My.: Ich bin Jahrgang 1959, geboren in Düsseldorf, und nach Ausbildungen und
Tätigkeiten als Pharmagroßhandelskaufmann, Vertriebsassistent und Logistiker in
einer Chemiefirma sowie letztlich als ITler in einer Maschinenbaufirma. Nach
Eintritt in die Rente bin ich nunmehr Verleger und Dienstleister für die Branche.
Ich bin zum vierten Mal verheiratet und besitze zwei
Hundemädchen. Ich versuche, mich wenigstens finanziell im Tierschutz zu
engagieren, hier vor allem in Bezug auf Hunde aus den ehemaligen
Ostblockstaaten, wo Hunde – abgesehen von den hundefressenden Chinesen und
Koreanern – maximal schlecht behandelt werden. Aber das ist ein anderes Thema,
das hier nichts zu suchen hat.
Ingo Löchel: Wie kam es zur Gründung des Verlages p.machinery?
My.:.: Eigentlich durch Zufall. Ich habe in den 80ern und 90ern in einer Münchner Chemiefirma gearbeitet und hatte dort einen Kollegen, der wie ich aus Düsseldorf stammte. Seine Gattin war der japanischen Blumenkunst Ikebana zugeneigt und suchte irgendwann nach einem bestimmten Buch, das ums Verrecken nicht zu bekommen war.
Ich sollte nach dem Buch suchen und fand auch nichts – aber die Autoren Ayako Graefe, die auch noch in nächster Nähe (bei München) wohnte. Und mit einer Neuausgabe völlig einverstanden war.
Ayako Graefes Ikebana-Buch war die erste
p.machinery-Veröffentlichung. Das Buch gibt es heute noch (über Books on
Demand) und wurde inzwischen von drei weiteren Bänden gefolgt. Ikebana ist ein
schönes Thema, vor allem, weil die Gemeinschaft derjenigen, die sich damit
beschäftigen, recht homogen und hermetisch ist, was die Verkaufszahlen ziemlich
gut kalkulierbar macht.
Ingo
Löchel: Wo liegt der Fokus des Verlages? Nur auf SF?
My.: Jein. Natürlich ist SF vor allem mit meiner Reihe »AndroSF« und Ablegern wie »Die Welten der SF« sowie natürlich Imprints die Hauptsache meines Verlages.
Aber daneben gibt es noch »Außer der Reihe«, wo ich Bücher veröffentliche, die mir einfach gefallen, und noch mehr Imprints – hier z. B. »Zwischen den Stühlen«, gemeinsam mit Kai Beisswenger gemacht.
Aber der Fokus ist letztlich doch die Science-Fiction. Wenn ich mich für ein Projekt von drei oder fünf vorliegenden entscheiden muss, wird es jedenfalls ein SF-Projekt an erster Stelle sein.
(Und letzten Endes spielen auch die Autoren eine Rolle.
Von einem Autor wie Ralph Alexander Neumüller [»Das Stoffuniversum«, »Das
zweigeteilte All« – beides Preisgewinner] und Gabriele Behrend [zahlreiche
Titel] würde ich einfach alles veröffentlichen. Gabriele ist eine begnadete
Schriftstellerin, die für Herzen und Hirne schreibt, und Ralph ist einfach … hm
… genial. Aber das sind nur zwei Namen von vielen,)
Ingo
Löchel: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem SFCD (Science Fiction Club
Deutschland e.V.) bezüglich der SF-Reihe »AndroSF«, die in Deinem Verlag
erscheint?
My.: Irgendwann in den 2000ern wollte ich dann doch nicht nur Ikebana- und Hundebücher (da gab es insgesamt drei Titel) machen, sondern wirklich Science-Fiction verlegen. 2006 war ich Mitglied im SFCD-Vorstand und in einer Vorstandssitzung schlug ich die Idee vor, der SFCD möge SF-Bücher veröffentlichen und verlegen.
Der damalige Kassierer sparte lieber Geld, statt sich im Sinne des Vereins auch finanziell zu engagieren, sodass ich mich entschloss, die Reihe »AndroSF« – den Namen entwickelten wir im SF-Netzwerk (scifinet.org) – selbst herauszubringen und dem SFCD zu widmen.
