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Mittwoch, 28. Oktober 2026

Heftroman: Der Spiegel der blutigen Mary

Gespenster-Krimi 210

Der Spiegel der blutigen Mary

von Henry Cardell

Es ist kurz vor Halloween und eigentlich freut sich Isaac Finley bereits in Battlecrease House auf seine Freundin Bridget Bellwood, dem Dienstmädchen von Lady Mildred Enderby, eine große Schüssel Popcorn samt einem guten Horrorfilm zu zweit.

Doch dazu soll es nicht kommen, denn der zwergenhafte Graham Tranquilly hat in einem mannsgroßen Spiegel eine erschreckende, geisterhafte Erscheinung entdeckt, die offenbar sogar aus dem Spiegel heraus will.

Als Lady Enderby und ihr Butler Finley dann in Grahams Laden RARE BOOKS & ODDITIES ankommen, ist von Wiedersehensfreude zwischen Finley und dem Zwerg Graham jedoch wenig zu spüren. Denn Finley hat immer noch eine Abneigung gegen den alten Gnom (Siehe hierzu „GESPENSTER-KRIMI Band 162: Gespenstische Weihnachten").

Im Beisein von Lady Enderby bemüht sich Finley zumindest, sich von seiner neutralen Seite gegenüber Graham zu zeigen. Doch dann nähert sich Finley trotz der Warnung von Graham und Lady Enderby dem geheimnisvollen Spiegel, wo er von der Bloody Mary auch gleich in ihre Welt gezogen wird, während diese im Gegenzug quasi in die Welt von Finley fällt.

Denn nur hierdurch gelingt es der Bloody Mary, die eigentlich Mary Worth heißt, in die Gegenwart zu gelangen, während Finley damit gezwungen ist, nun ihren Platz in ihrer Welt einzunehmen. Und das ist wahrlich für Finley nicht ungefährlich, denn der befindet sich nun in der kleinen Stadt Salem im Jahre 1692 während der Hexenprozesse.

Und als wäre dies noch nicht genug, kann Mary Worth aus Grahams Laden fliehen, worauf Lady Enderby ihre Verfolgung aufnimmt. Allerdings treibt in dieser Nacht auch der Bell Green Butcher sein Unwesen, der sowohl seine Kinder, seine untreue Frau als auch seinen Nebenbuhler mit einem Fleischerbeil ermordet hatte und danach der Polizei entkommen konnte.

Mary Worth hingegen ist nicht die böse Hexe, die als Bloody Mary scheinbar in den Spiegeln ihr Unwesen treibt. Vielmehr ist sie eine junge, völlig verängstigte Frau, die ein bisher schreckliches Leben in Salem führte, bevor man sie auch noch der Hexerei bezichtigte. Magische Kräfte indessen besitzt Mary durchaus, nur kann sie diese noch nicht richtig kontrollieren.

Dummer Weise ist aber nicht nur Lady Enderby ihr weiterhin auf der Spur, sondern auch der Bell Green Butcher hat sie im Parkhaus als nächstes Opfer für sein Fleischerbeil ins Visier genommen.

Aber auch für Finley wird in Salem des Jahres 1692 die Luft immer dünner. Denn dort glaubt man, die Hexe hätte sich in einen männlichen Körper gezaubert, um ihrer Hinrichtung am Galgen zu entgehen.

Und diese Hinrichtung soll bereits in den frühen Morgenstunden stattfinden. In der Gegenwart ist sich Lady Enderby indessen aber auch sicher, das man die arme Mary Worth nicht durch den Spiegel zurück in den sicheren Tod schicken darf.

Gibt es aber trotzdem noch eine Rettung für Isaac Finley? Denn er kann nur wieder in seine Gegenwart zurück, wenn eben jemand anders seinen Platz in der Vergangenheit einnimmt.

  • Erstveröffentlichung: Am 24. Oktober 2026
  • Autor: Henry Cardell
  • Neuer Roman des Butler Isaac Finley

„Blut spritzte, die Frau kreischte, und die Augen des nackten Bastards rollten so weit nach oben, als wolle er sehen, was das Fleischerbeil in seinem Schädel angerichtet hatte.“ Gespenster-Krimi/Band 210, "Der Spiegel der blutigen Mary"/Seite 23)

Mit „DER SPIEGEL DER BLUTIGEN MARY“ greift der Autor Henry Cardell im aktuellen GESPENSTER-KRIMI (Band 210) den Mythos der Bloody Mary auf, der zeitweise besonders bei Jugendlichen als Mutprobe eine gewisse morbide Faszination auslöst.

Denn ruft man laut dem Mythos die „Bloody Mary“ bei Kerzenschein dreimal vor einem Spiegel, so soll diese aus dem Spiegel treten und die betreffende rufende Person zu ihrem Opfer machen.

Hier mischt der Autor diese düstere Legende allerdings recht interessant mit den Hexenprozessen in der kleinen Stadt Salem im späteren US-Bundesstaat Massachusetts.

Und da ist die junge Mary Worth eher selbst ein Opfer mit einer äußerst unschönen Vergangenheit, die nun sogar als Hexe bezichtigt, auf ihre Hinrichtung wartet. Und der Spiegel ist hierbei ein Portal, durch das nur jemand in die Gegenwart (oder umgekehrt) gelangen kann, wenn jemand anderes eben dessen Platz in der Vergangenheit einnimmt.

Die eigentliche Spannung innerhalb der Handlung des Romans verschiebt sich indessen immer mehr in Richtung des mörderischen Bell Green Butchers.

Besonders gut hat mir der Einstieg und der erste Verlauf der Handlung gefallen, welche aus der neutralen Sichtweise eines Erzählers den Lesern geboten wird. Dies transportierte beim Lesen ein wohliges Gefühl, als wenn jemand einem zu Halloween eine gruselige Geschichte erzählen würde.

Im letzten Drittel jedoch sank das Spannungsniveau allerdings sogar etwas ab, weil die weitere Handlung wie auch die Auflösung im Finale dann doch sehr vorhersehbar wurde.

Eventuell andere Alternativen hinsichtlich der Hinrichtung in Salem gibt es innerhalb des Romans ja leider nicht und die verängstigte Mary Worth wollte der Autor nun auch nicht wieder für den armen Finley opfern, nachdem sie doch gerade erst ihrem unerfreulichen Schicksal entkommen ist. Also gab es eigentlich nur eine logische Erklärung dazu, wer am Ende für die arme Mary in der Vergangenheit in Salem am Galgen baumeln würde.

Trotz dieser Vorhersehbarkeit im letzten Drittel ist der Roman „DER SPIEGEL DER BLUTIGEN MARY“ aber recht lesenswert und besitzt über weite Strecken durchaus auch eine ansprechende Portion Humor. In diesem Sinne also viel Spaß bei der neuen Folge der Sub-Serie um den Butler Isaac Finley von Henry Cardell.

© by Konrad Wolfram

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