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Donnerstag, 16. Juli 2026

Phantasmagoria Park

Phantasmagoria Park

von Daniel Weber

Vergnügungsparks wie das Phantasialand in Brühl sind zwar teuer, aber irgendwie für die Besucher trotzdem ein schönes Erlebnis. 

Allerdings sollte man den Phantasmagoria Park doch besser meiden. Nicht das überhaupt jemand wüsste, wo er genau zu finden wäre.

Denn offenbar ist dieser Park überall und nirgendwo. Seine Attraktionen wirken alt, in der Zeit verloren und irgendwie vollkommen falsch.

Das müssen auch so manche Besucher des Park feststellen, egal ob sie freiwillig oder gar gezwungen ihr Zeit hier verweilen. Für so manche ist der Besuch aber auch ein Schritt ohne Wiederkehr.

Da wäre z.B. Michael, der gerne Caroline wieder zurückgewinnen würde. Und genau deshalb sucht er im Park den Wunschbrunnen auf. Doch man sollte sich besser seine Wünsche genau überlegen, bevor man um ihre Erfüllung bittet.

Anna ist indessen eine junge Frau mit Essstörungen. Sie fühlt sich stets zu dick. Sie hätte sich daher den Gang durch das seltsame Spiegelkabinett besser erspart, weil die verzerrten Spiegel ihr sicherlich nicht die Wahrheit, allerdings ihr schreckliches Ende zeigen.

Christoph wiederum verbringt mit seinen Freunden Moritz, Lukas, Ivo und Jakob den Tag im Phantasmagoria Park, auch wenn er nicht einmal weiß warum. Sie alle hätten sich jedoch besonders von dem "Labyrinth der falschen Freunde" fernhalten sollen.

Anjta wiederum ist Kindergärtnerin, die jedoch irgendwie nicht so wirklich mit Kindern umgehen kann. Und als sie sich im Park befindet, häufen sich schon bedrohliche Anrufe von aufgebrachten Eltern, welche die Wahrheit wissen wollen.

Vielleicht wäre sie besser nicht mit ihren Freundinnen in den Park gegangen, denn bei der Kindervorstellung im Puppentheater werden der Kasperl und das Lumpi ihr eine erschreckende Zukunft bescheren.

Auch Martin hat im Phantasmagoria Park eine ganz besondere Begegnung. Denn hier trifft er seine fünfjährige Schwester Flora wieder, welche Vergnügungsparks über alles liebte. Nur ist Flora damals, vor zwanzig Jahren ertrunken. Hier bei der Wildwasserbahn hoffte Martin jedoch, eine neue Chance zu erhalten, seine kleine Schwester zu retten.

Und so erfahren wir immer mehr über weitere Personen, die aus irgendeinem Grund in diesem Park gelandet sind, dessen Schausteller irgendwie leichenblass sind und das schleichende Böse jeden ihrer Fehler und Schwächen kennt.

Und so sind es oft die ganz eigenen Dämonen, welche unsere Besucher des Phantasmagoria Park in den bodenlosen Abgrund ziehen werden.

Und wer dies nicht glaubt, sollte die Streunerin fragen, welche die Schicksale der Opfer für den Schreiber dieses finsteren Park beobachtet. Das Problem ist nur das Katzen vielleicht alles sehen, aber eben auf Fragen leider nicht verständlich antworten können. 

  • Phantasmagoria Park
  • Autor: Daniel Weber
  • Aus der Autorenreihe "Phillipsdorf - Bezirk des Wahnsinns"
  • Verlagsreihe „Grusel-Thriller“
  • Taschenbuch, ca. 168 Seiten
  • Erstveröffentlichung: Band 08/2022
  • Blitz Verlag

>"Flora!", rief er noch einmal. Sein Verstand versuchte ihm irgendwo im Hinterkopf zu sagen, dass diese Erscheinung unmöglich seine Schwester sein konnte. Flora, seine wirkliche Schwester, war heute vor zwanzig Jahren im Freibad von Wolkersdorf ertrunken.< (Grusel-Thriller, Band 08/"Phantasmagoria Park"/ Seite 80)

Um es gleich hier festzuhalten: Die Autorenreihe „PHILLIPSDORF - BEZIRK DES WAHNSINNS“ von Daniel Weber erscheint innerhalb der Reihe „GRUSEL-THRILLER“ des Blitz Verlags.

Dies stellt man spätestens dann fest, wenn man das Taschenbuch in Händen hält und eben nur links das Logo „GRUSEL-THRILLER“ steht, anstatt eben wie auf der Verlagsseite das Logo von PHILLIPSDORF.

Aber das ist nur optisch etwas verwirrend, wie auch das etwas altbackene Cover, welches der hier vorliegenden Sammlung von geradezu alptraumhaften Erzählungen im besagten PHANTASMAGORIA PARK kaum wirklich gerecht wird.

Denn eben diese Erzählungen, mit denen der Autor Daniel Weber einzelne dunkle Schicksale verbindet, welche sich alle um einen höllischen Vergnügungspark drehen, scheinen zuerst recht durchschaubar, bewegen sich dann jedoch schleichend in abgrundtiefe Albträume.

Hier springen daher auch keine Vampire, Zombies, Teufel oder sonstige Monster aus dunklen Ecken hervor, weil man sich vielleicht gegen die noch zur Wehr setzen könnte. Es sind eher die inneren Dämonen der unterschiedlichen Protagonisten, welche wie Parasiten des Schreckens in diesem Park gnadenlos offenbart werden.

Was hier gleich ins Auge sticht, ist die wirklich düstere, mitunter sogar manchmal beim lesen schon unangenehme Atmosphäre, welche sich zunehmend in den verschiedenen Erzählungen aufbaut.

Dabei bleibt die Spannung immer auf recht hohem Niveau, auch wenn die jeweilige Handlung dem Leser zuerst doch vielleicht eher  durchschaubar vorkommen mag. Denn der erste Eindruck kann täuschen.

Der eigentliche Knackpunkt bei den Erzählungen ist, das zumeist die verschiedenen Figuren irgendwie auf der Suche nach sich selbst sind, aber mit dem, was sie dann über sich erkennen müssen, kaum wirklich fertig werden können.

Und in diesem Sinne beginnt der Phantasmagoria Park für jeden dieser Protagonisten zu einem Vorhof der Hölle zu werden, aus dem es keinerlei entkommen mehr gibt.

Von meiner Warte aus sei hier deshalb nochmals angemerkt: Lasst euch nicht von dem Cover mit der altbackenen Teufelsfratze abschrecken.

Denn hier erwartet euch kein Gruselroman im Stil der 1970er bis 1980er Jahre, sondern ein alptraumhafter Streifzug durch den wohl erschreckendsten Vergnügungspark, von dem ich als Nerd dieses Genre sicherlich mehr lesen aber nicht träumen möchte.

  © by Konrad Wolfram

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