Der Mann, der "Kommissar X" und "Mister Dynamit" erfand
Karl-Heinz Günther wurde am 24. März 1924 bei Nürnberg geboren. Dort besuchte er auch das Gymnasium und machte währende des Zweiten Weltkrieges sein Abitur.
"Bis zur mittleren Stufe meiner schulischen Ausbildung war ich nicht imstande, auch nur einen vernünftigen Aufsatz zu schreiben." (1)
1942 wurde er zur Marine eingezogen. Er diente dort als Seeoffizier und nahm auch an einigen U-Boot-Einsätzen teil.
Nach Ende des Krieges wollte Günther Musik studieren. Doch es kam anders.
Er lernte seine Frau Lotte kennen, heiratete früh und musste sieben Jahre das Geschäft seines Schwiegervaters führen. Nebenbei schrieb er Schlagertexte und erste Erzählungen.Etwa zur selben Zeit hatte Erich Pabel seinen Verlag neu gegründet, da er seinen alten Verlag in der sowjetischen Zone zurücklassen musste.
Dem neu gegründeten Verlag schickte Günther seine Arbeiten, denn der Pabel Verlag war auf der Suche nach neuen Autoren, die schnell und professionell arbeiten konnten. Erich Pabels Schwiegersohn, der den Verlag leitete, wurde auf den jungen Autor aufmerksam und verpflichtete ihn für den Verlag.
Als der damalige Verlagsleiter des Pabel-Verlags Karl-Heinz Günther beauftragte, eine neue Krimiserie zu entwickeln, die Jerry Cotton Paroli bieten könne, schlug die Stunde des Autors. Doch Günther wollte keinesfalls einen Cotton-Abklatsch entwickeln, denn das Original wäre kaum zu übertreffen gewesen, sondern ließ einen eigenständigen Charakter entstehen.
So entwickelte der Autor den New Yorker Privatdetektiv JO WALKER, genannt "KOMMISSAR X", der mit seinem Freund, Captain TOM ROWLAND, den Leiter der Mordkommission in Manhattan, das Verbrechen bekämpft.
Einen zusätzlichen Reiz bot die Serie durch exotische und internationale Schauplätze. Während Jerry Cotton bis auf wenige Ausnahmen nur in den USA agieren durfte, löste Kommissar X seine Fälle auf der ganzen Welt.
Ende 1958 wurde die neue Krimi-Serie mit dem Roman "DAS ATTENTAT" von Karl-Heinz Günther gestartet, die ohne Werbemaßnahmen seitens des Pabel Verlages auf den Markt kam.
Karl-Heinz Günther arbeiten mit einigen Ko-Autoren zusammen. Darunter Robert F. Atkinson und dessen Frau Helga Atkinson sowie Fritjof Guntram Haft. Hinzu kamen weitere Autoren in der Anfangszeit der Serie, deren Namen aber nicht bekannt sind.
Später bildete sich eine Redaktion heraus, der Robert F. Atkinson vorstand, der über ein halbes Dutzend Autoren zu betreuen hatte.
Zwischen 1959 und 1964 schrieb Karl-Heinz Günther 58 Heftromane. Das Heft 73, "DREI GELBE KATZEN", das Kommissar X nach Siam (heute Myanmar) führte, gilt heute als Klassiker des Abenteuerkriminalromans.
Als sich die Chance bot, Taschenbücher zu verfassen, ergriff der Autor diese, auch weil ihm dieses Format mehr Möglichkeiten für die Entwicklung der Handlung und der Charaktere bot.
Karl-Heinz Günther schrieb 49 Taschenbücher für die Pabel-Serie, die teilweise als Hardcover-Bände im Rekord Verlag, Viersen, nachgedruckt wurden.
Aufgrund des Erfolges der Krimi-Serie folgte in den 1960er auch eine eigene Filmserie mit Tony Kendall als Kommissar X und Brad Harris als Tom Rowland, die es zwischen 1965 und 1971 auf sieben Kinofilme brachte, die allerdings wenig Ähnlichkeiten mit der Heftomanserie und deren Figuren aufwies.
Mit dem Heftroman # 250 "DER HENKER BIN ICH" und dem "KOMMISSAR X" Taschenbuch # 265 "DREI KUGELN FÜR DEN CHEF" verabschiedete sich der Autor Karl-Heinz Günther, der Erfinder von Kommissar X, von der Serie.
