt ist, weiß nicht wirklich, zu welchen grausamen
Spielen Chester seine Gäste noch treiben wird.
Denn Chester ist nicht einfach
nur ein durchgeknallter Irrer, sondern ein eiskalter und berechnender
Psychopath.
Und
während Chester seine Gäste in der zur tödlichen Falle umgebauten Villa zu
immer neuen Spielen zwingt, die stets in Angst, Schweiß, Blut und Tod enden,
liegt es nun an Ethan, einen Weg zu finden, um zumindest seine geliebte June
vor diesem Monster retten zu können.
Aber
auch der völlig undurchsichtige Wesson hütet ein Geheimnis, welches selbst
Chester Harris nicht einmal ahnt.
- Der Angstfresser
- Autor: Tanja Hanika
- Taschenbuch ca. 206 Seiten
- Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
- Erstveröffentlichung: April 2018
-
ISBN:
979-1-9852-3216-7
"Gleichzeitig werden Ihnen bei dieser Gelegenheit ein paar faszinierende Einblicke gewährt, die wir Menschen normalerweise nicht erhalten, wenn wir es nicht dazu gebracht haben, Ärzte zu sein. Sie alle dürfen nun gleich abstimmen, wessen Schädel geöffnet wird." (Der Angstfresser/Seite 94)
Oh, das tut weh, könnte ich jetzt sagen. Denn die Autorin
Tanja Hanika aus der schönen Eifel steigt gleich im Prolog ihres Roman „DER
ANGSTFRESSER“ in eine äußerst blutige Szene aus dem abendlichen Event ihres
psychopathischen Killers ein, bevor es danach erst einmal zeitlich zurück in
erst einmal ruhigere Bahnen geht.
Und genau dieser Anfang hat es in sich. Denn Chester
Harris lässt hier seinen ganzen Hass gegen seine eigene Mutter freien Lauf, vor
der sogar damals sein älterer Bruder Richard Harris eines Tages weggelaufen
ist.
Und ja, wirkliche Liebe und Führsorge zu ihren Kindern
war Chesters Mutter auch eher fremd. Aber über Chesters Bruder und dessen
Schicksal erfahren wir dann etwas später auch mehr im Roman.
Aber auch wenn gleich der Prolog schon auf eher sanftere
Leserinnen und Leser schon wegen der expliziten Gewaltbeschreibung einen
kleinen Schock auslösen könnte, so treibt die Autorin auch die Spannung
gnadenlos weiter in immer neue und unglaubliche Höhen.
Denn ihre Figur Chester Harris scheint hier mit einer
geradezu einzigartig morbiden Fantasie gesegnet zu sein, die gedanklich
durchaus Grenzen überschreitet, ohne dabei in einer eher langweiligen
Aneinanderreihung von Grausamkeiten zu enden.
Aber auch unser Killer mit der morbiden Fantasie muss
irgendwann merken, dass seine Grausamkeiten in Sachen Angst irgendwann auch
seine Opfer abstumpfen lassen, während die, die er geglaubt hatte, auf seiner
Seite zu wissen, sich plötzlich gegen ihn wenden.
Und so zeigt die Autorin Tanja Hanika hier auch perfekt
im Verlauf der Handlung, wie ein menschliches Monster eigentlich alle Strippen
des Schicksals seiner Opfer in seinen eigenen Händen hält, am Ende aber
trotzdem selbst jeden sicher geglaubten Halt verlieren kann.
Insgesamt bietet uns hier die Autorin Tanja Hanika einen Roman, in denen die Opfer in Spiele getrieben werden, welche selbst in der Frage von Leben und Tod jegliche bekannten Grenzen überschreiten.
Dabei dann auch noch die Spannung für die Leser selbst
immer wieder auf neue Höhen zu treiben, ist schon eine Kunst, welche die
Autorin hier geradezu perfekt meistert.
© by Konrad Wolfram

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