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Montag, 2. Februar 2026

Roman: Später

Später

von Stephen King

Die Geschichte beginnt mit einem Bild eines grünen Truthahn zu Thanksgiving vom damals noch sechsjährigen James "Jamie" Conklin, seiner Mutter, der Literaturagentin Tia und dem älteren Ehepaar Burkett aus der Nachbarwohnung.

Nur das Mrs. Burkett in der Nacht verstorben ist und Jamie tote Menschen, bzw. deren Geist sehen kann, als würden sie noch leben. 

Doch das bleibt nie so, denn genauso wie die Geister dann immer die Wahrheit sagen müssen, so verschwinden sie nach ein paar Tagen dann auch wieder völlig von der Bildfläche.

Das Beste für Tia ist allerdings der Schriftsteller Regis Thomas, denn dessen Buchreihe um die verschwundenen Siedler von Roanoke sind im Verlagswesen bares Gold wert.

 Das schlechteste für Tia ist hingegen ihr älterer Bruder Harry, der schon in jungen Jahren an heftiger Demenz leidet und in einem Heim lebt. Aber auch ihre lesbische Partnerin Liz Dutton, die als Detective beim New York Police Department arbeitet, aber selbst ihre Finger heimlich in Drogengeschäften hat.

Und dann passiert, was nie hätte passieren sollen. Die Wirtschaft kollabiert und das Geld ist futsch, welches Tia und früher auch Jamies Onkel Harry nicht wirklich sicher angelegt hatten.

Da kann nur noch ein weiterer Beststeller von Regis Thomas helfen. Und genau der stirbt vorher, während er nur drei Kapitel seines neuen Buches fertig hat und sich auch sonst nie Notizen gemacht hatte.

Und da kommt für Tia und Liz nun der kleine Jamie und seine Fähigkeit als Medium ins Spiel, der den Geist von Regis ausfragen soll, damit Tia dessen letzten Roman unter seinem Namen fertigstellen kann. Dieser kleine Betrug sorgt zumindest dafür, das man finanziell wieder ein wenig in ruhigeres Fahrwasser gerät.

Ein paar Jahre später hat sich Tia von Liz wegen deren kriminellen Aktivitäten im Streit getrennt. Aber auch die Polizei selbst hat Liz längst im Auge und sie könnte glatt auch ihren Job verlieren noch bevor sie ihre kriminellen Drogengeschäfte aufdecken können. Also soll nun Jamie ihren Kopf retten, weil er ja die Geister der Toten sehen und kontaktieren kann.

Und damit beginnt Jamies eigentlicher Albtraum für seine Zukunft erst wirklich. Denn der Bombenleger Kenneth Therriault hat irgendwo eine letzte große Bombe in der Stadt platziert, bevor er sich selbst in den Kopf geschossen hatte.

Liz entführt Jamie deshalb vom Fleck weg und macht sich mit ihm auf, den Geist von Therriault aufzuspüren, um so herauszufinden, wo diese Bombe platziert ist, die jederzeit hochgehen könnte. Man findet ihn sogar, doch dann läuft so einiges schief.

Zwar muss Therriault dann wie alle Geister die Wahrheit sagen. Doch sein Geist verschwindet nicht nach wenigen Tagen wieder und verfolgt nun Jamie über die Jahre hinweg. 

Denn der Geist des toten Therriault ist von einer dämonischen Kraft übernommen worden, welche nun  Jamie mit ihrem Hass verfolgt. Aber auch Liz Dutton  wird für Jamie in den weiteren Jahren zu einer Gefahr. 

  • Später
  • Autor: Stephen King
  • ISBN: 978-3-4532-7335-1
  • Gebundene Ausgabe, ca. 304 Seiten
  • Erscheinungsdatum: März 2021
  • Verlag: Heyne
„Aber etwas erzählte ich ihr nicht: Wie ich mich umgedreht und Therriault hinter dem Wagen hatte stehen sehen, nah genug, mich am Arm zu packen ... falls Tote überhaupt jemand packen konnten, was ich auf keinen Fall herausfinden wollte.“ (Später/Seite 142)

Zwar lässt Stephen King hier seinen kleinen Protagonisten Jamie Conkin nicht nur einmal anmerken, dass es sich hier wohl um eine Horrorstory handeln soll. Doch auch wenn Jamie hier tote Menschen sehen kann, ist hier der "Horror" eher ein schüchternes Geschöpf das man als Leser nun sicher nicht verschrecken sollte.

Das heißt nun nicht, dass der Roman nun schlecht zu lesen wäre. Ganz sicher nicht, denn wenn King etwas wirklich perfekt kann, dann eine Handlung aus der Sichtweise von Kindern erzählen und dabei auch lustige Begebenheiten und Dialoge einbauen. Aber auch sonst fährt King hier groß auf, wozu z.B. auch im Finale dann das Thema Inzest gehört.

Der Roman macht durchaus Spaß, hätte aber auch locker noch die eine oder andere Kürzung vertragen können. Dabei kann man aber auch Stolz auf den Autor sein, der hier mit knapp 300 Seiten mal keinen gewichtigen Ziegelstein durchs literarische Fenster geworfen hat.

Doch so flüssig und mitunter spaßig der Autor auch hier schreibt, die eigentlich erwartete Spannung bleibt leider meist unter dem erwarteten Niveau stecken. Dafür bedient sich der Autor hier einiger Ideen die sich besonders auch in den Verfilmungen seiner Werke wiederfinden lassen, zumal wenn man wie ich weniger auf Bücher mit fasst, bis über 1000 Seiten steht.

Da wäre z.B. die Geschichte um die Siedler von Roanoke, die plötzlich alle verschwanden. Wer die nicht kennt, sollte sich die DVD der Stephen King Fernseh-Miniserie „DER STURM DES JAHRHUNDERTS“ (1999) ansehen, wo ebenfalls diese Siedlung eine Rolle spielt.

Und wer die letzten zwei Kinofilme (2017 & 2019) bzw. die ältere Fernsehadaption von 1990 zu Kings Horror-Clown Pennywise (ES) kennt, dem wird schnell auch in „SPÄTER“ der von King wieder verwendete Begriff des "Todeslichts" sehr bekannt vorkommen.

Das wir hier dem kleinen James "Jamie" Conklin samt seiner Mutter Tia folgen dürfen, hat dabei vom Stil her eher den Charakter einer Coming of Age Geschichte, gemischt mit Elementen einer Daily Soap  sowie einer Zugabe in Sachen Mystery. Denn in Sachen Spannung oder gar Horror fehlt der alte Biss, den Stephen King in früheren Jahren und damit seiner eigentlichen Horror-Phase hatte.

„SPÄTER“ ist dabei durchaus atmosphärisch gut gelungen und die Dramaturgie wie der eingebaute Witz wissen zu gefallen. In Sachen Spannung (von Horror will ich hier lieber schweigen) reißt dieser Roman mich persönlich allerdings nicht vom Hocker.

 © by Konrad Wolfram

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