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Dienstag, 24. Juni 2025

Der Knochenfürst

Gespenster-Krimi 175

Der Knochenfürst

von Camilla Brandner

Alles beginnt im Jahre 1650, als der Prediger Thaddäus Johnson gegen die Familie Salton und den Anhängern ihres dunklen Kult wütend droht, sollten sie ihren gar heidnischen wie blutigen Zeremonien am Grabhügel in Barrow auf dem King Hill für den Knochenfürsten nicht sofort unterbinden.

Und diese Drohung hatte gewirkt. 

Doch im Jahre 1800 findet der Dämon des Knochenfürsten, welcher sich in Form eines Raben zu zeigen pflegt, und der seit langem geschmähte Knochenfürst, den man auch als Lord of the Hill bezeichnet...

...einen Weg, wieder an entsprechend junge Mädchen für ihr Blutopfer zu gelangen. Und daran ist der achtjährige Ezra Salton nicht ganz unschuldig.

Und so trifft es dann die 16-jährige Tochter des Gutsherrn Squire Wright, welcher man mittels eines Fests einen geeigneten Ehemann sucht. Doch in dieser Nacht fällt das hübsche, aber eben auch maßlos hochmütige Mädchen mit Namen Swanhilda in der Kirche St. Friedeswida in die Finger des Knochenfürsten. Verschwindet plötzlich, taucht dann aber wohl Monate später dem Wahnsinn nahe und schwanger wieder auf.

Im Jahr 2021 soll nun der junge Pfarrer Joseph Elliott das Amt des alten Father Merton im Dorf und eben auch in der Kirche St. Friedeswida im englischen Sussex übernehmen. Doch ein Problem gibt es dort, denn Trauungen sollen hier nur unter freiem Himmel und niemals in der Kirche selbst vollzogen werden.

Aber auch der Küster Randall Salton ist Elliott zuerst nicht ganz geheuer. Denn er ist zwar intelligent und tüchtig, aber er wirkt auf Elliott auch irgendwie abweisend und sogar bedrohlich.

Dafür ist die junge aber durch eine Hasenscharte entstellte Haushälterin im Pfarrhaus mit Namen Hedda Wilton eher eine sehr ruhige, schüchterne und bei Zeiten sogar verängstigte Seele.

Und während sich Elliott und Randall anfangen, sich langsam zusammen zu raufen, fängt der Dämon in Gestalt eines Raben an, für den Knochenfürst weitere dunkle Fäden zu spinnen.

Und so bekommt auch bald die Schwarzmagierin Madame Malefica in London ebenso Wind von der angedachten Lughnasadh-Zeremonie am Grabhügel durch die weiße Hexe Deirdre Webley und ihrem Gefolge, wie auch durch Randall ein wilder Haufen von Tierschützern, die eventuell wieder ein Tieropfer verhindern wollen.

Doch wer sagt eigentlich, das hier jungfräuliches Blut immer von jungen unberührten Mädchen oder Tieren stammen muss? Schließlich könnte man da auch den Pfarrer Elliott samt Randall Salton opfern, die sexuell auch bisher auch auf dem trockenen lebten.

Als dann aber auch noch eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in der näheren Umgebung des Grabhügels gefunden wird, dämmert es auch dem Hilfsdämon in Rabengestalt, dass hier wohl kein Blumentopf für die Hölle mehr zu gewinnen ist, weil einfach alles schief geht. Allerdings ist da ja auch noch etwas böses direkt in der Kirche St. Friedeswida, was auch noch ausgetrieben gehört.

  • Erstveröffentlichung: 20. Juni 2025
  • Autor: Camilla Brandner
  • Ein Einzelroman

„Elliott wollte aufschreien - er wusste, dass man auf mittelalterlichen Skulpturen den Teufel so dargestellt hatte, eine halb leere Hülle, zuweilen auch mit sich windenden Schlangen gefüllt -, (...)“ (Gespenster-Krimi/Band 175, "Der Knochenfürst/Seite 20)

Ihr merkt es wahrscheinlich schon, aber da lief irgendwas bei der Handlung bald nicht mehr so ganz rund.

Genau genommen waren die ersten zwei Drittel des Romans wirklich spannend. Nur dann schlich sich im letzten Drittel so mancher komische Inhalt und Dialog ein. Auch ich musste bei eben diesen Dialogen und Vorkommnissen auch grinsen, aber förderlich für die Spannung war dies leider nicht, die vorher so gut von der Autorin aufgebaut wurde.

Der Haken liegt wohl hier begründet, dass man dem Leser schon zu Beginn signalisieren sollte, wenn es sich eher um eine Horror-Komödie handeln soll, was ja auch mal ganz erfrischend sein kann.

Allerdings dieser hier doch etwas harte Schwenk innerhalb der Handlung im letzten Drittel, lässt mich als Leser dann doch irgendwie unbefriedigt zurück.

Gut, ich fand da so einige Dialoge der Figuren und auch weitere Abläufe auch recht lustig. Nur hatte Camilla Brandner in den ersten zwei Dritteln eine eher ernsthafte und düstere Spannung aufgebaut, die plötzlich ähnlich wie ein aufgeblähter Luftballon in sich zusammen sackte, weil man mit einer Nadel reingestochen hatte.

Auch wirkt die Handlung im letzten Drittel auch etwas überladen, als dann auch noch eine sogenannte Hexen aus London auftaucht, aber dann doch nicht wirklich aktiv wird. Randall indessen versucht, den eigenen Dorfhexen bei ihrer Zeremonie gewaltbereite Tierschützer auf den Hals zu hetzen und selbst die Geister-Nonne Friedeswida sich gerade locker mal in dieses Gewusel einmischt. Und wir wollen nicht das Schaf Minnie vergessen, welches von Randall ja schon mal von den Hexenweibern gerettet wurde.

Die Kirsche auf der Sahnehaube war dann noch die plötzlich aufgefundene, aber ungefährliche Fliegerbombe der deutschen Luftwaffe. Ab da war der Dämon in Rabengestalt dann wirklich genervt und schleppt den Schädel des Knochenfürsten gleich mit in die Großstadt zu neuen Ufern. Denn wirklich helle ist der Knochenfürst ja auch nicht, weshalb eben der Dämon als Gehilfe wirklich den ganzen Stress hatte.

Nein, man sollte besser schon vorher wissen, in welche Richtung es innerhalb eines Roman gehen soll. Weder konsequent in die düstere Schiene oder doch eher hin zu einer gelungenen gruseligen Komödie. So wie hier jedenfalls blieb ich als Leser leider in beiden Richtungen eher unbefriedigt zurück, was nun leider auch kein Kompliment ist.

© by Konrad Wolfram

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