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Dienstag, 7. Juli 2026

Höllischer Verführer

Gespenster-Krimi 202

Höllischer Verführer

von Camilla Brandner

Der junge und äußerst schöne javanische Diener im holländischen Handelshaus der Familie Van Eeghen wird von der hübschen allerdings auch bösen  wie lüsternen Isabella van Eeghen begehrt.

Doch der Diener weist sie stets ab. Dafür lässt Isabella eine lebensgroße Holzfigur von ihm anfertigen, während der Diener indessen selbst plötzlich spurlos verschwindet.

Diese Figur, auch "Silent Companion" genannt, muss nun stets neben dem Stuhl oder nachts in ihrem Schlafzimmer stehen. 

Ob der Diener tot oder geflüchtet ist, weiß niemand, jedoch die Figur aus Holz bleibt und damit auch ein schrecklicher Fluch.

Selbst lange danach, nachdem die junge Margherita von Eeghen den englischen Lord Henry Auburton heiratet und mit ihm im englischen Landsitz Sevenoaks lebt, übt die seltsam schöne hölzerne Statue auf die jungen Frauen der Familie weiterhin eine finstere Faszination aus, welche bald ihr Leben bedroht.

Denn auch der Geist von Isabella lebt weiter in der Nähe der Statue, welche sie immer noch versucht für sich in Liebe entflammen zu lassen. Doch jede lebende Frau, die sich der Statue nähert, findet bald durch Isabella einen grausamen Tod.

Dies muss auch im Jahre 2020 der junge Lord Ellis Auburton erfahren, dessen junge Geliebte Claire Hartley bei einem seltsamen Blitzschlag ums Leben kam, während Ellis selbst zwar wie durch ein Wunder diese Katastrophe überlebte, aber seelisch und gesundheitlich danach kaum noch wiederzuerkennen ist.

Fünf Jahre später kommt dann die junge Restauratorin Loren Emmerick nach Sevenoak, nahe dem Dorf Broadstairs und lernt so Ellis ältere Stiefschwester Rebekka wie auch ihn selbst kennen. Und auch sie bemerkt die seltsamen Vorkommnisse auf dem Landsitz, welche mit der Statue aus Holz zusammenhängen sollen.

Doch Gefahr droht hier nicht nur von Seiten des eifersüchtigen Geist von Isabella. Auch der anglikanische Pfarrer Coombs, welcher es mit dem Glauben nicht ganz so wörtlich nimmt, ist eine ernstzunehmende Gefahr gerade für den jungen aber eben gesundheitlich schwer angeschlagenen Lord Ellis.

Denn Coombs steht unter den Druck des Bischof, welcher mit allen Mitteln den Landsitz Sevenoaks in seinen Besitz bringen will. Und das, wenn es sein muss, auch über der Leiche von Ellis Auburton hinweg.

Doch am Ende wird es offenbar die Liebe von Loren zum Lord sein, welche den Schrecken um den Fluch des Silent Companion aufheben dürfte, welcher auch das Ende des Schreckens durch den Geist von Isabella nach sich zieht, welcher auch bisher auf der Gesundheit von Ellis Auburton lastete.

  • Roman Veröffentlichung: Am 4. Juli 2026
  • Autor: Camilla Btandner
  •  Ein Einzelroman

"Man sagt, dass sie sich in der Nacht auf die Brust setzt. Sie raubt einem den Atem, saugt die Seele durch den Mund. Ich habe es von den Mägden gehört, die im Hause dienten und dann fortliefen. Mariekje konnte ihr nicht entkommen." (Gespenster-Krimi/Band 202, "Höllischer Verführer"/Seite 4)

Der Roman gefällt, da er eine sehr nahbare düstere wie auch romantische Atmosphäre besitzt, welche seine Leser recht schnell mit in die Handlung zieht.

Es ist allerdings die Frage, ob die eigentliche Geschichte dann nach über einem Drittel wirklich im Jahre 2025 spielen muss. Denn sowohl die Handlung als auch der Großteil der Dialoge halten mich als Leser irgendwie eher in der Zeit des 19 Jahrhundert gefangen.

Und so wirkt es auch ein wenig befremdlich, wenn z.B. an einer Stelle der Handlung auf eine Steckleiste mit einem USB-Port hingewiesen wird, man aber auf dem Nachttisch statt einer Lampe immer noch mit Kerzen den Raum beleuchtet (siehe Seite 38).

Aber auch die Todesfälle im ersten Drittel ließen mich als Leser noch eher kalt, was die handelnden weiblichen Figuren mehrerer Generationen im Vorfeld betraf. Denn diese Vorkommnisse durch die Jahrzehnte mit dem Geist von Isabella als finale Gefahr sind leider etwas oberflächlich geraten. So kann man als Leser aber auch keinen inneren Bezug für die jeweiligen Charaktere aufbauen.

Ab dem zweiten Drittel der Handlung, welche dann zumindest seitens der Autorin Camilla Brandner von der Jahreszahl 2020 bis 2025 im Bereich der Gegenwart angesiedelt ist, kann man dann aber auch zu den Figuren wie etwa der jungen Loren oder dem Lord Ellis eine schon tiefergehende Verbindung als Leser aufbauen und so auch entsprechend mitfiebern.

Wie gesagt, das kleinere Manko besteht hier darin, dass sich der Hauptteil der Handlung nicht wirklich liest, als wäre man in England im Jahre 2025. Viel eher könnten die Dialoge und Vorkommnisse auch problemlos eher auf die ländliche Ebene von England der 1920er bis 1940er Jahre (wenn nicht sogar noch früher) passen.

Dieses Manko kratzt aber inhaltlich trotzdem nicht zu stark am Roman und seiner gut ausgearbeiteten dunklen Atmosphäre. Und bei den gut in Szene gesetzten Figuren ab Beginn des zweiten Drittel des Romans stört dies auch nicht erheblich.

Was allerdings dann doch etwas den Lesegenuss am Ende nach unten zieht, ist dieses doch recht überstürzt wirkende Finale, weil scheinbar die normierte Seitenzahl keinen wirklich spannenden Abschluss in Sachen des Geistes der Isabella und auch des durchtriebenen Vikar Coombs mehr zuließ.

Da hätte man im GESPENSTER-KRIMI 202 seitens Camilla Brandner vielleicht doch besser daran getan, eher die Vorgeschichte stark zu straffen, um genügend Raum für das Final und deren spannende Ausarbeitung zu haben.

© by Konrad Wolfram

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