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Montag, 8. Juni 2026

Roman: Der Antichrist

Der Antichrist

von John Tigges

Connie Brevenger und ihr Mann Tim befinden sich auf dem Weg zum Clarement College, um mit ihrer achtzehnjährigen Tocher Adriana dort das Homecoming Week zu verleben. Dabei war Connie sogar in jungen Jahren selbst einmal eine Nonne gewesen, bevor sie dann doch das eher weltliche Leben wählte.

Doch sie werden nie bei Adriana ankommen. Denn ein Unfall reißt Adrianas Eltern auf grausame Weise aus dem Leben. Alleine schon die Identifizierung der Leichen stößt Adriana in eine Art Schockzustand.

Die nächsten Monate verbringt Adriana deshalb sogar in der Psychiatrie unter der Behandlung von Dr. Morrison Tyler, dem es gelingt, sie behutsam wieder in ein geregeltes Leben zu holen. 

Allerdings sorgt dessen Fürsorge auch dafür, das sich Adriana in ihren wesentlich älteren Arzt zu verlieben scheint.

Und ohne es gleich zu bemerken, gelingt es Morrison daher auch, Adrianna in eine recht seltsame Gemeinschaft auf einer abgelegenen Insel einzuladen, bevor sie mit einer anderen Studentin des Colleges eine Reise nach Europa antreten will.

Doch schnell merkt Adriana, das hier auf der Insel und in Revillion Manor einiges nicht so läuft, wie es eigentlich sein sollte. Denn sie wird zwar von unglaublich attraktiven, bzw. erfolgreichen Menschen unter Leitung von Olda Revillion freundlich in Empfang genommen. Doch alles wirkt trotzdem auf Adriana irgendwie verkehrt.

So besitzt man laut eigener Aussage auf der Insel weder ein Telefon, Funk oder Strom im allgemeinen, und in Revillion Manor findet Adriana sogar eine Art Altarraum, welcher stark nach dunklen okkulten Praktiken aussieht.

Und ja, Olda, die drei jungen blonden Schönheiten, die fasst wie Drillinge wirken, der seltsame Arzt Lahpavi oder etwa die schöne Schauspielerin Angelique - um nur einige der Gruppe zu nennen - sind Satanisten und verfolgen einen perfiden Plan mit Adriana. Denn sie soll den Antichristen selbst zur Welt bringen und das alles innerhalb nur eines Monat der Schwangerschaft.

Was für die junge Frau zuerst eher phantastisch statt wirklich realistisch anmutet, entwickelt sich mit ihrem zunehmenden Widerstand immer mehr zu einem erschreckenden Albtraum, aus dem es auf der Insel kein Entkommen zu geben scheint.

So wird sie nicht nur durch seltsame Drogen in einen sexuellen Rausch versetzt, um sie durch Olda schwängern zu können. Auch ihre Versuche der Flucht enden in erschreckenden Formen der absoluten Kontrolle.

Doch dann wird nach nur einem Monat der Schwangerschaft von Adriana ein Junge geboren, den Dr. Lahpavi direkt an sich nimmt. Kann es Adriana trotzdem gelingen, diese Insel wieder zu verlassen und die finsteren Pläne der Satanisten zu vereiteln?

  • Der Antichrist
  • Originaltiel:  Unto the Altar
  • Autor: John Tigges
  • ISBN: 978-3-7529-4962-9
  • Hardcover, ca. 312 Seiten
  • Verlag: Apex (2020)

„Sie senkte den Kopf, schluchzte sanft und löste aufgestaute Tränen aus. Konnte sie das? Was hatte sie zu erwarten, wenn sie jemals von der Insel kommen würde? Aber wie? Wie konnte sie sich umbringen? Sie hatte keine Waffe. Kein Gift. Kein Mittel, um ihr Leben zu beenden.“ (Der Antichrist/Seite 195)

John Tigges, geboren im Mai 1932 und verstorben im Oktober 2008 war ein US-Autor, der besonders für Horror- und Western-Romane bekannt geworden war. Insgesamt umfasst sein Schaffen seit 1973 rund 38 Bücher.

Dabei verwendete er nicht nur seinen eigenen Namen, sondern auch Pseudonyme wie etwa Ned Stone oder William Essex.

Besonders bekannt wurde er durch die Romane „GARDEN OF THE INCUBUS“ (1982), dem hier vorliegenden Roman „UNTO THE ALTAR“ (1985), sowie „ISS NOT THE CHILD“ (1988), welche in sich auch eine geschlossene Trilogie bilden, auch wenn jeder Roman für sich gelesen werden kann.

Gerade diese Trilogie galt aber auch als stilbildend, was den modernen Horror in den USA betraf, dem danach weitere Werke von Tigges wie VENOM (1988), BOOK OF THE DEAD (1989) und THE CURSE (1993) innerhalb des Genre folgten.

Gerade „UNTO THE ALTAR“ weist dabei aber auch interessante Parallelen zum Roman „ROSEMARIES BABY“ von 1967 (oder auch der Verfilmung von 1968) des Autor Ira Levin auf, ohne jedoch die Handlung einfach nur zu kopieren.

Das der Roman als deutsche Erstveröffentlichung seitens des Apex Verlag den Titel „DER ANTICHRIST“ erhielt, war durchaus ein nachvollziehbarer Schritt. Denn der Originaltitel hätte ins Deutsche übersetzt als "Zum Altar" wohl kaum eine wirkliche Aussagekraft gehabt.

Insgesamt sollte man sich aber auch auf ein eher offenes Ende der Handlung einrichten. Denn Adriana gelingt es hier zwar, Olda und den anderen das Handwerk zu legen. Doch trotzdem sitzt sie ohne weitere Hilfe nun auf der Insel fest, und der Antichrist ist im Schutz anderer Satanisten bereits an einem anderen fernen Ort in der Welt angekommen.

Der Roman selbst kommt dabei ohne wirklich intensiv-blutige Passagen aus, und weiß trotzdem die Spannungsschraube langsam, aber beständig anzuziehen.

Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte übrigens durch Dr. Frank Roßnagel und das Lektorat hatte Dr. Birgit Rehberg inne, was dann allerdings auch das eigentliche Manko des Buches direkt ins Auge springen lässt.

Denn Satzfehler oder fehlende bzw. deplatzierte Worte innerhalb eines Satzes gibt es leider hier nicht gerade wenige, was den Lesegenuss daher leider empfindlich stören kann. Da hoffe ich also mal inständig, das zumindest die Dissertationen (Doktorarbeiten) sowohl vom Übersetzer als auch der Lektorin in diesem Punkt besser ausgefallen sein mögen.

Hat man dieses sehr auffällige Manko als Leser aber dann mit etwas Sarkasmus erst einmal im Griff, dann ist der Roman „DER ANTICHRIST“ von John Tigges aber trotzdem ein lesenswerter und im okkulten Genre angesiedelter Roman, der recht spannend durchaus zu fesseln wusste.

© by Konrad Wolfram

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