1963 begann der Autor Karl-Heinz Günther über eine neue Romanfigur nachzudenken. Doch im Gegensatz zu Kommissar X, wollte Günther diesmal die Rechte an der Romanfigur behalten, und nicht an den Pabel Verlag abtreten.
Denn genau das war in den 1950er Jahren mit seiner Romanfigur "Kommissar X" geschehen, da es damals allgemein üblich gewesen war, dass die alleinigen Rechte an einem Serienhelden bei den Heftverlagen blieben. Und Karl-Heinz Günther konnte sich diesmal durchsetzen.
"Nachdem ich die Figur entwickelt hatte, habe ich mir Zeit gelassen. Denn ich wollte Mister Dynamit nicht in die Hände des Verlegers geben. Hätte ich seinerzeit gesagt, ich schreibe euch monatlich einen Roman, dann wäre die Antwort gewesen: O. K., Sie schreiben, alle Rechte bei uns. Das stand für mich nicht zur Debatte. (2)
1965 erschien als Pabel Taschenbuch 212 mit dem Roman "MORGEN KÜSST EUCH DER TOD" das erste Abenteuer mit MISTER DYNAMIT alias BND-Mann Bob Urban, das 1967 mit Lex Barker verfilmt wurde.
Die Abenteuer mit Mister Dynamit waren mit den Jahren so erfolgreich, dass sich der Pabel Verlag schließlich entschied, dem BND-Mann seine eigene TaschenbuchReihe zu geben. Das geschah schließlich 1969.
Denn in diesem Jahr erschien mit Pabel-Taschenbuch 357 "DAS PARADIES DES SATANS" das erste Taschenbuch der eigenständigen "MISTER DYNAMIT" Taschenbuch-Reihe.
"Als dann der Verleger kam und monatlich einen Roman wollte, war das natürlich ein Erfolg. Ich konnte fordern. Heute habe ich als einer der wenigen Autoren die kompletten Weltrechte an meinen Romanen. Und "Dynamit" wird immerhin in die USA, Frankreich, Brasilien, Italien und und und übersetzt." (3)
Ab dem 1974 erschien zudem der "MISTER DYNAMIT-ERFOLGSNACHDRUCK". 28 Jahre lang schrieb Karl-Heinz Günther insgesamt 314 Mister Dynamit - Romane und wurde einer der wenigen wohlhabenden deutschen Schriftsteller.
Er lebte gutbürgerlich mit seiner Frau und zwei Töchtern in München - doch er konnte aufgrund der deutschen Besonderheiten im Verlagsgeschäft nicht so am Erfolg partizipieren wie etwa angelsächsische Bestseller-Autoren.
1992 wurde die Mister Dynamit - Taschenbuchreihe allerdings mit "DAS MITLA- PASS GEHEIMNIS" wegen verlagstechnischen Umstellungen beim Pabel Verlag eingestellt.
Nach einer kleinen Schaffenspause erschien 1997 mit "KRIEGSLOGGER-29" Günthers erster Seekriegsroman im Ullstein Verlag, in denen er eine Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges einfließen ließ.
1999 wurde zum 40. Geburtstag der Romanfigur Kommissar X der Günther-Roman "Drei gelbe Katzen" veröffentlicht.
Karl-Heinz Günthers Freund und Verleger Josef Preyer gab zudem eine Reihe von "Mister Dynamit"- und "Kommissar X"-Romanen im Oerindur-Verlag mit Zusatzmaterial zu Autor und Werk heraus.
2005 erschien mit "U-BOOT EINSATZ IN DER TODESZONE" der 14. und letzter Seekriegsroman. Im gleichen Jahr wurde Günthers autobiographischer Roman "DIE NORIS-BANDITEN" im Blitz Verlag veröffentlicht.
Karl-Heinz Günther verstarb am 5. Juni 2005 im Alter von 81 Jahren in Herrsching.
"Beinahe alles, was du schreibst, besteht aus Versatzstücken, Gemeinplätzen, die zu einem Mosaik aus Klischees zusammengesetzt sind. Dass das keiner merkt, ist die Kunst. Fleiß überwindet so gut wie alles. Sogar Mangel an Talent" (4).
© by Ingo Löchel
- Karl-Heinz Günther
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