Der SFCD ist nur in Bezug auf die Lieferungen von jeweils zwei Exemplaren für das SFCD-Archiv involviert, ansonsten gab es kein finanzielles Engagement des Vereins. Aber mit inzwischen mehr als zweihundert Ausgaben ist diese Reihe insgesamt einfach eine Hausnummer.
Und der SFCD muss sich wirklich nicht schämen, mich mit
der Idee allein gelassen zu haben. Heute bin ich kein SFCD-Mitglied mehr, aber
die Reihe ist nach wie vor »für den SFCD« gedacht und wird im Impressum auch so
bezeichnet. Es ist kein wirksames Verkaufsargument, weder im SFCD noch
außerhalb, aber es ist mir einfach ein Anliegen.
Ingo Löchel: Was hat es mit dieser SF-Reihe auf sich?
My.: Nun ja, sie präsentiert SF-Bücher. Nicht mehr und nicht weniger.
My.: Das sind drei Geschichten. An NOVA kam ich auch durch Zufall. Der vorherige Verleger Jürgen Eglseer (Amrûn Verlag) hatte kein Interesse mehr. Ich weiß nicht, warum und es interessiert mich auch nicht. Michael K. Iwoleit, damals noch Mastermind von NOVA, kam auf mich zu und fragte, ob ich übernehmen wollte. Ich wollte.
Et voilà – NOVA 26 war die erste Ausgabe, inzwischen
arbeiten wir an der Ausgabe 38. Und das wird noch weitergehen, denn NOVA ist
auch unter finanziellen Gesichtspunkten eine interessante Geschichte. Für die
theoretische Idee, das Engagement für NOVA aufzugeben, müsste man mich rechterdings
steinigen .
»daedalos« ist eine andere Story. Ich habe seit Langem Kontakt mit Ellen Norten, der Witwe von Hubert Katzmarz, der bis Anfang der 2000er mit unterschiedlicher Mannschaft den ersten »daedalos« veröffentlichte. Durchaus eine Erfolgsgeschichte. Hubert verließ dann diese Welt, der »daedalos« war auch Vergangenheit – bis 2022 die Idee aufkam und mit Ellen Norten und Andreas Fieberg entwickelt wurde, den »daedalos« wiederzubeleben.
Leider waren die Verkaufszahlen bis zur Ausgabe 17 nicht zufriedenstellend, sodass die Herausgeber (Ellen, Andreas und Michael Siegener) entschieden, den »daedalos« einem anderen Verleger zu übergeben.
Ab der Ausgabe 18 wird »daedalos« erst mal in der Edition Dunkelgestirn erscheinen und ich würde mir wünschen, dass das dauerhaft so
bleibt.
Den »REISSWOLF« kenne ich lange Zeit, ich hatte in den 80ern, als Ünver Hornung und Hans Tilp & Co. den »ersten« »REISSWOLF« machten – die klassischen Ausgaben gibt es weitgehend auf der Website www.reisswolf-magazin.de zum Download –, guten Kontakt mit den beiden.
Irgendwann in diesen Jahren kam dann ein ganz anderes Problem auf. Nachdem ich den SFCD verlassen hatte und auch die ANDROMEDA NACHRICHTEN nicht mehr deichselte, stellte sich für einige Rezensenten das Problem ein, dass die neue Redakteurin – die ansonsten einwandfreie Arbeit abliefert, da will ich hier hervorheben – Limits einführte, was sich vor allem für Rezensenten auswirkte, die sehr ausführlich zu besprechen pflegten.
Und ich hatte die Idee, mit dem neuen »REISSWOLF« – der
im Januar 2026 auch schon wieder die dreißigste Ausgabe präsentieren wird –
eine Plattform für Rezensenten quasi ohne Limit zu schaffen. Der »REISSWOLF«
veröffentlicht Rezis zu SF, Fantasy, ggf. auch Horror, grundsätzlich zu allen
fantastischen Themen; dazu gibt es auch Interviews mit für die Szene(n)
relevanten Persönlichkeiten.
Ingo Löchel: In welcher Form erscheinen die Magazine? Nur als Print-Ausgabe?
