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Freitag, 4. Juni 2021

Der Leihbuch-Ära - Hans-Joachim von Koblinski

Joachim von Koblinski war wohl einer der produktivsten Autoren der Leihbuch-Ära. Von 1950 bis 1976 veröffentlichte er über 1.700 Romane quer durch alle Genres. Angefangen vom Westernroman über den Frauenroman bis hin zum Kriminalroman.

Hans Joachim von Koblinski wurde 1921 in Berlin geboren. Nach dem Abitur verpflichtete sich von Koblinski bei der Wehrmacht und studierte Pharmazie. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hielt er sich mit Aushilfstätigkeiten bei Bayer in Leverkusen über Wasser, bis er einen Job beim Kölner Stadtanzeiger als Lokalreporter erhielt.

Seine Bekanntschaft mit dem früheren Rodeoreiter Billy Jenkins (Erich Rudolf Otto Rosenthal, verstarb am 21. Januar 1954 in Köln), der damals in Köln in einem Wohnwagen hauste, brachte Koblinski 1952 in Kontakt mit dem Uta-Verlag. 

1952 gab Joachim von Koblinski unter dem Pseudonym GUNNAR KOLIN  in dem TOM PROX-Roman # 47 "SCHWIERIGER AUFTRAG" sein Debüt als Autor. Bis Mitte der 1950er Jahre blieb er "TOM PROX" treu und schrieb zusätzlich auch Leihbücher zu der Western-Serie, so dass er schließlich seinen Job als Lokalreporter an den Nagel hing und seine Schreiberei zum Beruf machte.

Ab den 1950er Jahren begann Hans Joachim von Koblinski auch für den Leihbuchverlag Paul Feldmann zu schreiben und verwendete dabei  unter anderem die Pseudonyme 

  • JOE McBROWN und JIM KELLOG für seine Kriminalromane 
  • sowie DAGMAR VON KIRCHSTEIN für seine Frauenromane. 

1957 bot ihm der PAUL FELDMANN VERLAG an, im Verlag auch als Lektor zu arbeiten. Zusätzlich war von Koblinski auch für die Covergestaltung im Kriminal- und Frauenromanbereich zuständig. 

So betreute der Autor, Lektor und Covergestalter monatlich zwölf Romanneuerscheinungen. Als der Paul Feldmann Verlag den ZWEI SCHWABEN-VERLAG dazukaufte, kamen monatlich vier weitere Romanneuerscheinungen hinzu, die er ebenfalls betreuen musste.

"Es gab da eine monatliche Pauschale fürs Lektorat von 150 Mark. Über alle anderen Arbeiten habe ich Einzelrechnungen ausgestellt, egal ob ich ein Manuskript redigiert oder, später, die Titelbilder selbst gestaltet habe. 

Das Redigieren z. B. wurde unterschiedlich berechnet. Manche Manuskripte machten sehr viel Arbeit, andere nicht. Es mußte gekürzt oder auch verlängert werden. Die Spanne reichte da von 200 Mark bis 400 Mark." (1)

Zudem war Hans Joachim von Koblinski aber auch weiterhin als Autor für den Paul Feldmann Verlag tätig. So schrieb er monatlich bis zu sechs Romane unter Pseudonymen wie 

  • HENRY C. SCOTT, J. H. WAYNE, JIM KELLOG, JOE McBROWN, MIKE HARRIS und JOHN FLETCHER (Kriminalromane),
  • unter DAGMAR VON KIRCHSTEIN und BERT ANDREAS (Frauenromane)
  • sowie unter J. H. WAYNE (Westernromane).

Weitere Pseudonyme verwendete er zusammen mit anderen Autoren des Paul Feldmann Verlages.. 

"Ich war die alleinige Kontrollinstanz darüber, was angekauft und veröffentlicht wurde. Ich habe damals unter den verschiedensten Pseudonymen sehr viel geschrieben bzw. diktiert; der Verleger hatte nichts dagegen, solange es sich verkauft hat."  (2)

Oft konnte Hans Joachim von Koblinski aber aufgrund der Arbeitsüberlastung den Termin für seine eigenen Romanmanuskripte nicht einhalten. So wurde es  Standard im Verlag, dass er seine eigenen Werke in wenigen  Stunden auf Band diktierte und  sie dann abschreiben ließ oder dem Setzer in ein paar Stunden Satz für Satz seine Romane in die Maschine diktierte.

Doch seine immense Produktion an Romanen hatte durchaus auch negative Seiten und Folgen. Diese teils ausufernde Produktivität führte zu einer  Qualitätsminderung seiner Romane. 

Als Mitte der 1970er Jahre die Ära der Leihbücher endgültig zu Ende ging, was 1976 auch das Aus für den Paul Feldmann Verlag bedeutete, begann Joachim von Koblinski – laut dem Autor Jörg Weigand - u. a. unter dem Pseudonym J. H. ANDREAS Porno-Romane für Olympia-Press, den Stuttgarter Decker-Verlag sowie Erber in Sasbachwalden zu schreiben, die alle indiziert wurden. 

Erst viele Jahre später wurden diese Romane im Verlag der Beate Uhse unter Pseudoymen wie  HANS LÖNS, G. F. MEYER und  ANDREAS KOBLENZ erfolgreich neu aufgelegt. 

Ab Mitte der 1970er Jahre wechselte Hans Joachim von Koblinski zum Heftromansektor, wo er unter anderem für Serien wie "JERRY COTTON", "KOJAK", "MARK BAXTER", "SANTANA", "PROFESSOR ZAMORRA" und für "GESPENSTER KRIMI" schrieb.

Bis weit in die 1990er Jahre schrieb der Autor Frauen- und Westernromane. Als er später aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, Romane zu schreiben, lebte er von der Sozialhilfe.

© by Ingo Löchel

  • (1) Hans Joachim von Koblinski
  • (2) Hans Joachim von Koblinski


1 Kommentar:

Matthias Glombik hat gesagt…

Koblinski ist ein Autor, den man heute noch lesen kann. Ich habe damals gerne seine Mike Harris Romane, speziell die Abenteuer LB gelesen. Auch seine Frauen-Romane als Dagmar von Kirchstein waren lesbar. Ich glaube 1 oder 2 davon habe ich mal probiert und sogar ausgelesen (lach)