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Mittwoch, 9. September 2026

3 Tode hat die Hexe

Das Haus Zamis 154

3 Tode hat die Hexe

von Michael M. Thurner

Coco Zamis weiß, dass sie diesem seltsamen Ort nur entkommen kann, wenn sie wieder einen dieser ebenso seltsamen Züge besteigt. Und ja, der Guardian mit den Schrauben in den Augenhöhlen wartet bereits auf sie.

Und überhaupt, Franky der Schaffner würde sie bereits im Zug erwarten. 

Allerdings hat der Guardian, welcher offenbar im Dienst des Hohen Gremium steht, welches kein Gut und Böse kennt, sondern nur das Gleichgewicht der Dinge im Blick hat, längst einige weitere Prüfungen für Coco.

Doch seine Warnung ist ebenso klar, denn der Hexe stehen nur drei Tode zu, wenn sie am Ende eventuell doch noch eine Zukunft haben will. Und einmal hatte ja der Guardian selbst ihr ein Leben genommen.

In ihrer ersten Prüfung wird Coco wieder zu ihrem grausamen Patenonkel Graf Cyrano von Behemoth geschickt, der schon in ihrer frühen Jugend versucht hatte, sie zu einer dunklen Hexe zu erziehen.

Aber auch ihre damalige sadistische Lehrerin Sandra Thornton scheint weitere Grausamkeiten für Coco parat zu haben, wie etwa die Merkantimen, seltsame dämonische Wurmparasiten, die Coco quälen sollen.

Als jedoch die dämonische Thornten eines Tages einige Schulkinder auf offener Straße durch einen LKW zu ermorden trachtet, ist es Coco, dessen magische Kräfte zwar hier unterdrückt werden, diese im letzten Augenblich aber mit einem dämonischen Messer tötet, welches sie vom Schaffner Franky erhalten hatte.

Wieder im Zug, erwartet Coco bald eine weitere gefährliche Prüfung. Denn auch hier werden ihre magischen Fähigkeiten unterdrückt. Doch einige Dämonen scheinen plötzlich im Zug nicht nur Tiere, sondern auch Menschen für einen asiatischen Oni zu schlachten. Denn ein Oni ist ein dämonischer Menschenfresser der übelsten Sorte.

Ihn jedoch in seinem blutigen Fressrausch zu stoppen, kostet am Ende auch Cocos eigenes Leben. Doch bald befindet sich Coco wieder in dem Zug, muss aber diesen an der Station Tanjong Pagar in Singapur verlassen.

Hier will eine asiatische Gestaltwandlerin mit Namen Cheryl Chong Coco angeblich für einen Mister Chin Shyan anheuern. Dieser ist selbst ein Dämon und gleichsam der Führer der dortigen Schwarzen Familie. Doch in Wahrheit ist es Khoo Boon, ein dämonischer Rivale von Shyan, welcher Coco dazu überreden will, für ihn Shyan zu beseitigen.

Da Coco allerdings dieses Spiel nicht mehr länger mitspielen will und hier auf ihre magischen Fähigkeiten zurückgreifen kann, ergreift sie hier auch die erstbeste Gelegenheit, um Khoo Boon anzugreifen.

Doch offenbar scheint sie die Dämonin Cheryl Chong unterschätzt zu haben, was ihr abermals ein Leben kosten könnte. Wird es ihr dennoch gelingen, wenigstens diese Prüfung zu bestehen? 

  • Veröffentlichung: Am 5. September 2026
  • Autor: Michael M. Thurner
  • Titelbild: Mark Freier
  • Verlag: Bastei

„Oni fraßen immer. Wie manche Hunderassen konnten sie nicht aufhören, sich das Maul vollzustopfen. Selbst dann nicht, wenn sie längst keinen Hunger mehr verspürten.“ (Das Haus Zamis Band 154, "3 Tode hat die Hexe"/Seite 37)

Nun, für sich betrachtet hat dieser Roman von Michael Marcus Thurner fasst etwas von drei Kurzgeschichten, welche durch den Zug und dem Schaffner Franky verbunden sind. Etwas sollte man mir allerdings doch langsam mal erklären:

  • 1. Warum sind Schrauben, die eine fremde Kreatur in den Augenhöhlen stecken "dämonisch"? Der Guardian könnte ja auch das Pech gehabt haben, sich in der Vergangenheit mal mit einem Heimwerker angelegt zu haben, der ihm mit Schrauben und entsprechendem Werkzeug über war.
  • 2. Und warum erinnert mich die Beschreibung des "Hohes Gremium" gleich so auffällig an die Schicksalswaage aus der Bastei Serie „PROFESSOR ZAMORRA“, welche ebenfalls das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse aufrecht erhalten soll?

Ansonsten, wenn man mal von diesen zwei Punkten absieht, ist der Roman streckenweise sogar richtig spannend.

Besonders die erste "Prüfung" auf dem Schloss Behemoth wusste mich langsam aber beständig zu überzeugen, auch wenn hier die Spannung eher recht gemächlich angezogen wurde.

Die zweite Geschichte schien mit einem asiatischen Dämon auch interessant zu werden. Nur merkte man bald, das hier Coco eigentlich kaum eine reale Chance hatte.

Sie stirbt am Ende zwar nicht durch den verfressenen Dämon, aber der Tod ereilt sie dann doch. Die Spannung an sich lag hier zwar über dem Durchschnitt, aber trotzdem noch mit viel Luft nach oben.

In der dritten Prüfung in Singapur kann Coco dann endlich auf ihre magischen Fähigkeiten zurückgreifen. Jedoch blüht bei ihr hierdurch wieder einmal die typische Überheblichkeit der Zamis-Sippe auf, womit sie sich natürlich wieder selbst ein Bein stellt und so auch diese Prüfung vergeigt.

Da aber auch nach diesem Tod (einschließlich dem Tod durch den Guardian im letzten Roman, der ebenfalls mitzählt), Coco wieder unter dem Lebenden weilt, sollte man eigentlich die Antwort mal erwarten können, welches Spiel der Guardian und dieses Hohe Gremium eigentlich spielt.

Doch da genau das sich hier wohl noch etwas wie Kaugummi in der Handlung ziehen lässt, findet sich Coco deshalb im kommenden Roman mit dem Titel „LEBENDIG BEGRABEN“, wieder auf dem dämonischen Friedhof am Grab ihrer nun geisterhaften, aber trotzdem wenig liebevollen Eltern Michael und Thekla Zamis wieder.

Ob das der große Wurf innerhalb dieser Handlung wird, wage ich aber im Augenblick eher mal zu bezweifeln.

© by Konrad Wolfram

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