One Night Stan's
von Greg Sisco
Scud
City in Nevada ist nicht gerade eine Millionenstadt und wohl auch kein
Zufluchtsort für Touristen, die auf amerikanische Geschichte stehen.
Dafür
hat Scud City einen Straßenstrich, Clubs und anrüchige Bars, die Mafia und auch
sonst jede Menge undurchsichtiger Typen. Und eine dieser schäbigen Strip-Clubs
ist die Titty Bar von One Night Stan's.
Ja, Scud City ist eine recht sündige kleine Stadt in denen selbst die Cops besser beide Augen schließen sollten, wenn sie nicht Mittelpunkt eines unschönen Blutbades werden wollen.
Und
wenn sie mehr sehen wollen als nur ein paar nackte Möpse, die die Mädchen
tanzend an der Stange präsentieren, dann treibt es einsame Ehemänner,
gelangweilte Cops, düstere Gestalten und betrunkene College-Boys eben in die
Titty Bar, sofern sie überhaupt an Russian Bob vorbei kommen.
Eines
Abends versucht allerdings der halbseidene Traci Jack eine prall gefüllte
Tasche voller Geld durch die Stadt zu schleusen.
Vorher
aber lässt er sich noch auf ein kleines Abenteuer mit der schärfsten Braut der
Titty Bar ein. Man könnte sagen, ein Fehler beginnt immer mit den besten
Aussichten, bevor man merkt, dass man die Zeit leider nicht mehr zurückdrehen
kann.
Denn
Ginger ist nicht nur eine heiße Stripperin, sondern auch eine etwas – nun sagen
wir mal – absonderliche Killerin, die Stan's, der sich gerne auch mal mit
Sinatra vergleicht, auf Traci Jack angesetzt hat, um eben an diese Tasche
voller Geld zu gelangen.
Nun
macht Stan's natürlich kein „Geschäft“ auf eigene Rechnung, dafür aber auf
eigenes Risiko, denn ihm im Nacken sitzt ein verdammt übler Mafiosi.
Dumm
nur, dass die nymphomane Ginger sexuell so richtig abgeht, wenn sie ihre Kunden
so richtig langsam und sadistisch ins Jenseits befördern kann. In Sachen Traci
Jack war dies aber leider nicht langsam genug, denn bevor er verraten kann, wo
sich der Geldsegen befindet, steht er bereits vor Petrus, um vielleicht doch
noch durchs Himmelstor zu gelangen.
Die
Situation wird so für Stan's ziemlich übel und da hilft ihm auch nicht sein
russischer Türsteher, der aussieht, als könne er jeden anderen in der Luft
zerreißen. Denn wenn der üble Mafiosi auftaucht, steht eher die Frage im Raum,
wer jetzt gerade der Chef im Laden ist und wer hier die Kommandos erteilt.
In
dieser Nacht erhält auch ein ziemlich
angetrunkener Student einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle. Und eben
dieser Anrufer hält ihn versehentlich für Traci Jack. Mit diesen eher
unfreiwillig erhaltenen Informationen macht dieser sich mit seinem Kumpel auf,
die besagte Geldtasche aus ihrem Versteck zu holen.
Dabei
sind unsere Studenten allerdings auch nicht gerade die hellsten Kerzen auf der
Torte.Ihnen
fällt nämlich nichts Besseres ein, als mit ihrem neu erbeutetem Reichtum in der
Titty Bar die Sau raus zu lassen, nachdem sie in Panik ihren Wagen geschrottet
haben.
Und
dort hält Ginger gerade die Augen auf, um Kunden mit unverhofften größeren
Geldsegen ausfindig zu machen.
- One Niht Stan's
- Autor: Greg Sisco
- Übersetzung: Madeleine Seither
- ISBN: 978-3-95835-018-2
- Taschenbuch ca. 300 Seiten
- Luzifer Verlag
-
Deutsche
Veröffentlichung: Januar 2015
„Hätte Jeremy warten können, bis Caleb komplett im Auto war, bevor er losfuhr? Klar, bestimmt. Wenn es ihm nichts ausmachte, von Terroristen gefangen genommen und mit einem Schweißbrenner kastriert zu werden.“ (One Night Stan's/Seite 59)
„ONE NIGHT STAND'S“ von Greg Sisco hat irgendwie was von
den Comic-Verfilmungen zu „SIN CITY“. Nur alles eben als wäre man hier auf
Speed. Das allerdings macht die Handlung nicht nur rasant und spannend, sondern
sorgt zudem für so manche komische Situationen, sofern man ein Fan des eher
schwarzen Humor ist.
Denn in der Titty Bar verlieren alle in dieser Nacht die
Kontrolle zwischen anonymen Sex, allzu menschlicher Dummheit und wilder Gewalt.
Allerdings fällt dem Leser vielleicht bald auf, das bei der recht
plakativ-vulgären Sprache die Beschreibung von sexuell expliziten Szenen
geradezu minimalistisch gering ist.
Das meiste in dieser Richtung bleibt daher eher
angedeutet und lebt sich nur in der obszönen Sprache der Protagonisten aus. Und
genau bei den Protagonisten bedient Greg Sisco bewusst jedes erdenkliche
Klischee.
Denn was er abliefern will ist einfach rasanten und
blutigen Trash der wirklich edlen Sorte, in denen er Nerds mal zu Geld kommen
lässt, sie in Liebe zu einer Stripperin durch jedes üble Fettnäpfchen zieht und
so das Ganze mit schmutzigen Fantasien und kriminellen Gewaltorgien würzt.
Einen Knigge in Sachen Wortwahl und Verhalten sollte man
bei den Protagonisten also nicht voraussetzen. Aber wer es rasant, hart,
schlüpfrig, mit einer gewissen Menge an schwarzem Humor liebt und nicht alles
zu ernst nimmt, der dürfte bei „ONE NIGHT STAN'S“ eigentlich nichts falsch
machen.
Durch die recht ansprechenden und eher gut
überschaubaren, kurzen Kapitel, wirkt die Handlung zudem recht rasant
aufgebaut, was auch für die Spannung mehr als förderlich ist. Insgesamt will „ONE
NIGHT STAN'S“ also mit Sicherheit nicht zu ernst genommen werden, aber auch
nicht beliebig jugendfrei dahin plätschern.
Daher wird dieser Thriller vielleicht die Leser wohl
weniger erreichen, die unflexibel immer einen sympathischen Protagonisten mit
langatmigem Tiefgang benötigen, oder eher unglaubwürdige Heldengestalten
suchen, deren Aktivitäten sie auf ihren Moralvorstellungen hin abklopfen können.
Für die hat sich Greg Sisco aber auch nicht ins Zeug
gelegt. Wer aber auf einen Spaß steht, der wie eine Achterbahnfahrt geradewegs
bis in die Hölle führt, der dürfte mit diesem Thriller mit Sicherheit keinen
Fehlgriff getan haben.
Nur sollte man sich hier beeilen, denn beim Luzifer Verlag ist der Roman wohl schon länger vergriffen und eventuell auch bereits
über Amazon nur noch gebraucht eventuell über entsprechende Anbieter
erhältlich.
© by Konrad Wolfram

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