Translate

Mittwoch, 27. Mai 2026

Dr. Morton Band 63: Frisches Hirn für Dr. Morton - Vergleiche mit der Original-Fassung

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften verhängte 1975 nach mehreren Einzelindizierungen eine Dauerindizierung von einem Jahr über die Heftromanserie „Dr. Morton“.

Indizierung bedeutete in diesem Fall, dass die Romane nicht im Handel ausgestellt, beworben oder Jugendlichen zugänglich gemacht werden durften.

Während des Indizierungsjahres erschien die Spin-off-Serie „Der Lord“, nach Ablauf des Jahres erscheinen wieder "Dr.-Morton"-Romane im „Kriminal-Magazin“ und später als „Erber-Taschenbuch“.

Dabei hatte der Anne-Erber-Verlag zuvor einer Erweiterung der Titel-Palette seines Brotobjekts optimistisch entgegengesehen: noch in "Dr. Morton Nr. 54", dem letzten Band vor der Indizierung, wurde ein Taschenbuch angekündigt und im Impressum von "Der Lord Großband Band 1" finden sich sechs Titel aus dem Morton-Universum.

Viele Exposés und Geschichten wurden für die geplanten Objekte bereits auf Vorrat geschrieben. Nach der Indizierung der Hauptserie erschienen allerdings Romane, die umgeschrieben, entschärft oder mit der Schere im Kopf neu geschrieben worden waren.

Im Jahre 2017 begann die Romantruhe die Serie von Beginn an nachzudrucken. 

Ab Nr. 55 erscheinen unveröffentlichte Romane als „Erstdruck“. 

Bereits veröffentlichte, aber umgeschriebene bzw. gekürzte Romane werden nach restauriertem Ur-Manuskript als „Original-Fassung“ veröffentlicht.

Im Folgenden werden die über 40 Jahre später erschienenen Original-Fassungen mit den früheren Ausgaben verglichen.  Hauptaugenmerk liegt dabei auf den inhaltlichen Unterschieden.

Die „Welterstdrucke“ aus dem Anne-Erber-Verlag wurden nach den geltenden Rechtschreibregeln der 1970er-Jahre verfasst, in den „Original-Fassungen“ der Romantruhe wird die zum Erscheinungsdatum aktuelle Rechtschreibung angewandt. Diese Abweichungen sollen hier nicht thematisiert werden.

Dr. Morton Band 63: Frisches Hirn für Dr. Morton
  • Autor: John Ball, Original-Fassung (OF), Romantruhe, Oktober 2020
  • Erstveröffentlichung: Dr. Morton Großband Nr. 1, 1975

Dr. Morton startet eine Reihe mit Selbstversuchen – er lässt sich die Essenz menschlicher Gehirne injizieren. 

Als Spender müssen hochkarätige Wissenschaftler und medizinische Koryphäen herhalten: ihr lebendes Gehirn wird zentrifugiert, gefiltert und gefriergetrocknet. Das gewonnene Destillat bewirkt in Mortons Körper, dass alle ihre Fähigkeiten auf ihn übergehen.

In der unterirdischen Anlage wird einem Opfer der Kopf abgetrennt. In der OF strömt das Blut aus seiner Halswunde in alle Richtungen (S. 15). Ein zweiter Gehirnspender wehrt sich gegen Grimsbys Überfall.

Um den Willen des Mannes zu brechen, bricht Grimsby ihm in der OF mit lautem Knacken den Arm (S. 16). Während der Behandlung muss er in Grimsbys gnadenlose Augen blicken und ahnt noch nicht, welche grauenvollen Experimente ihm noch bevorstehen (OF S. 17).

Die vom ganzen Team mit Sorge begleiteten Selbstversuche haben unerwünschte Nebenwirkungen – Dr. Morton stirbt. Er braucht ein Gegenmittel, das Grimsby in die Londoner Universitätsklinik schmuggeln muss.

Dabei wird er von einer Krankenschwester beobachtet. Da er nicht verkleidet ist und seine Finger nicht präpariert sind, tötet er sie sicherheitshalber mit seinem Messer. 
 
In der OF beobachtet er die nackte Tote und kann sich kontrollieren, sich nicht an ihr zu vergehen. 

Er weiß aber, dass er seinen Trieb bald wieder ausleben kann, sobald Dr. Morton genesen ist (OF S. 34–35).

Bei einem Ärztekongress in Rom finden sich weitere bedeutende Mediziner für das Projekt. Grimsby entführt ein weiteres Opfer und überlegt in der OF, ob er es mit den beidseitig geschliffenen Messern gefügig machen soll (S. 50). 

Das blutige Abtrennen des Kopfes wird ausführlicher beschrieben (OF S. 51). An Bord der Cessna 340 erwähnt Grimsby auf dem Rückflug, seine Messer bei der Abfertigung am Flughafen schon griffbereit gehabt zu haben (OF S. 58 ).

Großband 1 erschien gleichzeitig mit "Dr. Morton Nr. 50"; Idee, Handlungsaufbau und Tonalität entsprechen dem damaligen Serienstandard. Alle Hauptpersonen handeln und äußern sich ihren ursprünglichen Charakterprofilen gemäß.

Die Story ist gut ausgeklügelt und umgesetzt, der Verlag hatte sich für die „Premiere Issue“ einer neuen Serie Mühe gegeben. 

Im Vergleich mit der OF fällt auf, dass nur an wenigen Textstellen die Spitzen der Gewaltdarstellung etwas geglättet wurden – weil man vielleicht hoffte, schon so die roten Linien der BPjS nicht mehr zu überschreiten.

Auf der ersten Romanseite in "Großband 1" erschien eine neue Tuschezeichnung. 

Die ersten Abonnenten der Serie haben 2017 von der Romantruhe eine Sammlerkarte mit dieser Zeichnung erhalten.

© by Helge Ebsen

Keine Kommentare: