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Samstag, 25. Juli 2026

Roman: Gorehouse

Gorehouse

von Jörg Bütow

Das junge Ehepaar Jessica und Finn Thomsen starten in der Tiefenbach-Villa einen persönlichen Neuanfang. Denn Jessica ist Schriftstellerin, doch seit ihrem ersten großen Erfolgt, plagen sie abfällige Kritiken und sogar eine Schreibblockade.

Finn hingegen ist ein sanftmütiger, aber eher erfolgloser Maler, welcher sich eigentlich auf die abgelegene Villa nahe dem Nordseedorf Winrum wegen der dortige Ruhe freut.

Die Villa gehörte einmal Erich Tiefenbach, einem ehemaligen Stummfilmregisseur, der späterhin sogar NS-Propagandafilme gedreht haben soll. Darunter auch einen Film, für den er einige junge Jüdinnen zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Doch bisher hat niemand diesen Film je gesehen.

Auf der Suche nach Informationen über Tiefenbach, stößt Jessica indessen mehr auf okkulte Schriften und Gegenstände. Doch als aus einer Kiste ein seltsamer grüner Nebel entweicht, der Ähnlichkeit mit einer Art Protoplasma aufweist, führt dies zu einem Unfall von Finn, der danach kurzzeitig sogar eine Art geistigen Filmriss zu beklagen hat.

Doch schon am nächsten Morgen scheint Finn sich sogar negativ auch gegenüber Jessica verändert zu haben. Um hinter das Geheimnis zu kommen, was damals in dieser Villa passiert ist, und warum Jessica hier solche schrecklichen Albträume quälen, sucht sie die Buchhändlerin Milena Vucevic auf, welche sich auch als Medium betätigt.

Von ihr erfährt sie das Tiefenbach für die Nationalsozialisten in einer Region im nahen Osten Ausgrabungen filmen sollte, wo eventuell einmal die Stadt Babylon gelegen haben soll. Aber sie erfährt auch von ihrem 96-jährigen Vermieter Johann Gerstner, welcher früher nicht nur Tiefenbachs Kameramann, sondern auch dessen unehelicher Sohn war.

Von ihm erfährt Jessica, das dabei 1943 ein mächtiger wie grausamer Dämon mit Namen Rabisu offenbar von Erich Tiefenbach Besitz ergriffen hatte. Aber er gibt ihr auch den Schlüssel zum Dachboden der Villa, wo in mehreren Filmrollen der besagte, nie gezeigte Film lagert.

Als Jessica diesen sieht, verschlägt es ihr die Sprache, denn Erich Tiefenbach scheint hier offenbar den ersten Snuff-Film der Geschichte gedreht zu haben. Doch war wirklich Tiefenbach das Monster, oder doch eher ein Dämon, von dem er angeblich besessen gewesen sein soll?

Und wenn es den Dämon Rabisu wirklich gibt, dann könnte er nun auch in Finn stecken. Denn der entwickelt sich zu einer unberechenbaren, gewaltbereiten wie übergriffigen Gefahr.

Nun wird Jessica bewusst, dass sie in höchster Gefahr schwebt. Doch sie kann nicht so einfach verschwinden und Finn so in den Fängen des Bösen zurücklassen.

Und so versucht sie mit dem vorgefundenen Buch „Dämonicon“ und der Hilfe von Milena Vucevic mittels einer Totenbeschwörung den Geist von Erich Tiefenbach zu kontaktieren, um herauszufinden, wie sich der Dämon Rabisu in Finn bekämpfen lässt.

Doch gibt es wirklich noch eine Rettung gegen die Ausgeburt der Hölle?

  • Erscheinungsjahr: März 2026
  • Taschenbuch ca. 170 Seiten
  • ISBN: 978-3-9595-7162-3
  • Verlag: Redrum Books

„Der Graf nimmt die Blumenschaufel, rammt sie ihr mit voller Wucht durch den geschlossenen Mund und drückt sie ihr tief in den Rachen. Ihre Zähne zerbersten und die Mundwinkel reißen auf.“ (Gorehouse/Seite 89)

Der Roman beginnt eher etwas beschaulich, zumal der Autor Jörg Bütow sich erst ein wenig Zeit nimmt, um seinen Lesern hier die Hauptfiguren näher zu bringen.

Doch ab dem Augenblick wo man als Leser mit dem Bösen in der Handlung konfrontiert wird, ist es mit der Beschaulichkeit vorbei und die Achterbahnfahrt in den Abgrund beginnt an Fahrt aufzunehmen.

Und das Böse in der Vergangenheit dieser Villa scheint wirklich von Menschen gemacht zu sein, wie es Jessica vermutet. Denn die Zeit des NS-Regime lässt für sie keinen anderen Schluss zu und an übernatürliche Dinge kann sie zuerst absolut nicht glauben.

Und genau hier liegen die Denkfehler, die Jessica in einen Abgrund reißen und zum Spielball einer dämonischen Macht werden lassen, welche 1943 unwissentlich von den Deutschen bei Ausgrabungen nach okkulten Artefakten freigesetzt wurde und sich so erst im Körper von Erich Tiefenbach manifestieren konnten.

Es wirkt dabei vielleicht im ersten Augenblick etwas unlogisch, das Jessica selbst dann in der Villa bleibt, als sie von ihrem (besessenen) Ehemann Finn auf brutale Weise vergewaltigt wird. Doch da will ich keine wirklich große Kritik ansetzen.

Zum einen nicht, weil die Handlung schlicht und ergreifend auf ca. 170 Seiten konzentriert, eben spannend weiter gehen muss. Aber gewisse Frauen neigen in ihrer psychischen Zerrissenheit zwischen Liebe und Angst auch durchaus dazu, für sich selbst dumme bis gefährliche Entscheidungen zu treffen.

Man nehme da nur Frauen, welche sich ohne fremde Hilfe nicht alleine von wirklich gewalttätigen wie übergriffigen Männern lösen können.

Und was als eine Art tiefen Einblick in die menschliche Unmenschlichkeit beginnt, in dem der Geist eines ehemaligen Filmemachers eine zentrale Rolle spielt, wächst sich dies schnell zu einer gefährlichen dämonischen Bedrohung nicht nur für Jessica und Finn aus.

Der Roman ist aber auch deshalb äußerst gruselig wie lesenswert, weil es dem Autor hier perfekt gelingt, nicht nur einen dämonischen Maulhelden zu präsentieren, der mehr sein will als er in Wirklichkeit ist.

Sondern er führt uns einen Dämon vor, dem man im realen Leben sicherlich niemals begegnen möchte, da er locker jeden gefährlichen Psychopathen durch seine manipulative Art und seine Grausamkeit in die Ecke stellen könnte.

Genau genommen gelingt es Jörg Bütow mit „GOREHOUSE“ hier auf ca. 170 Seiten einen dämonischen Pageturner abzuliefern, den andere Autoren nicht einmal auf 400 Seiten so fesselnd wie glaubwürdig abliefern können. Von daher hier auch meine volle Leseempfehlung.

© by Konrad Wolfram

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