Gespenster-Krimi 210
Der Spiegel der blutigen Mary
von Henry Cardell
Es ist kurz vor Halloween und eigentlich freut sich
Isaac Finley bereits in Battlecrease House auf seine Freundin Bridget Bellwood,
dem Dienstmädchen von Lady Mildred Enderby, eine große Schüssel Popcorn samt
einem guten Horrorfilm zu zweit.
Doch dazu soll es nicht kommen, denn der zwergenhafte Graham Tranquilly hat in einem mannsgroßen Spiegel eine erschreckende, geisterhafte Erscheinung entdeckt, die offenbar sogar aus dem Spiegel heraus will.
Als Lady Enderby und ihr Butler Finley dann in
Grahams Laden RARE BOOKS & ODDITIES ankommen, ist von Wiedersehensfreude
zwischen Finley und dem Zwerg Graham jedoch wenig zu spüren. Denn Finley hat
immer noch eine Abneigung gegen den alten Gnom (Siehe hierzu „GESPENSTER-KRIMI
Band 162: Gespenstische Weihnachten").
Im Beisein von Lady Enderby bemüht sich Finley
zumindest, sich von seiner neutralen Seite gegenüber Graham zu zeigen. Doch
dann nähert sich Finley trotz der Warnung von Graham und Lady Enderby dem
geheimnisvollen Spiegel, wo er von der Bloody Mary auch gleich in ihre Welt
gezogen wird, während diese im Gegenzug quasi in die Welt von Finley fällt.
Denn nur hierdurch gelingt es der Bloody Mary, die
eigentlich Mary Worth heißt, in die Gegenwart zu gelangen, während Finley damit
gezwungen ist, nun ihren Platz in ihrer Welt einzunehmen. Und das ist wahrlich
für Finley nicht ungefährlich, denn der befindet sich nun in der kleinen Stadt
Salem im Jahre 1692 während der Hexenprozesse.
Und als wäre dies noch nicht genug, kann Mary Worth
aus Grahams Laden fliehen, worauf Lady Enderby ihre Verfolgung aufnimmt.
Allerdings treibt in dieser Nacht auch der Bell Green Butcher sein Unwesen, der
sowohl seine Kinder, seine untreue Frau als auch seinen Nebenbuhler mit einem
Fleischerbeil ermordet hatte und danach der Polizei entkommen konnte.
Mary Worth hingegen ist nicht die böse Hexe, die als
Bloody Mary scheinbar in den Spiegeln ihr Unwesen treibt. Vielmehr ist sie eine
junge, völlig verängstigte Frau, die ein bisher schreckliches Leben in Salem
führte, bevor man sie auch noch der Hexerei bezichtigte. Magische Kräfte
indessen besitzt Mary durchaus, nur kann sie diese noch nicht richtig
kontrollieren.
Dummer Weise ist aber nicht nur Lady Enderby ihr
weiterhin auf der Spur, sondern auch der Bell Green Butcher hat sie im Parkhaus
als nächstes Opfer für sein Fleischerbeil ins Visier genommen.
Aber auch für Finley wird in Salem des Jahres 1692
die Luft immer dünner. Denn dort glaubt man, die Hexe hätte sich in einen
männlichen Körper gezaubert, um ihrer Hinrichtung am Galgen zu entgehen.
Und diese Hinrichtung soll bereits in den frühen
Morgenstunden stattfinden. In der Gegenwart ist sich Lady Enderby indessen aber
auch sicher, das man die arme Mary Worth nicht durch den Spiegel zurück in den
sicheren Tod schicken darf.
Gibt es aber trotzdem noch eine Rettung für Isaac
Finley? Denn er kann nur wieder in seine Gegenwart zurück, wenn eben jemand
anders seinen Platz in der Vergangenheit einnimmt.
- Erstveröffentlichung: Am 24. Oktober 2026
- Autor: Henry Cardell
-
Neuer Roman des Butler Isaac Finley
„Blut spritzte, die Frau kreischte, und die Augen des nackten Bastards rollten so weit nach oben, als wolle er sehen, was das Fleischerbeil in seinem Schädel angerichtet hatte.“ Gespenster-Krimi/Band 210, "Der Spiegel der blutigen Mary"/Seite 23)
Mit „DER SPIEGEL DER BLUTIGEN
MARY“ greift der Autor Henry Cardell im aktuellen GESPENSTER-KRIMI (Band 210)
den Mythos der Bloody Mary auf, der zeitweise besonders bei Jugendlichen als
Mutprobe eine gewisse morbide Faszination auslöst.
Denn ruft man laut dem Mythos
die „Bloody Mary“ bei Kerzenschein dreimal vor einem Spiegel, so soll diese aus
dem Spiegel treten und die betreffende rufende Person zu ihrem Opfer machen.
Hier mischt der Autor diese
düstere Legende allerdings recht interessant mit den Hexenprozessen in der
kleinen Stadt Salem im späteren US-Bundesstaat Massachusetts.
Und da ist die junge Mary Worth
eher selbst ein Opfer mit einer äußerst unschönen Vergangenheit, die nun sogar
als Hexe bezichtigt, auf ihre Hinrichtung wartet. Und der Spiegel ist hierbei
ein Portal, durch das nur jemand in die Gegenwart (oder umgekehrt) gelangen
kann, wenn jemand anderes eben dessen Platz in der Vergangenheit einnimmt.
Die eigentliche Spannung innerhalb
der Handlung des Romans verschiebt sich indessen immer mehr in Richtung des
mörderischen Bell Green Butchers.
Besonders gut hat mir der
Einstieg und der erste Verlauf der Handlung gefallen, welche aus der neutralen
Sichtweise eines Erzählers den Lesern geboten wird. Dies transportierte beim Lesen
ein wohliges Gefühl, als wenn jemand einem zu Halloween eine gruselige
Geschichte erzählen würde.
Im letzten Drittel jedoch sank
das Spannungsniveau allerdings sogar etwas ab, weil die weitere Handlung wie
auch die Auflösung im Finale dann doch sehr vorhersehbar wurde.
Eventuell andere Alternativen
hinsichtlich der Hinrichtung in Salem gibt es innerhalb des Romans ja leider
nicht und die verängstigte Mary Worth wollte der Autor nun auch nicht wieder
für den armen Finley opfern, nachdem sie doch gerade erst ihrem unerfreulichen
Schicksal entkommen ist. Also gab es eigentlich nur eine logische Erklärung
dazu, wer am Ende für die arme Mary in der Vergangenheit in Salem am Galgen
baumeln würde.
Trotz dieser Vorhersehbarkeit
im letzten Drittel ist der Roman „DER SPIEGEL DER BLUTIGEN MARY“ aber recht
lesenswert und besitzt über weite Strecken durchaus auch eine ansprechende
Portion Humor. In diesem Sinne also viel Spaß bei der neuen Folge der Sub-Serie
um den Butler Isaac Finley von Henry Cardell.
© by Konrad Wolfram

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