Karl Jürgen Roth: Ich bin inzwischen schon ein etwas älteres Semester, habe einst mal Geschichte und Deutsch studiert, und über ein Thema aus dem Bereich der populären Unterhaltungsmedien promoviert.
Ich war einige Jahre im universitären Bereich und später im Schuldienst tätig. Übrigens meinen ersten Essay über Franz Treller habe ich 1979 veröffentlicht – o je, was ist das schon lange her.
Ach so, in der „GASW“ war ich
mehrere Jahre als Zweiter Vorsitzenden und dann als Verantwortlicher für den
deutschsprachigen Western tätig.
Ingo Löchel: Woher kommt Dein Interesse zum
Westerngenre?
Karl Jürgen Roth: Das Übliche: In meinen jungen Jahren habe ich zahlreiche der klassischen Indianerbücher und Western gelesen, also zunächst einmal Karl May, dann aber von James Fenimore Cooper bis Liselotte Welskopf-Henrich so beinahe alles, was Rang und Namen hat.
Hinzu kamen unterhaltende Romanhefte, Leih- und Taschenbücher von teils auch heute noch bekannten amerikanischen und europäischen Autoren.
Seitdem hat mich die Thematik
nicht mehr losgelassen, ich habe vieles gesammelt und mich in zahlreichen
Beiträgen, u. a. Im „Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur“ (Corian-Verlag)
oder in den „Studies in the Western“ auch theoretisch mit dem Western und der
Abenteuerliteratur auseinandergesetzt..
Ingo Löchel: Wie kam es zur Idee zum Blog
"AKWA - Journal des Arbeitskreises Western & Abenteuer"?
Karl Jürgen Roth: Uns fehlte im deutschsprachigen Raum eine populärwissenschaftlich ausgerichtete Veröffentlichung, die sich in Form von belletristischen Beiträgen (z. B. Short Stories) und allgemein verständlichen Sachtexten (teils auch bibliografischen Studien) mit den Themenbereichen Abenteuer und Western beschäftigt.
Nachdem die verdienstvollen „Studies in the Western“ ihr Erscheinen eingestellt haben und die „GASW“ sanft entschlummert ist, biete ich nun mit freundlicher Unterstützung engagierter Beiträger seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres mit dem Online Magazin "AKWA - Journal des Arbeitskreises Western & Abenteuer" eine solche Publikation an, wobei es uns wichtig ist, dass die Lektüre und Rezeption für die Nutzer kostenfrei und der Zugang zum Online Magazin für jeden barrierefrei möglich ist.
Als weiteren Zugang bieten wir
gesammelte Beiträge in PDF-Form über das Internet-Archiv zum kostenlosen
Download an.
Ingo Löchel: Du
erwähntest die “GASW”, die “German Association for the Study of the Western”. Was war die GASW genau?
Karl Jürgen Roth: Die „GASW“ wurde zu Beginn der 1990er Jahre gegründet und war rund dreißig Jahre lang sehr aktiv. Seit dem plötzlichen Tod der Vorsitzenden – im Abstand weniger Jahre – ruht die Arbeit der „GASW“. Sie war als literarische Gesellschaft mit Sitz in Münster für Wissenschaftler, Autoren und interessierte Laien offen und sah den Western als wichtigen Bestandteil der amerikanischen Kultur und darüber hinausgehend als ein zentrales Element der allgemeinen populären Medienlandschaft.
Somit standen Bücher, Romanhefte, Comics, Filme, TV-Serien, Hörspiele, Musik, Malerei, Grafik oder Fotos im Fokus der Forschungen der „GASW“.
Wichtig waren die jährlichen internationalen Tagungen zu ausgewählten Schwerpunktthemen, an denen immer auch auch Autoren oder Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten teilnahmen.
Mehrfach verlieh die
Gesellschaft den „Elmer Kelton-Award“ für besondere Verdienste um den Western
(Elmer Kelton war Ehrennmitglied der „GASW“).
Ingo Löchel: Erschien dort auch ein
Magazin?
Karl Jürgen Roth: Ja
zunächst erschienen die „Studies in the Western“ – wenn mich jetzt die
Erinnerung nicht trügt – zweimal pro Jahr als Fachzeitschrift, später stellte
man auf ein ‚Jahrbuch‘ um, welches unter gleichem Titel die auf den
Jahrestagungen gehaltenen wissenschaftlichen Vorträge in schriftlicher Form
beinhaltete und zudem Weiteres und Ergänzendes brachte. Daneben gab es
sporadisch einen ‚Newsletter‘, gleichfalls in gedruckter Form.
