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Dienstag, 18. März 2025

Das Gold der Meermönche

Gespenster-Krimi 168

Das Gold der Meermönche

von Sophia Benjamin

Robin McThane wird von ihrer Freundin Mabel von Augusta im US-Bundesstaat Main in die kleine, abgelegene Ortschaft Goldwater gefahren, welche direkt am Nordatlantik liegt.

Denn hier will Robin endlich ihrer Leidenschaft der Malerei fröhnen und Abstand von ihrem Freund Geoffrey finden, welcher sie aus rein egoistischen Gründen an seiner Seite hält.

Hier, wiederum von der kleinen Ortschaft recht abgelegen, bezieht Robin deshalb ein Ferienhaus, welches sie von der alten Tilly Ott angemietet hat. 

Und dieses Haus liegt auch an einer Bucht, die in früheren Jahren durch seine gefährlichen Riffe vielen Seefahrern das Leben gekostet hatte und wo deshalb auch unbekannte Reichtümer an Gold und Edelsteinen in den gefährlichen Tiefen versunken sein sollen.

Und manchmal, so sagt die Legende, versuchen die Seedämonen ein menschliches Opfer zu finden, indem sie es durch eines der versunkenen Goldmünzen oder Schmuckstücke am Strand anlocken. Doch wer diese berührt, der verliert nicht nur seine Seele an den Meerbischof und seine Mönche, wie man diese Kreaturen allgemein in Goldwater nennt.

Doch diese Bucht hatte früher auch den treffenden Namen Deadwater getragen, wegen eben den gefährlichen Klippen. Und irgendwie scheint die Legende um die Meermönche auch im Zusammenhang mit der Familie McStratton zu stehen, die auf dem Weg zu Robins Ferienhaus einstmals eine große Villa bewohnten, welche jetzt jedoch seit vielen Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben ist, und von der die Bewohner von Goldwater nur zu gerne schweigen würden.

Aber Robin macht auch die Bekanntschaft mit dem jungen und gutaussehenden Aidan Roscoe, der nur zu gerne ihre Nähe sucht,  was seiner Mutter allerdings weniger zu gefallen scheint. Und die ist auch die Besitzerin eines Motel, einem Supermarkt und einem Diner in Goldwater.

Das es allerdings draußen bei ihrem Ferienhaus nicht wirklich mit rechten Dingen zugeht, merkt Robin dann auch selbst recht schnell. Denn gerade Nachts quälen sie plötzlich äußerst merkwürdige und erschreckende Albträume.

Aber auch ihr Hund, der Chow-Chow mit Namen Boris legt mitunter ein merkwürdiges Verhalten an den Tag, weil sein Beschützerinstinkt mehr als nur einmal zutage tritt, ohne das Robin hierfür einen direkten Grund erkennen kann. Allerdings ist auf Boris sonst immer Verlass gewesen.

Als sie dann auch noch in der Nähe plötzlich eine Goldmünze entdeckt, schrillen bei Boris alle Alarmglocken und Robin entsorgt in sicherer Weise den Fund ohne ihn zu berühren wieder im Wasser.

Doch auch sonst spitzen sich die Ereignisse zu. Denn warum hat ein so junger Mann wie Aidan eine bereits vollständige Zahnprothese und warum verhält sich seine Mutter so ablehnend gegenüber Robin? 

Und was hat McStrattons Close, die leerstehende Villa mit der Legende dieser Wasserkreaturen zu tun, oder was bedeutet die schriftliche Warnung an Robin, in der steht, das "Fleisch und Fisch niemals zusammen gehören"?

Als dann aber auch noch Geoffrey plötzlich auftaucht und zwei weitere Fotomodels im Schlepptau hat, bricht plötzlich die Hölle in der Bucht aus, dessen Kreaturen einem seltsam gelblichen Nebel zu folgen scheinen…

  • Erschienen am 15. März 2025
  • Ein Einzelroman von Sophia Benjamin

„Es öffnete die Augen, aus denen Robin ein giftgrüner stechender Blick traf, wie man ihn nie zuvor bei einem Baby gesehen hatte, und gleichzeitig öffnete es einen Mund voll nadelscharfer Hechtzähne.“ (Gespenster-Krimi Band 168, "Das Gold der Meermönche"/Seite 40)

Gut, die Skelette auf dem Cover tauchen im Roman nirgendwo auf und auch der Titel mit den "Meermönchen" hat sicherlich etwas vom 1980er-Trash-Faktor des Genre. Der Roman konnte mich trotzdem gleich von der ersten Seite an fesseln, ohne das in der gesamten Handlung auch nur ein einziges Mal das Wort "Blut" aufgetaucht wäre.

Aber in der Handlung redet man eigentlich auch nur über Leichen bzw. Opfer in der Vergangenheitsform. Trotzdem schwelt eine stets düstere Atmosphäre der Gefahr in der Handlung, welche die Spannung langsam aber konsequent ansteigen lässt.

Denn es gelingt der Autorin Sophia Benjamin interessanter Weise durchaus sehr gut, mit perfekten Sätzen und einer sich langsam steigernden dunklen Atmosphäre jede Menge Spannung in der Handlung aufzubauen, ohne gleich entsprechend "blutige Opfer" mitliefern zu müssen.

Und scheint man sich als Leser zu Beginn des Romans in der Gegenwart zu befinden, so wird man von der Autorin schon nach kurzer Zeit in die eher jüngere Vergangenheit versetzt, in der dann die eigentliche Handlung liegt.

Auch was die Kreaturen des Bösen in dieser Handlung betrifft, so könnte man sie statt als "Skelette" (wie auf dem Cover) eher als eine Mischung aus den Fischmenschen beschreiben, wie man sie in den Erzählungen von H. P. Lovecraft findet, oder dem Amphibienmonster aus dem Filmklassiker „DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS“ (aus dem Jahre 1954). Aber auch hier macht die Autorin ihr wirklich ganz eigenes Ding, ohne dabei zu offensichtlich andere Autoren oder Filmemacher kopieren zu wollen.

Aber es hätte mich auch eher gelangweilt, wenn die Autorin hier dem Cover des Romans entsprechend etwa die üblichen Gerippe der Seeleute dieser damals versunkenen Schiffen präsentiert hätte. Denn das wirkt nicht mehr gruselig, sondern beizeiten schon eher ein wenig albern.

In der Gesamtheit gelingt es der Autorin aber darüber hinaus auch immer wieder, die Handlung mit einigen kurzen aber humorvollen Sätzen oder Begebenheiten erfrischend aufzulockern. Und auch diese Passagen, bei denen nicht selten auch der Chow-Chow Boris in der Handlung beteiligt ist, hatten mich so fest im Griff, das ich auch deshalb den Roman in einem Zug lesen musste.

Man könnte den Roman „DAS GOLD DER MEERMÖNCHE“ von Sophia Benjamin durchaus eher von der Handlung her einen Mystery-Thriller als einen wirklich finsteren Horrorroman bezeichnen. Das macht aber nichts, denn spannend unterhalten hatte mich der Roman mit jeder einzelnen Zeile.

 © by Konrad Wolfram

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