Carmilla die Vampirin
von Sheridan Le
Fanu
Ein
ehemals in österreichischen Diensten stehender englischer Witwer bewohnt recht
beschaulich mit seiner hübschen Tochter Laura ein kleine Schloss in der
Steiermark. Dabei ist das Leben ist hier nicht unbedingt durch Aufregungen
gezeichnet.
Allerdings
hatte Laura im Alter von sechs Jahren in der Nacht einmal ein schauriges
Erlebnis, als es in der Nacht im Bett von einem seltsam schönen, wie
katzenhaften Wesen aufgesucht und von diesem in die Brust gebissen wurde.
Doch
war dies wirklich Realität, oder doch eher ein recht heftiger Albtraum des
Mädchens.
Denn später schein es keinerlei Spuren von diesem seltsamen Angriff
dieses Wesens mehr zu geben, welches plötzlich spurlos unter Lauras Bett
verschwand.
Viele
Jahre später erwartet Lauras Vater den Besuch seines Freundes, General
Spielsdorf samt seiner bezaubernden Nichte. Doch dann erfolgt lediglich eine
Absage aus einem traurigen Grund. Denn die besagte junge Nichte verstarb
plötzlich unter mehr als recht seltsamen Umständen.
Für
Laura ist dies besonders ein trauriges Ereignis. Denn gerade sie hätte sich
über eine Freundin in der zwar schönen, aber auch recht einsamen Gegend
gefreut. Doch wie es der Zufall will, bringt der Unfall einer Kutsche dann das
hübsche Mädchen mit Namen Carmilla für eine längere Zeit in die Obhut von
Lauras Vater, während deren Mutter nach der Reparatur der Kutsche unbedingt
ihre Reise fortsetzen will.
Allerdings
erhält Lauras Vater keinerlei Imnformationen über die Herkunft und die
Vergangenheit von Carmilla. Dafür gesteht Carmilla Laura, früher den gleichen
seltsamen Albtraum gehabt zu haben. Schon diese Übereinstimmung im Geiste sorgt
dafür, dass die beiden Mädchen recht schnell eine intensive Freundschaft
pflegen.
Allerdings
scheinen Carmilla seltsame Stimmungsschwankungen zu beherrschen, während ihre
Zuneigung zu Laura ebenfalls sehr intensiv ausfällt.
Allerdings
scheint Carmilla auch eine tief sitzende Abneigung gegen alle christlichen
Werte zu haben und schläft am Tage lange, während sie in den Nächten in den
Fluren umherstreift. Aber Laura fällt auch auf, das Carmilla einem
Familienporträt auffällig ähnelt, welche die junge Gräfin Mircalla Karnstein
bis auf das Muttermal ähnelt.
Aber
auch Laura wird wieder von Albträumen heimgesucht, in der sie nun von einer
Katze in die Brust gebissen wird, welche sich wieder schemenhaft in eine Frau
verwandelt, die den Raum danach aber durch das Fenster verlässt. Der hinzugerufene
Arzt indessen scheint eine düstere Vorahnung zu haben und rät deshalb dazu,
Laura nun ständig unter Beobachtung zu halten.
Lauras
Vater macht sich indessen ins Dorf Karnstein auf, wo dieser auf General
Spielsdorf trifft, der ihm eine fasst ähnliche Begebenheit vor dem plötzlichen
Tod seiner Nichte erzählt. Denn auch er traf vorher auf eine in Eile
befindlichen Mutter, die ihre junge Tochter bei ihm ließ, worauf diese bald
seine Nichte völlig im Bann zu haben schien.
Spielsdorf
ahnt rasch, das auch Laura in höchster Gefahr schwebt, weil es sich bei
Carmilla um die Gräfin Karnstein, einer Vampirin handeln könnte, dessen
geheimes Grab er nun finden muss, um die Umtriebe der Untoten endlich zu
beenden.
