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Sonntag, 12. Juli 2026

Roman: One Night Stan's

One Night Stan's

von Greg Sisco

Scud City in Nevada ist nicht gerade eine Millionenstadt und wohl auch kein Zufluchtsort für Touristen, die auf amerikanische Geschichte stehen.

Dafür hat Scud City einen Straßenstrich, Clubs und anrüchige Bars, die Mafia und auch sonst jede Menge undurchsichtiger Typen. Und eine dieser schäbigen Strip-Clubs ist die Titty Bar von One Night Stan's.

Ja, Scud City ist eine recht sündige kleine Stadt in denen selbst die Cops besser beide Augen schließen sollten, wenn sie nicht Mittelpunkt eines unschönen Blutbades werden wollen.

Und wenn sie mehr sehen wollen als nur ein paar nackte Möpse, die die Mädchen tanzend an der Stange präsentieren, dann treibt es einsame Ehemänner, gelangweilte Cops, düstere Gestalten und betrunkene College-Boys eben in die Titty Bar, sofern sie überhaupt an Russian Bob vorbei kommen.

Eines Abends versucht allerdings der halbseidene Traci Jack eine prall gefüllte Tasche voller Geld durch die Stadt zu schleusen.

Vorher aber lässt er sich noch auf ein kleines Abenteuer mit der schärfsten Braut der Titty Bar ein. Man könnte sagen, ein Fehler beginnt immer mit den besten Aussichten, bevor man merkt, dass man die Zeit leider nicht mehr zurückdrehen kann.

Denn Ginger ist nicht nur eine heiße Stripperin, sondern auch eine etwas – nun sagen wir mal – absonderliche Killerin, die Stan's, der sich gerne auch mal mit Sinatra vergleicht, auf Traci Jack angesetzt hat, um eben an diese Tasche voller Geld zu gelangen.

Nun macht Stan's natürlich kein „Geschäft“ auf eigene Rechnung, dafür aber auf eigenes Risiko, denn ihm im Nacken sitzt ein verdammt übler Mafiosi.

Dumm nur, dass die nymphomane Ginger sexuell so richtig abgeht, wenn sie ihre Kunden so richtig langsam und sadistisch ins Jenseits befördern kann. In Sachen Traci Jack war dies aber leider nicht langsam genug, denn bevor er verraten kann, wo sich der Geldsegen befindet, steht er bereits vor Petrus, um vielleicht doch noch durchs Himmelstor zu gelangen.

Die Situation wird so für Stan's ziemlich übel und da hilft ihm auch nicht sein russischer Türsteher, der aussieht, als könne er jeden anderen in der Luft zerreißen. Denn wenn der üble Mafiosi auftaucht, steht eher die Frage im Raum, wer jetzt gerade der Chef im Laden ist und wer hier die Kommandos erteilt.

In dieser  Nacht erhält auch ein ziemlich angetrunkener Student einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle. Und eben dieser Anrufer hält ihn versehentlich für Traci Jack. Mit diesen eher unfreiwillig erhaltenen Informationen macht dieser sich mit seinem Kumpel auf, die besagte Geldtasche aus ihrem Versteck zu holen.

Dabei sind unsere Studenten allerdings auch nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte.Ihnen fällt nämlich nichts Besseres ein, als mit ihrem neu erbeutetem Reichtum in der Titty Bar die Sau raus zu lassen, nachdem sie in Panik ihren Wagen geschrottet haben.

Und dort hält Ginger gerade die Augen auf, um Kunden mit unverhofften größeren Geldsegen ausfindig zu machen.

  • One Niht Stan's
  • Autor: Greg Sisco
  • Übersetzung: Madeleine Seither
  • ISBN: 978-3-95835-018-2
  • Taschenbuch ca. 300 Seiten
  • Luzifer Verlag
  • Deutsche Veröffentlichung: Januar 2015

„Hätte Jeremy warten können, bis Caleb komplett im Auto war, bevor er losfuhr? Klar, bestimmt. Wenn es ihm  nichts ausmachte, von Terroristen gefangen genommen und mit einem Schweißbrenner kastriert zu werden.“ (One Night Stan's/Seite 59)

„ONE NIGHT STAND'S“ von Greg Sisco hat irgendwie was von den Comic-Verfilmungen zu „SIN CITY“. Nur alles eben als wäre man hier auf Speed. Das allerdings macht die Handlung nicht nur rasant und spannend, sondern sorgt zudem für so manche komische Situationen, sofern man ein Fan des eher schwarzen Humor ist.

Denn in der Titty Bar verlieren alle in dieser Nacht die Kontrolle zwischen anonymen Sex, allzu menschlicher Dummheit und wilder Gewalt. Allerdings fällt dem Leser vielleicht bald auf, das bei der recht plakativ-vulgären Sprache die Beschreibung von sexuell expliziten Szenen geradezu minimalistisch gering ist.

Das meiste in dieser Richtung bleibt daher eher angedeutet und lebt sich nur in der obszönen Sprache der Protagonisten aus. Und genau bei den Protagonisten bedient Greg Sisco bewusst jedes erdenkliche Klischee.

Denn was er abliefern will ist einfach rasanten und blutigen Trash der wirklich edlen Sorte, in denen er Nerds mal zu Geld kommen lässt, sie in Liebe zu einer Stripperin durch jedes üble Fettnäpfchen zieht und so das Ganze mit schmutzigen Fantasien und kriminellen Gewaltorgien würzt.

Einen Knigge in Sachen Wortwahl und Verhalten sollte man bei den Protagonisten also nicht voraussetzen. Aber wer es rasant, hart, schlüpfrig, mit einer gewissen Menge an schwarzem Humor liebt und nicht alles zu ernst nimmt, der dürfte bei „ONE NIGHT STAN'S“ eigentlich nichts falsch machen.

Durch die recht ansprechenden und eher gut überschaubaren, kurzen Kapitel, wirkt die Handlung zudem recht rasant aufgebaut, was auch für die Spannung mehr als förderlich ist. Insgesamt will „ONE NIGHT STAN'S“ also mit Sicherheit nicht zu ernst genommen werden, aber auch nicht beliebig jugendfrei dahin plätschern.

Daher wird dieser Thriller vielleicht die Leser wohl weniger erreichen, die unflexibel immer einen sympathischen Protagonisten mit langatmigem Tiefgang benötigen, oder eher unglaubwürdige Heldengestalten suchen, deren Aktivitäten sie auf ihren Moralvorstellungen hin  abklopfen können.

Für die hat sich Greg Sisco aber auch nicht ins Zeug gelegt. Wer aber auf einen Spaß steht, der wie eine Achterbahnfahrt geradewegs bis in die Hölle führt, der dürfte mit diesem Thriller mit Sicherheit keinen Fehlgriff getan haben.

Nur sollte man sich hier beeilen, denn beim Luzifer Verlag ist der Roman wohl schon länger vergriffen und eventuell auch bereits über Amazon nur noch gebraucht eventuell über entsprechende Anbieter erhältlich.

© by Konrad Wolfram

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