Schwarzer Sommer
von Jack D.
Shackleford
Felicia
Graig, auch "Flick" genannt, hatte einmal alle Voraussetzungen, in
London ein gefragtes Fotomodel zu werden. Doch leider lief nicht alles für die
junge und hübsche Frau wie im Bilderbuch.
Dann hatte sie einige Fehler gemacht und eine lange Narbe, die nun direkt an der Seite einer Gesichtshälfte von der Stirn herab verläuft, setzen ihrem Erfolg in dieser Branche ein jähes Ende.
Also flüchtet sie aus dem Rampenlicht der englischen Metropole in eine kleine, abgelegene Ortschaft. Hier lebt ihre Freundin Joanna seit ihrer Hochzeit mit ihrem Mann Adrian Black zusammen.
Sich zutritt in deren Haus zu verschaffen fällt Flick nicht schwer,
doch von Adrian und ihrer stets lebensfrohen Freundin Joanna ist weit und breit
nichts zu sehen. Dafür macht sie Bekanntschaft mit Jesse, einem nicht unbedingt
sehr intelligenten Mann, der Flicks Anwesenheit scheinbar nicht verwundert.
Flick
fragt sich bereits, ob es wirklich eine gute Idee von ihr war, so plötzlich bei
ihrer Freundin und ihrem Ehemann untertauchen zu wollen. Doch dann taucht
Adrian in Begleitung seiner schönen Schwester Jessica Oakes auf, die auch die
eigentliche Eigentümerin des Hauses ist. Von ihnen erfährt sie auch, dass sich
die immer lebensfrohe Joanna seit ihrer Ehe stark verändert hat.
.Zwar
wird Flick von Adrian und seiner Schwester aufgenommen. Aber auch Adrian
scheint gleich auf Flick ein Auge geworfen zu haben. Denn er plant zur
Mittsommernacht eine Aufführung im örtlichen Gemeindehaus und würde darin
liebend gerne Flick die Rolle der Sternengöttin zuweisen.
Als
Joanna dann aus dem Sanatorium kommt, ist ihr Zustand schlimmer als Flick
bisher vermutet hatte. Und bald fragt sie sich, warum Adrian und Jessica sie
mit Medikamenten geradezu zudröhnen.
Doch
scheint auch eine weitere Person mit Namen Gil
einen gewissen Hang zu den mystischen Traditionen der Zigeuner zu haben,
welche bisher vor Ort die Kreise von Adrian und Jessica erheblich störten.
Flick
indessen ahnt noch nicht, dass sich Adrian als Magier des Okkulten versteht und
gemeinsam mit seiner Schwester einen niederträchtigen Plan verfolgt, um die
Macht der Finsternis auf sich zu vereinigen und dabei auch einen grausamen
Dämon zurück auf die Erde holen will.
Und
welche Rolle spielt der Homunculus bei der völligen Veränderung von Joanna, den
Adrian nicht nur mit schwarzer Magie erschaffen hat, sondern gemeinsam mit
Jessica vor den Augen der Öffentlichkeit in einem Käfig im Keller verstecken?
Alles
scheint auf das Fest zur Mittsommernacht hinaus zu laufen, bei dem Flick in der
Rolle der Sternengöttin bei einem düsteren Ritual im Mittelpunkt stehen soll.
Selbst dem örtlichen Pfarrer scheint dabei eine düstere Rolle zugedacht worden
zu sein.
Unterdessen
trifft Gil an einem anderen Ort auf eine alte Zigeunerin, der man magische
Kräfte zuschreibt. Könnte diese blinde und auch körperlich behinderte Frau
eventuell die letzte Rettung sein, bevor Adrian und Jessica das Tor zur Hölle
aufstoßen?
- Schwarzer Sommer
- Originaltiel: The Eve of Midsummer
- Autor: Jack D. Shackleford
- ISBN: 978-3-746774-94-7
- Taschenbuch, ca. 228 Seiten
-
Verlag:
Apex (2018)
"Was war doch noch sein Name?" - "Es hat keinen Namen." - "Was isses denn? Das hat keine Frau geboren. Das weiß ich." (Schwarzer Sommer/Seite 77)
"Immer nett lächeln und winken": Mit diesem
Ausspruch der Pinguine aus dem Animationsfilm „MADAGASKAR“ (2005) könnte man
auch das Vorgehen unsere Satanisten-Geschwister vergleichen.
Selten habe ich über so nette Bösewichte in einem
Horrorroman lesen dürfen. Zu scharf sind sonst zumeist die Trennlinien zwischen
Gut und Böse die in vielen Romanen gezogen und damit auch für den Leser
zugleich offensichtlich sind.
So wundert es auch nicht, wenn Jack D. Shacklefords Roman
„SCHWARZER SOMMER“ über eine gewisse Strecke hinweg eher in ruhigen Bahnen
innerhalb der Handlung verläuft.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass man als Leser nun das
Gefühl vermittelt bekommt, man lese hier einen Roman, der in Sachen Atmosphäre
und Spannung wenig zu bieten hätte. Beides baut sich nämlich schleichend und
sicherlich nicht uninteressant bereits in den ersten Seiten auf.
Eigentlich ist es ja gerade Felicia/Flick, die bei Joanna
zuerst einen seelischen Anker sucht, den ihr ihre Freundin durch ihre Beziehung
aber nie wird geben können. Für Adrian und Jessica sind die Menschen indessen
nur Spielbälle, welche man nach ihren bösartigen Plänen gezielt ausnutzt.
Viel mehr möchte ich hier auch nicht über die Handlung
des Roman „SCHWARZER SOMMER“ von Jack D. Shackleford verraten, der bereits einmal
im Januar 1980 im Verlag Bastei Lübbe erschien und nun als Übersetzung aus dem
Amerikanischen durch Giesela Tinnefeld und Christian Dörge im Apex Verlag
erhältlich ist.
Die reichaltigen Charaktere des Romans sind hierbei
durchaus etwas einfach gezeichnet, was dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch
beschert. Für tiefergehende Charakterisierungen bleibt hier bei der Menge an
Figuren auf ungefähr 202 Seiten Romaninhalt auch eher wenig Raum.
Trotzdem gelingt es Shackleford mit nur wenigen
Umschreibungen der jeweiligen Figuren beim Leser ein höchst lebendiges Bild im
Kopf zu erzeugen, weshalb man auch gerne bereit ist, diesen Figuren und ihrer
Rolle in der Geschichte gespannt zu folgen.
Einen wirklichen "Helden" sucht man hier
freilich vergeblich und auch die Figur des Gil handelt wohl eher aus einer
moralischen Haltung heraus, ohne dabei
zum Helden in einer strahlenden Rüstung zu mutieren.
Der Roman wurde übrigens 1977 zum ersten mal in den USA
unter dem Originaltitel „THE EVE OF MIDSUMMER“ bei Corgi Books verlegt und gilt
mittlerweile als ein Klassiker des Okkult-Horror.
Gerade im letzteren Teil merkt man aber auch, dass der
Autor Jack D. Shackleford sich durchaus in Sachen Okkultismus eingelesen hatte.
So trifft man hier in den Dialogen z.B. auch auf den einen oder anderen
Ausspruch, den man durchaus auch von einem Aleister Crowley entlehnt betrachten
darf.
© by Konrad Wolfram

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