Ingo Löchel: Die Themenkreise Deiner Seite
sind weit gefächert. Neben Artikeln zum Western-Genre (Autoren, Comics, Filme,
Romane, etc.) gibt es unter anderem auch Artikel zu Pulp-Magazinen,
Heftroman-Serien sowie Übersetzungen von Western-Kurzgeschichten. Nach welchen
Kriterien werden die Beiträge für die Seite ausgesucht?
Karl Jürgen Roth: Ziel ist es, den Western (und auch das Abenteuergenre) in möglichst all den verschiedenen Erscheinungsformen zu berücksichtigen. Dazu gehören neben Sachbeiträgen für mich auch belletristische Texte.
Hier habe ich das Glück mit Reinhard Windeler einen Übersetzer gefunden zu haben, der sich sehr engagiert um im Original englischsprachige Westernstories kümmert. Zudem sollen aber auch weitere fiktionale Texte in deutsch veröffentlicht werden.
Kriterien sind natürlich etwas schwer zu definieren: Erwünscht ist Alles was zum Western gehört. Die Texte sollten unterhaltsam und informativ sein, sie dürfen durchaus auch ein wenig länger werden. Eine adäquate Illustrierung ist erwünscht, wobei die Urheberrechte der Illustrationen beachtet werden müssen.
Die Themenbereiche habe ich schon oben erwähnt: Bücher, Romanhefte, Comics, Filme, TV-Serien, Hörspiele, Musik, Malerei, Grafik oder Fotos. Derzeit nicht geplant sind umfassende Titellisten von Romanheftreihen, die zum Teil ja mehrere Tausend Ausgaben umfassen.
Im Bereich des ‚Adult Western‘
(Printform oder audiovisuell) ist es leider nicht möglich, alles Interessante
zu veröffentlichen, da die Provider eine Aversion gegen so manche Darstellung
haben. – Eingehende Beiträge werden von mir geprüft, wobei ich mir eine
Ablehnung vorbehalte.
Ingo Löchel: Um das Online-Journal mit
Inhalten zu füllen sind Mitarbeiter vonnöten. Kann jeder Artikel für die Seite
einsenden oder muss man vorher dem Arbeitskreis beitreten?
Karl Jürgen Roth: Ja, ein
vorheriger Beitritt zum Arbeitskreis ist nicht nötig.
Ingo Löchel: Ist der Beitritt in den
Arbeitskreis und die dortige Mitgliedschaft kostenlos?
Karl Jürgen Roth: Der
Beitritt zum Arbeitskreis erfolgt automatisch mit der Veröffentlichung eines
namentlich gekennzeichneten Beitrags. Die Mitgliedschaft ist selbstverständlich
kostenlos. Falls ein Autor anonym bleiben möchte, so würde ich seinen Beitrag
mit *** kennzeichnen.
Ingo Löchel: Werden noch Mitarbeiter für
Deinen Blog gesucht und welche Voraussetzungen müssen diese mitbringen?
Karl Jürgen Roth: Ja, im Prinzip kann jeder etwas beitragen! Mann/Frau sollte aber über die notwendige Sachkenntnis oder schriftstellerische Kreativität verfügen. Der Schreibstil darf durchaus locker – aber bitte nicht zu flapsig – sein. Auf einen wissenschaftlichen Anmerkungsapparat bitte ich zu verzichten.
Das Typoskript sollte als ‚plain text‘ in Format einer üblichen Textverarbeitung vorliegen (bitte nicht als PDF-Datei), Illustrationsvorlagen bitte gesondert als Bilddateien, im Text nur jeweils ein entsprechender Verweis.
Da das AKWA Journal kostenlos
ist, können wir verständlicherweise keinerlei Honorare zahlen.
Ingo Löchel: Wenden sich interessierte
Mitarbeiter direkt an Dich?
Karl Jürgen Roth: Ja,
EMail-Adresse: westernroman@yahoo.de
Ingo Löchel: Jürgen, vielen Dank für die
Beantwortung der Fragen.
Karl Jürgen Roth: Gerne geschehen, vielleicht willst Du ja selbst einmal etwas zum „AKWA Journal“ beitragen.
1 Kommentar:
Sehr interessantes Interview! Danke dafür!
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