- Carmilla die Vampirin
- Autor: Sheridan Le Fanu
- ISBN: 978-3-25724-087-0
- Taschenbuch, ca. 128 Seiten
- Verlag: Diogenes
-
Erscheinungstermin:
2011
„CARMILLA DIE VAMPIRIN“ als Gothic-Novelle über einen
weiblichen Vampir erschien seitens des irischen Autor Sheridan Le Fanu bereits
1872 und wurde auch als Fortsetzungsroman im „THE DARK BLUE“ (1871 - 1872)
veröffentlicht. Und damit dürfte dieser frühe erotisch- wie
gleichgeschlechtlich - aufgeladene Roman durchaus ein frühes Werk der
Vampirliteratur sein.
Die Novelle „DER VAMPYR“ seitens John Polidori und Lord
Byron erschien allerdings bereits 1819, obwohl Lord Byron mitnichten die
Geschichte schrieb. Denn der eigentliche Autor, John Polidori, wurde
hinsichtlich der Veröffentlichung nicht gefragt. Allerdings hatte er mit dieser
Novelle quasi die erste Vampirerzählung der Weltliteratur hingelegt.
Doch der Glaube an Vampire reicht natürlich noch viel
weiter zurück, Denn der erste reale Mensch, der schriftlich nachvollziehbar als
"Vampir" bezeichnet wurde, war der Bauer Jure Grando (auch Giure
Grando), der 1656 im Dorf Kringa verstorben war. Kringa lag wiederum im
heutigen Kroatien.
Und die Position der erste Frau als Vampir dürfte wohl
ungeschlagen die ungarische Gräfin Elisabeth Bathory (verheiratet mit Namen
Elisabeth Nadasdy), verstorben 1614 auf der Burg Schächtitz inne gehabt haben.
Ob Bram Stoker etwas über den Bauern Jure Grando wusste,
dürfte eher zweifelhaft sein. Aber Stoker kannte sehr wohl die Geschichten um
Elisabeth Bathory als auch die Novelle „CARMILLA“ von Le Fanu, was wiederum
seinen literarischen Welterfolg „DRACULA“ entscheidend mitgeprägt haben dürfte.
Aber auch das Adelsgeschlecht der Karnsteins wurde über
die Novelle hinaus gerne wieder aufgegriffen. Dies gilt durchweg nämlich für so
einige Vampirfilme des britischen Hammer Studio.
Hier handelt es sich nämlich um die filmische
Karnstein-Trilogie mit den Horrorfilmen „GRUFT DER VAMPIRE“ (1970), „NUR
VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG“ (1971), sowie „DRACULAS HEXENJAGD“ (ebenfalls 1971), die
ich sogar in meiner kleinen Hammer-Sammlung als DVD bzw. Blu-ray habe.
Für den heutigen Geschmack in Sachen Horror oder explizit
sogar den Vampirromanen dürfte die Handlung von „CARMILLA DIE VAMPIRIN“ wohl
kaum noch als wirklich gruselig durchgehen. Trotzdem findet man die Novelle von
verschiedenen Verlagen und in verschiedenen Ausgaben selbst heute noch ohne
Probleme.
Und ja, „CARMILLA DIE VAMPIRIN“ von Sheridan Le Fanu
punktet selbst bei mir mehr noch durch die teils märchenhaft-düster wirkende
Atmosphäre als durch ein direktes gruseliges Flair.
In diesem Sinne, und besonders, wenn man sich um das
Thema Vampirismus in der Literatur bemüht, kommt man sicherlich nicht an dieser
Novelle von Sheridan Le Fanu vorbei, welche auch für diese Zeit untypisch erste
sehr zarte Hinweise auf eine gleichgeschlechtliche Zuwendung beinhaltet.
Aber gut, auch Bram Stokers Dracula hatte ja einen
unbestreitbaren Hauch Erotik zwischen den Zeilen, der gerade den Nerv der
weiblichen Leserschaft damals zu kitzeln wusste.
© by Konrad Wolfram

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