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Dienstag, 13. Januar 2026

Novelle: Carmilla die Vampirin

Carmilla die Vampirin

von Sheridan Le Fanu

Ein ehemals in österreichischen Diensten stehender englischer Witwer bewohnt recht beschaulich mit seiner hübschen Tochter Laura ein kleine Schloss in der Steiermark. Dabei ist das Leben ist hier nicht unbedingt durch Aufregungen gezeichnet.

Allerdings hatte Laura im Alter von sechs Jahren in der Nacht einmal ein schauriges Erlebnis, als es in der Nacht im Bett von einem seltsam schönen, wie katzenhaften Wesen aufgesucht und von diesem in die Brust gebissen wurde.

Doch war dies wirklich Realität, oder doch eher ein recht heftiger Albtraum des Mädchens.

Denn später schein es keinerlei Spuren von diesem seltsamen Angriff dieses Wesens mehr zu geben, welches plötzlich spurlos unter Lauras Bett verschwand.

Viele Jahre später erwartet Lauras Vater den Besuch seines Freundes, General Spielsdorf samt seiner bezaubernden Nichte. Doch dann erfolgt lediglich eine Absage aus einem traurigen Grund. Denn die besagte junge Nichte verstarb plötzlich unter mehr als recht seltsamen Umständen.

Für Laura ist dies besonders ein trauriges Ereignis. Denn gerade sie hätte sich über eine Freundin in der zwar schönen, aber auch recht einsamen Gegend gefreut. Doch wie es der Zufall will, bringt der Unfall einer Kutsche dann das hübsche Mädchen mit Namen Carmilla für eine längere Zeit in die Obhut von Lauras Vater, während deren Mutter nach der Reparatur der Kutsche unbedingt ihre Reise fortsetzen will.

Allerdings erhält Lauras Vater keinerlei Imnformationen über die Herkunft und die Vergangenheit von Carmilla. Dafür gesteht Carmilla Laura, früher den gleichen seltsamen Albtraum gehabt zu haben. Schon diese Übereinstimmung im Geiste sorgt dafür, dass die beiden Mädchen recht schnell eine intensive Freundschaft pflegen.

Allerdings scheinen Carmilla seltsame Stimmungsschwankungen zu beherrschen, während ihre Zuneigung zu Laura ebenfalls sehr intensiv ausfällt.

Allerdings scheint Carmilla auch eine tief sitzende Abneigung gegen alle christlichen Werte zu haben und schläft am Tage lange, während sie in den Nächten in den Fluren umherstreift. Aber Laura fällt auch auf, das Carmilla einem Familienporträt auffällig ähnelt, welche die junge Gräfin Mircalla Karnstein bis auf das Muttermal ähnelt.

Aber auch Laura wird wieder von Albträumen heimgesucht, in der sie nun von einer Katze in die Brust gebissen wird, welche sich wieder schemenhaft in eine Frau verwandelt, die den Raum danach aber durch das Fenster verlässt. Der hinzugerufene Arzt indessen scheint eine düstere Vorahnung zu haben und rät deshalb dazu, Laura nun ständig unter Beobachtung zu halten.

Lauras Vater macht sich indessen ins Dorf Karnstein auf, wo dieser auf General Spielsdorf trifft, der ihm eine fasst ähnliche Begebenheit vor dem plötzlichen Tod seiner Nichte erzählt. Denn auch er traf vorher auf eine in Eile befindlichen Mutter, die ihre junge Tochter bei ihm ließ, worauf diese bald seine Nichte völlig im Bann zu haben schien.

Spielsdorf ahnt rasch, das auch Laura in höchster Gefahr schwebt, weil es sich bei Carmilla um die Gräfin Karnstein, einer Vampirin handeln könnte, dessen geheimes Grab er nun finden muss, um die Umtriebe der Untoten endlich zu beenden.