My.: Die Bücher erscheinen als Printversionen und als E-Books. Dazu gehören
auch alle Imprints. Nur der »REISSWOLF« erscheint vorrangig zum Download und
zusätzlich – für die Papierfans – auch gedruckt.
Ingo Löchel: Wie ich auf der Seite von »Reisswolf« entnehmen konnte, suchst Du für dieses Magazin Rezensionen. Kann da jeder mitmachen und Rezension einsenden?
My.: Ja, jeder kann mitmachen. Es muss sich halt um Rezensionen zu fantastischen Titeln (SF, Fantasy, Horror, Fantastik) handeln, Was zu beachten ist, kann man unter reisswolf-magazin.de/formalien nachlesen.
Und die besprochenen Bücher müssen nicht hyperaktuell
sein; auch Klassiker sind gern genommen. Dazu werde ich gerne immer wieder
Specials zu Comics, SF-Filmen usw. präsentieren, wenn sich die Zahl der
einschlägigen Rezensionen lohnt.
Ingo Löchel: Erscheinen darin nur Rezensionen zu neuen Veröffentlichungen oder werden auch Rezensionen zu älteren Büchern, Romanen, Hörbüchern etc. angenommen?
My.:. Es muss nicht aktuell sein, auch ein Blick nach hinten soll sich lohnen. Immerhin stellt sich immer wieder auch mal die Frage, ob man sich mit einem älteren Titel beschäftigen sollte, der einem namentlich unter die Augen gekommen ist – da kann dann eine Besprechung durchaus hilfreich sein.
Hörbücher gehören dann mit in die Rubriken zu Comics und
Filmen, die ich zuvor erwähnte; da möchte ich gerne Specials generieren, dich
sich eben z. B. mit Hörbüchern generell beschäftigen.
Ingo
Löchel: Wie schaut es bei »Nova« aus? Wird für dieses Magazin auch noch
Material (Kurzgeschichten, etc.) gesucht?
My.: Ja, NOVA sucht immer Material. Manchmal gibt es Themenausgaben, derzeit
aber eher nicht. Wichtig sind die richtigen Kontakte, die man unter dem Link herausfinden kann. Wichtig ist das auch, weil ich zwar
Verleger bin, aber keinerlei Entscheidungen bezüglich der Inhalte treffe.
Ingo Löchel: Wo liegt der Fokus bei diesen beiden Magazinen. Phantastik im Allgemeinen oder nur SF?
My.: Ja, NOVA ist SF. Punkt. Und zum »daedalos« kann ich immerhin noch
vermerken, dass es da um Fantastik im Allgemeinen geht. Aber das entscheiden
letztlich natürlich immer die drei Herausgeber und ihr neuer Verleger.
Ingo Löchel: Wird es im Jahr 2026 auch wieder Ausschreibungen beim Verlag p.machinery geben?
My.: Mal schauen. Wenn mir entsprechende Ideen unterkommen. Es gibt allerdings auch Anthologien, die von dann zukünftigen Herausgebern gemanaged und mir dann als Komplettpaket angeboten werden.
Aktuell kommt das eine Anthologie namens »Diesseits ferner Sterne«, herausgegeben von Achim Stößer und Stefan Junghanns, sowie »Anderswo«, eine Anthologie von Jörg Weigand.
Wenn ich schöne und interessante Ideen erfahre, mache ich
auch eigene Ausschreiben. Wie es sich halt ergibt. Aktuell liegt aber
meinerseits nichts an. Was sich morgen schon ändern kann.
Ingo Löchel: Welche Buch-Projekte sind für die Zukunft in Deinem Verlag geplant?
My.: Das ist schwierig zu beantworten, wenn es um konkrete Informationen geht. Es stehen diverse AndroSF-Bände an, es kommt etwas »Außer der Reihe« und auch »Zwischen den Stühlen« wird sich 2026 einiges ereignen.
Wenn es um bekannte Namen geht: Rainer Erler ist dabei,
Monika Niehaus, Thomas Franke, Robert Hector, Adrian Urban und viele, viele
mehr.
Ingo Löchel: Michael, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
My.: Gerne. Danke, dass ich antworten durfte


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