Später
von Stephen King
Die
Geschichte beginnt mit einem Bild eines grünen Truthahn zu Thanksgiving vom
damals noch sechsjährigen James "Jamie" Conklin, seiner Mutter, der
Literaturagentin Tia und dem älteren Ehepaar Burkett aus der Nachbarwohnung.
Nur das Mrs. Burkett in der Nacht verstorben ist und Jamie tote Menschen, bzw. deren Geist sehen kann, als würden sie noch leben.
Doch das bleibt nie so, denn genauso wie die Geister dann immer die Wahrheit sagen müssen, so verschwinden sie nach ein paar Tagen dann auch wieder völlig von der Bildfläche.
Das Beste für Tia ist allerdings der Schriftsteller Regis Thomas, denn dessen Buchreihe um die verschwundenen Siedler von Roanoke sind im Verlagswesen bares Gold wert.
Das
schlechteste für Tia ist hingegen ihr älterer Bruder Harry, der schon in jungen
Jahren an heftiger Demenz leidet und in einem Heim lebt. Aber auch ihre
lesbische Partnerin Liz Dutton, die als Detective beim New York Police
Department arbeitet, aber selbst ihre Finger heimlich in Drogengeschäften hat.
Und
dann passiert, was nie hätte passieren sollen. Die Wirtschaft kollabiert und
das Geld ist futsch, welches Tia und früher auch Jamies Onkel Harry nicht
wirklich sicher angelegt hatten.
Da
kann nur noch ein weiterer Beststeller von Regis Thomas helfen. Und genau der
stirbt vorher, während er nur drei Kapitel seines neuen Buches fertig hat und
sich auch sonst nie Notizen gemacht hatte.
Und
da kommt für Tia und Liz nun der kleine Jamie und seine Fähigkeit als Medium
ins Spiel, der den Geist von Regis ausfragen soll, damit Tia dessen letzten
Roman unter seinem Namen fertigstellen kann. Dieser kleine Betrug sorgt
zumindest dafür, das man finanziell wieder ein wenig in ruhigeres Fahrwasser
gerät.
Ein
paar Jahre später hat sich Tia von Liz wegen deren kriminellen Aktivitäten im
Streit getrennt. Aber auch die Polizei selbst hat Liz längst im Auge und sie
könnte glatt auch ihren Job verlieren noch bevor sie ihre kriminellen
Drogengeschäfte aufdecken können. Also soll nun Jamie ihren Kopf retten, weil
er ja die Geister der Toten sehen und kontaktieren kann.
Und
damit beginnt Jamies eigentlicher Albtraum für seine Zukunft erst wirklich.
Denn der Bombenleger Kenneth Therriault hat irgendwo eine letzte große Bombe in
der Stadt platziert, bevor er sich selbst in den Kopf geschossen hatte.
Liz
entführt Jamie deshalb vom Fleck weg und macht sich mit ihm auf, den Geist von
Therriault aufzuspüren, um so herauszufinden, wo diese Bombe platziert ist, die
jederzeit hochgehen könnte. Man findet ihn sogar, doch dann läuft so einiges
schief.
Zwar muss Therriault dann wie alle Geister die Wahrheit sagen. Doch sein Geist verschwindet nicht nach wenigen Tagen wieder und verfolgt nun Jamie über die Jahre hinweg.
Denn der Geist des toten Therriault ist von einer dämonischen
Kraft übernommen worden, welche nun
Jamie mit ihrem Hass verfolgt. Aber auch Liz Dutton wird für Jamie in den weiteren Jahren zu
einer Gefahr.
- Später
- Autor: Stephen King
- ISBN: 978-3-4532-7335-1
- Gebundene Ausgabe, ca. 304 Seiten
- Erscheinungsdatum: März 2021
-
Verlag:
Heyne
„Aber etwas erzählte ich ihr nicht: Wie ich mich umgedreht und Therriault hinter dem Wagen hatte stehen sehen, nah genug, mich am Arm zu packen ... falls Tote überhaupt jemand packen konnten, was ich auf keinen Fall herausfinden wollte.“ (Später/Seite 142)
Zwar lässt Stephen King hier seinen kleinen Protagonisten
Jamie Conkin nicht nur einmal anmerken, dass es sich hier wohl um eine
Horrorstory handeln soll. Doch auch wenn Jamie hier tote Menschen sehen kann,
ist hier der "Horror" eher ein schüchternes Geschöpf das man als
Leser nun sicher nicht verschrecken sollte.
Das heißt nun nicht, dass der Roman nun schlecht zu lesen
wäre. Ganz sicher nicht, denn wenn King etwas wirklich perfekt kann, dann eine
Handlung aus der Sichtweise von Kindern erzählen und dabei auch lustige
Begebenheiten und Dialoge einbauen. Aber auch sonst fährt King hier groß auf,
wozu z.B. auch im Finale dann das Thema Inzest gehört.
Der Roman macht durchaus Spaß, hätte aber auch locker
noch die eine oder andere Kürzung vertragen können. Dabei kann man aber auch
Stolz auf den Autor sein, der hier mit knapp 300 Seiten mal keinen gewichtigen
Ziegelstein durchs literarische Fenster geworfen hat.
Doch so flüssig und mitunter spaßig der Autor auch hier
schreibt, die eigentlich erwartete Spannung bleibt leider meist unter dem
erwarteten Niveau stecken. Dafür bedient sich der Autor hier einiger Ideen die
sich besonders auch in den Verfilmungen seiner Werke wiederfinden lassen, zumal
wenn man wie ich weniger auf Bücher mit fasst, bis über 1000 Seiten steht.
Da wäre z.B. die Geschichte um die Siedler von Roanoke,
die plötzlich alle verschwanden. Wer die nicht kennt, sollte sich die DVD der
Stephen King Fernseh-Miniserie „DER STURM DES JAHRHUNDERTS“ (1999) ansehen, wo
ebenfalls diese Siedlung eine Rolle spielt.
Und wer die letzten zwei Kinofilme (2017 & 2019) bzw.
die ältere Fernsehadaption von 1990 zu Kings Horror-Clown Pennywise (ES) kennt,
dem wird schnell auch in „SPÄTER“ der von King wieder verwendete Begriff des
"Todeslichts" sehr bekannt vorkommen.
Das wir hier dem kleinen James "Jamie" Conklin
samt seiner Mutter Tia folgen dürfen, hat dabei vom Stil her eher den Charakter
einer Coming of Age Geschichte, gemischt mit Elementen einer Daily Soap sowie einer Zugabe in Sachen Mystery. Denn in
Sachen Spannung oder gar Horror fehlt der alte Biss, den Stephen King in
früheren Jahren und damit seiner eigentlichen Horror-Phase hatte.
„SPÄTER“ ist dabei durchaus atmosphärisch gut gelungen
und die Dramaturgie wie der eingebaute Witz wissen zu gefallen. In Sachen
Spannung (von Horror will ich hier lieber schweigen) reißt dieser Roman mich
persönlich allerdings nicht vom Hocker.
© by Konrad Wolfram

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