Gespenster-Krimi 202
Höllischer Verführer
von Camilla
Brandner
Der
junge und äußerst schöne javanische Diener im holländischen Handelshaus der
Familie Van Eeghen wird von der hübschen allerdings auch bösen wie lüsternen Isabella van Eeghen begehrt.
Doch
der Diener weist sie stets ab. Dafür lässt Isabella eine lebensgroße Holzfigur
von ihm anfertigen, während der Diener indessen selbst plötzlich spurlos
verschwindet.
Diese Figur, auch "Silent Companion" genannt, muss nun stets neben dem Stuhl oder nachts in ihrem Schlafzimmer stehen.
Ob der Diener tot oder
geflüchtet ist, weiß niemand, jedoch die Figur aus Holz bleibt und damit auch
ein schrecklicher Fluch.
Selbst
lange danach, nachdem die junge Margherita von Eeghen den englischen Lord Henry
Auburton heiratet und mit ihm im englischen Landsitz Sevenoaks lebt, übt die
seltsam schöne hölzerne Statue auf die jungen Frauen der Familie weiterhin eine
finstere Faszination aus, welche bald ihr Leben bedroht.
Denn
auch der Geist von Isabella lebt weiter in der Nähe der Statue, welche sie
immer noch versucht für sich in Liebe entflammen zu lassen. Doch jede lebende
Frau, die sich der Statue nähert, findet bald durch Isabella einen grausamen
Tod.
Dies
muss auch im Jahre 2020 der junge Lord Ellis Auburton erfahren, dessen junge
Geliebte Claire Hartley bei einem seltsamen Blitzschlag ums Leben kam, während
Ellis selbst zwar wie durch ein Wunder diese Katastrophe überlebte, aber
seelisch und gesundheitlich danach kaum noch wiederzuerkennen ist.
Fünf
Jahre später kommt dann die junge Restauratorin Loren Emmerick nach Sevenoak,
nahe dem Dorf Broadstairs und lernt so Ellis ältere Stiefschwester Rebekka wie
auch ihn selbst kennen. Und auch sie bemerkt die seltsamen Vorkommnisse auf dem
Landsitz, welche mit der Statue aus Holz zusammenhängen sollen.
Doch
Gefahr droht hier nicht nur von Seiten des eifersüchtigen Geist von Isabella.
Auch der anglikanische Pfarrer Coombs, welcher es mit dem Glauben nicht ganz so
wörtlich nimmt, ist eine ernstzunehmende Gefahr gerade für den jungen aber eben
gesundheitlich schwer angeschlagenen Lord Ellis.
Denn
Coombs steht unter den Druck des Bischof, welcher mit allen Mitteln den
Landsitz Sevenoaks in seinen Besitz bringen will. Und das, wenn es sein muss,
auch über der Leiche von Ellis Auburton hinweg.
Doch
am Ende wird es offenbar die Liebe von Loren zum Lord sein, welche den
Schrecken um den Fluch des Silent Companion aufheben dürfte, welcher auch das
Ende des Schreckens durch den Geist von Isabella nach sich zieht, welcher auch
bisher auf der Gesundheit von Ellis Auburton lastete.
- Roman Veröffentlichung: Am 4. Juli 2026
- Autor: Camilla Btandner
-
Ein Einzelroman
"Man sagt, dass sie sich in der Nacht auf die Brust setzt. Sie raubt einem den Atem, saugt die Seele durch den Mund. Ich habe es von den Mägden gehört, die im Hause dienten und dann fortliefen. Mariekje konnte ihr nicht entkommen." (Gespenster-Krimi/Band 202, "Höllischer Verführer"/Seite 4)
Der Roman gefällt, da er eine sehr nahbare düstere wie
auch romantische Atmosphäre besitzt, welche seine Leser recht schnell mit in
die Handlung zieht.
Es ist allerdings die Frage, ob die eigentliche
Geschichte dann nach über einem Drittel wirklich im Jahre 2025 spielen muss.
Denn sowohl die Handlung als auch der Großteil der Dialoge halten mich als
Leser irgendwie eher in der Zeit des 19 Jahrhundert gefangen.
Und so wirkt es auch ein wenig befremdlich, wenn z.B. an
einer Stelle der Handlung auf eine Steckleiste mit einem USB-Port hingewiesen
wird, man aber auf dem Nachttisch statt einer Lampe immer noch mit Kerzen den
Raum beleuchtet (siehe Seite 38).
Aber auch die Todesfälle im ersten Drittel ließen mich
als Leser noch eher kalt, was die handelnden weiblichen Figuren mehrerer
Generationen im Vorfeld betraf. Denn diese Vorkommnisse durch die Jahrzehnte
mit dem Geist von Isabella als finale Gefahr sind leider etwas oberflächlich
geraten. So kann man als Leser aber auch keinen inneren Bezug für die jeweiligen
Charaktere aufbauen.
Ab dem zweiten Drittel der Handlung, welche dann
zumindest seitens der Autorin Camilla Brandner von der Jahreszahl 2020 bis 2025
im Bereich der Gegenwart angesiedelt ist, kann man dann aber auch zu den
Figuren wie etwa der jungen Loren oder dem Lord Ellis eine schon tiefergehende
Verbindung als Leser aufbauen und so auch entsprechend mitfiebern.
Wie gesagt, das kleinere Manko besteht hier darin, dass
sich der Hauptteil der Handlung nicht wirklich liest, als wäre man in England
im Jahre 2025. Viel eher könnten die Dialoge und Vorkommnisse auch problemlos
eher auf die ländliche Ebene von England der 1920er bis 1940er Jahre (wenn nicht
sogar noch früher) passen.
Dieses Manko kratzt aber inhaltlich trotzdem nicht zu
stark am Roman und seiner gut ausgearbeiteten dunklen Atmosphäre. Und bei den
gut in Szene gesetzten Figuren ab Beginn des zweiten Drittel des Romans stört
dies auch nicht erheblich.
Was allerdings dann doch etwas den Lesegenuss am Ende
nach unten zieht, ist dieses doch recht überstürzt wirkende Finale, weil
scheinbar die normierte Seitenzahl keinen wirklich spannenden Abschluss in
Sachen des Geistes der Isabella und auch des durchtriebenen Vikar Coombs mehr
zuließ.
Da hätte man im GESPENSTER-KRIMI 202 seitens Camilla
Brandner vielleicht doch besser daran getan, eher die Vorgeschichte stark zu
straffen, um genügend Raum für das Final und deren spannende Ausarbeitung zu
haben.
© by Konrad Wolfram

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