  • Carmilla die Vampirin
  • Autor: Sheridan Le Fanu
  • ISBN: 978-3-25724-087-0
  • Taschenbuch, ca. 128 Seiten
  • Verlag: Diogenes
  • Erscheinungstermin: 2011

„CARMILLA DIE VAMPIRIN“ als Gothic-Novelle über einen weiblichen Vampir erschien seitens des irischen Autor Sheridan Le Fanu bereits 1872 und wurde auch als Fortsetzungsroman im „THE DARK BLUE“ (1871 - 1872) veröffentlicht. Und damit dürfte dieser frühe erotisch- wie gleichgeschlechtlich - aufgeladene Roman durchaus ein frühes Werk der Vampirliteratur sein.

Die Novelle „DER VAMPYR“ seitens John Polidori und Lord Byron erschien allerdings bereits 1819, obwohl Lord Byron mitnichten die Geschichte schrieb. Denn der eigentliche Autor, John Polidori, wurde hinsichtlich der Veröffentlichung nicht gefragt. Allerdings hatte er mit dieser Novelle quasi die erste Vampirerzählung der Weltliteratur hingelegt.

Doch der Glaube an Vampire reicht natürlich noch viel weiter zurück, Denn der erste reale Mensch, der schriftlich nachvollziehbar als "Vampir" bezeichnet wurde, war der Bauer Jure Grando (auch Giure Grando), der 1656 im Dorf Kringa verstorben war. Kringa lag wiederum im heutigen Kroatien.

Und die Position der erste Frau als Vampir dürfte wohl ungeschlagen die ungarische Gräfin Elisabeth Bathory (verheiratet mit Namen Elisabeth Nadasdy), verstorben 1614 auf der Burg Schächtitz inne gehabt haben.

Ob Bram Stoker etwas über den Bauern Jure Grando wusste, dürfte eher zweifelhaft sein. Aber Stoker kannte sehr wohl die Geschichten um Elisabeth Bathory als auch die Novelle „CARMILLA“ von Le Fanu, was wiederum seinen literarischen Welterfolg „DRACULA“ entscheidend mitgeprägt haben dürfte.

Aber auch das Adelsgeschlecht der Karnsteins wurde über die Novelle hinaus gerne wieder aufgegriffen. Dies gilt durchweg nämlich für so einige Vampirfilme des britischen Hammer Studio. 

Hier handelt es sich nämlich um die filmische Karnstein-Trilogie mit den Horrorfilmen „GRUFT DER VAMPIRE“ (1970), „NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG“ (1971), sowie „DRACULAS HEXENJAGD“ (ebenfalls 1971), die ich sogar in meiner kleinen Hammer-Sammlung als DVD bzw. Blu-ray habe.

Für den heutigen Geschmack in Sachen Horror oder explizit sogar den Vampirromanen dürfte die Handlung von „CARMILLA DIE VAMPIRIN“ wohl kaum noch als wirklich gruselig durchgehen. Trotzdem findet man die Novelle von verschiedenen Verlagen und in verschiedenen Ausgaben selbst heute noch ohne Probleme.

Und ja, „CARMILLA DIE VAMPIRIN“ von Sheridan Le Fanu punktet selbst bei mir mehr noch durch die teils märchenhaft-düster wirkende Atmosphäre als durch ein direktes gruseliges Flair.

In diesem Sinne, und besonders, wenn man sich um das Thema Vampirismus in der Literatur bemüht, kommt man sicherlich nicht an dieser Novelle von Sheridan Le Fanu vorbei, welche auch für diese Zeit untypisch erste sehr zarte Hinweise auf eine gleichgeschlechtliche Zuwendung  beinhaltet.

Aber gut, auch Bram Stokers Dracula hatte ja einen unbestreitbaren Hauch Erotik zwischen den Zeilen, der gerade den Nerv der weiblichen Leserschaft damals zu kitzeln wusste.

© by Konrad Wolfram

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