Gespenster-Krimi 208
Die Sündenfresser
von Helen Taylor
Schon vor vielen Jahren hatte sich der alte Pfarrer Ephraim Dowsley mit seinem Bruder Jonathan völlig überworfen.
Doch Jonathan ist verstorben und seine Tochter Edna
Wanderley würde es gerne sehen, wenn sich nun ihre neunzehnjährige Tochter
Helen mit Ephraim gut stellen würde.
Denn ihnen fehlt es an Geld und die Herzschwäche, an der auch Helen zu leiden scheint, ruft geradezu nach einer Pflegeperson.
Außerdem kann Edna den windigen
Marius Devlin nicht leiden, mit dem sich Helen seit einiger Zeit abgibt.
Doch
um im Testament finanziell von Ephraim Dowsley bedacht zu werden, muss Helen
ins dorf Brackenby in West Devon (England) reisen, wo ehemals die Familie
Dowsley auch eine damals florierende Silbermine ihr eigen nennen konnte, um die
sich jedoch mit den Jahren nun auch so einige dunkle Geschichten ranken.
Und
so reist Helen Wanderley nach Brackenby, wo auch in kürze das 250 jährige
Jubiläum der Pfarrei zum Hl. Nothelm gefeiert werden soll. Und hier könnte laut
ihrer Mutter Edna, Helen eventuell gefallen am jungen Kurat der Kirche, Romuald
Snyders gefallen finden, der sogar aus einem Seitenzweig der Familie Dowsley
stammt.
Doch
auch William Benton, der im Auftrag von Ephraim Helen am Bahnhof abholen soll,
scheint sich gleich in das hübsche Mädchen verguckt zu haben.
Das
jedoch Ephraim Helen nicht uneigennützig zur Erbin ernennen will, ahnt Helen
noch nicht. Denn in den Stollen der Mine scheinen nunmehr dunkle Kreaturen zu
hausen, welche das Licht des Tages scheuen. Und sie sind auch die Heimat eines
Untoten, welcher jedoch an die Mine gebunden ist.
Und
genau für den muss Ephraim ein neues Opfer suchen, welches für viele Jahrzehnte
die Sünden des lebenden Toten auf sich nimmt, welche bis zu diesem Tag noch
Ephraim als heimlicher Okkultist und Nekromant ihm durch einen Pakt mit dem
Teufel abgenommen hatte.
Denn
nur so kann einerseits der Untote weiter leben ohne nach Ephraims Tod in die
Hölle zu fahren. Und auch Ephraim muss die finstere Seele des Untoten nun
unbedingt weitergeben, damit nicht ihm für dessen Sünden die höllische
Verdammnis droht.
Der
Teufel indessen muss eigentlich nur warten, auch wenn der Untote und Ephraim
ihn bisher bei diesem Pakt betrügen konnten. Denn entkommen werden sie ihm wohl
eher nicht. Und für den Teufel spielt Zeit nun mal keine Rolle.
Doch
dann geht so einiges schief, denn Ephraim wird eines Morgens in der Kirche
erhängt aufgefunden und William Benton bringt Helen eigenhändig nach London
zurück.
Doch
um wirklich dem Teufel von der Schippe springen zu können, darf Helen das Testament
ihres Großonkels nicht annehmen und sie muss sich von der dunklen Macht der
seltsamen Spieluhr befreien, welche sie von Ephraim Dowsley erhielt.
- Erstveröffentlichung: Am 26. September 2026
„Und doch hatte sie das Gefühl, als hätte sich in dem Moment, in dem der Deckel zufiel, im Raum etwas verändert. So unauffällig, dass sie nicht sagen konnte, was es war. Nun schob sie das Kästchen ein Stück von sich weg.“ (Gespenster-Krimi/Band 208, "Die Sündenfresser"/Seite 26 - 27)
Der Roman „DIE SÜNDENFRESSER“ kann hier durchaus mit
einer sehr interessanten Grundidee aufwarten. Nur leider spielt die Autorin
Helen Taylor die sich daraus ergebenden Möglichkeiten nicht wirklich aus.
Das heißt nun nicht, das der nun vorliegende „GESPENSTER-KRIMI“
nicht interessant zu lesen gewesen wäre. Nur leider bleibt das Spannungsniveau
wie auch eine gewisse düstere Atmosphäre hier eher auf Sparflamme.
Aber auch die durchaus gute Idee mit einem Pakt mit dem
Teufel, bei dem man sich die Lebenszeit eines anderen Menschen erkaufen kann,
wenn dieser freiwillig dessen Sündenkonto übernimmt, wirkt hier mitunter etwas
verworren. Denn mit den eigentlichen Hintergründen hierzu kommt die Autorin
erst ab ca. Seite 40 so langsam mit heraus.
Und es bleiben schlicht am Ende einfach zu viele Fragen
offen. Denn was für Kreaturen sind denn nun die "Knöckler", die
ebenfalls in den Minen hausen? Und was war denn nun wirklich los mit diesem
John Dee, dessen Geschichte um den Pakt mit dem Teufel im Roman eher nur
angerissen wurde.
Und zum Schluss steht ja auch die Frage im Raum, ob Helen
Wanderley wirklich wegen ihrem schwachen Herzen noch recht jung versterben
wird? Denn die Herzschwäche von ihr und ihrer Mutter besteht ja völlig
unabhängig vom einem Pakt mit dem Teufel.
Man wird daher das Gefühl nicht los, das die Autorin hier
viel zu viel in die Handlung hineinpacken wollte, anstatt sich auf das
Wesentlichste zu konzentrieren.
Das Cover des Roman passt indessen sehr gut zu der Idee
hinsichtlich der Seelen, die man so in dunklen Flaschen verkorkt hält, bis man
eine neue und jüngere Person findet, der man dann die eigenen Sünden aufbürden
kann, um so das eigene untote Leben weiterführen zu können.
Zumindest wirkt das Cover hier düsterer und spannender,
als es der Roman dann leider wirklich ist.
Von daher kann man der Autorin nur raten, bei ihrem
nächsten Roman einen besonderen Fokus eben auf die Spannung und eine düstere
Atmosphäre zu legen, anstatt den Fragen, Verwandtschaftsverhältnissen und
Gefühlen der jeweiligen Protagonisten übermäßig Raum zu geben.
© by Konrad Wolfram

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