Gespenster-Krimi 175
Der Knochenfürst
von Camilla Brandner
Alles beginnt im Jahre 1650, als der Prediger
Thaddäus Johnson gegen die Familie Salton und den Anhängern ihres dunklen Kult
wütend droht, sollten sie ihren gar heidnischen wie blutigen Zeremonien am
Grabhügel in Barrow auf dem King Hill für den Knochenfürsten nicht sofort
unterbinden.
Und diese Drohung hatte gewirkt.
Doch im Jahre 1800 findet der Dämon des Knochenfürsten, welcher sich in Form eines Raben zu zeigen pflegt, und der seit langem geschmähte Knochenfürst, den man auch als Lord of the Hill bezeichnet...
...einen Weg, wieder an entsprechend junge Mädchen für ihr Blutopfer zu gelangen. Und daran ist der achtjährige Ezra Salton nicht ganz unschuldig.
Und so trifft es dann die 16-jährige Tochter des
Gutsherrn Squire Wright, welcher man mittels eines Fests einen geeigneten
Ehemann sucht. Doch in dieser Nacht fällt das hübsche, aber eben auch maßlos
hochmütige Mädchen mit Namen Swanhilda in der Kirche St. Friedeswida in die
Finger des Knochenfürsten. Verschwindet plötzlich, taucht dann aber wohl Monate
später dem Wahnsinn nahe und schwanger wieder auf.
Im Jahr 2021 soll nun der junge Pfarrer Joseph
Elliott das Amt des alten Father Merton im Dorf und eben auch in der Kirche St.
Friedeswida im englischen Sussex übernehmen. Doch ein Problem gibt es dort,
denn Trauungen sollen hier nur unter freiem Himmel und niemals in der Kirche
selbst vollzogen werden.
Aber auch der Küster Randall Salton ist Elliott
zuerst nicht ganz geheuer. Denn er ist zwar intelligent und tüchtig, aber er
wirkt auf Elliott auch irgendwie abweisend und sogar bedrohlich.
Dafür ist die junge aber durch eine Hasenscharte
entstellte Haushälterin im Pfarrhaus mit Namen Hedda Wilton eher eine sehr
ruhige, schüchterne und bei Zeiten sogar verängstigte Seele.
Und während sich Elliott und Randall anfangen, sich
langsam zusammen zu raufen, fängt der Dämon in Gestalt eines Raben an, für den
Knochenfürst weitere dunkle Fäden zu spinnen.
Und so bekommt auch bald die Schwarzmagierin Madame
Malefica in London ebenso Wind von der angedachten Lughnasadh-Zeremonie am
Grabhügel durch die weiße Hexe Deirdre Webley und ihrem Gefolge, wie auch durch
Randall ein wilder Haufen von Tierschützern, die eventuell wieder ein Tieropfer
verhindern wollen.
Doch wer sagt eigentlich, das hier jungfräuliches
Blut immer von jungen unberührten Mädchen oder Tieren stammen muss? Schließlich
könnte man da auch den Pfarrer Elliott samt Randall Salton opfern, die sexuell
auch bisher auch auf dem trockenen lebten.
Als dann aber auch noch eine Fliegerbombe aus dem
Zweiten Weltkrieg in der näheren Umgebung des Grabhügels gefunden wird, dämmert
es auch dem Hilfsdämon in Rabengestalt, dass hier wohl kein Blumentopf für die
Hölle mehr zu gewinnen ist, weil einfach alles schief geht. Allerdings ist da
ja auch noch etwas böses direkt in der Kirche St. Friedeswida, was auch noch
ausgetrieben gehört.
- Erstveröffentlichung: 20. Juni 2025
- Autor: Camilla Brandner
-
Ein Einzelroman
„Elliott wollte aufschreien - er wusste, dass man auf mittelalterlichen Skulpturen den Teufel so dargestellt hatte, eine halb leere Hülle, zuweilen auch mit sich windenden Schlangen gefüllt -, (...)“ (Gespenster-Krimi/Band 175, "Der Knochenfürst/Seite 20)
Ihr merkt es wahrscheinlich
schon, aber da lief irgendwas bei der Handlung bald nicht mehr so ganz rund.
Genau genommen waren die ersten
zwei Drittel des Romans wirklich spannend. Nur dann schlich sich im letzten
Drittel so mancher komische Inhalt und Dialog ein. Auch ich musste bei eben
diesen Dialogen und Vorkommnissen auch grinsen, aber förderlich für die
Spannung war dies leider nicht, die vorher so gut von der Autorin aufgebaut
wurde.
Der Haken liegt wohl hier
begründet, dass man dem Leser schon zu Beginn signalisieren sollte, wenn es
sich eher um eine Horror-Komödie handeln soll, was ja auch mal ganz erfrischend
sein kann.
Allerdings dieser hier doch
etwas harte Schwenk innerhalb der Handlung im letzten Drittel, lässt mich als
Leser dann doch irgendwie unbefriedigt zurück.
Gut, ich fand da so einige
Dialoge der Figuren und auch weitere Abläufe auch recht lustig. Nur hatte
Camilla Brandner in den ersten zwei Dritteln eine eher ernsthafte und düstere
Spannung aufgebaut, die plötzlich ähnlich wie ein aufgeblähter Luftballon in
sich zusammen sackte, weil man mit einer Nadel reingestochen hatte.
Auch wirkt die Handlung im
letzten Drittel auch etwas überladen, als dann auch noch eine sogenannte Hexen
aus London auftaucht, aber dann doch nicht wirklich aktiv wird. Randall
indessen versucht, den eigenen Dorfhexen bei ihrer Zeremonie gewaltbereite
Tierschützer auf den Hals zu hetzen und selbst die Geister-Nonne Friedeswida
sich gerade locker mal in dieses Gewusel einmischt. Und wir wollen nicht das
Schaf Minnie vergessen, welches von Randall ja schon mal von den Hexenweibern
gerettet wurde.
Die Kirsche auf der Sahnehaube
war dann noch die plötzlich aufgefundene, aber ungefährliche Fliegerbombe der
deutschen Luftwaffe. Ab da war der Dämon in Rabengestalt dann wirklich genervt
und schleppt den Schädel des Knochenfürsten gleich mit in die Großstadt zu
neuen Ufern. Denn wirklich helle ist der Knochenfürst ja auch nicht, weshalb
eben der Dämon als Gehilfe wirklich den ganzen Stress hatte.
Nein, man sollte besser schon
vorher wissen, in welche Richtung es innerhalb eines Roman gehen soll. Weder
konsequent in die düstere Schiene oder doch eher hin zu einer gelungenen
gruseligen Komödie. So wie hier jedenfalls blieb ich als Leser leider in beiden
Richtungen eher unbefriedigt zurück, was nun leider auch kein Kompliment ist.
© by Konrad Wolfram
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