Dr. Morton 78
Lord Morton jagt Dr. Minstoff
von John Ball
Der Roman beginnt mit der betulichen Beschreibung einer Vorstadtidylle. Ein Ehemann findet abends seine Frau und die Putzfrau ermordet und blutig zugerichtet.
In der OF ist das etwas genauer beschrieben: der Ehefrau
war mit einem brachialen Ruck das Genick gebrochen worden (S. 11), die Putzfrau
ist nicht nur ausgeblutet, sondern wurde auch ausgeweidet (S. 10, 15, 20) und
Dr. Minstoff, der Mörder, war dabei in einen wahren Blutrausch geraten (S. 15).
Grimsby hatte sich zuvor frei genommen, um seinem
Verlangen, der Jagd auf junge Mädchen, nachzugehen – denn bisher hat Morton
noch keine geeignete Therapie für ihn gefunden (OF S. 11).
Aufgrund vieler Detailbeobachtungen kommt Grimsby darauf,
dass Dr. Minstoff der Vorstadtmörder sein könnte und will Nachforschungen
anstellen. Man möchte das beruhigte Verhältnis zu Scotland Yard aber nicht
belasten.
Seit Chefinspektor Maugham sich um viele Ermittlungen kümmert, stehen Russel und Quester zurück, was Morton die Möglichkeit verschafft, geheime Versuche unter der Klinik durchzuführen (OF S. 17). Vielleicht könnten die Ergebnisse von Minstoffs Experimenten sogar hilfreich sein (OF S. 17, 20).
- Autor: John Ball, Original-Fassung (OF), Romantruhe, Januar 2022
- Erstveröffentlichung: Jagt Dr. Minstoff, Erstes deutsches Kriminal-Magazin International (KMI) 2. Jg., Nr. 7/77
Dr. Minstoff hält sich für einen unterschätzten
Wissenschaftler, der ein Krebsmittel entwickelt. Er sieht sich die Welt
beherrschen, wenn er Menschen mit dem Mittel infizieren oder vom Krebs heilen
kann.
Dafür nimmt er in Kauf, dass ein paar Hunderte
Versuchspersonen sterben werden. Er hasst Dr. Morton und will ihn töten. In
Soho hat er ein Gebäude angemietet und die Räume als Behandlungszimmer
eingerichtet.
Viele ahnungslose Londoner werden in Parks von ihm
hypnotisiert und mit Drogen gefügig gemacht, sodass sie sich in Minstoffs
„Klinik“ begeben. In der OF heißt es, dass er ihnen die Schädel aufbohrt, ihnen
Gehirnsonden einpflanzt und sie blutigen Versuchen aussetzt, S. 43.
Einige sterben unter schrecklichen Schmerzen, S. 45.
Einer versucht zu entkommen, aber Minstoff schießt ihm mit seinem Jagdgewehr
das Gesicht weg, Hirn und Hautmasse klatschen an die Wand, das Auge platzt mit
hässlichem Knall, S. 46
Minstoff bemerkt, dass Team Morton ihm auf der Spur ist.
In der OF ist ihm klar, dass er erledigt ist, wenn sein Versteck gefunden wird,
S. 48. Im KMI befürchtet er, dass Morton bereits alles an Scotland Yard
gemeldet hat, S. 24.
Einige Versuchspersonen sprechen schlecht auf die
Medikamente an. In der OF stinkt es in den Zimmern nach Fäulnis, Verwesung und
Exkrementen, ein Mann entwickelt rote, eitrige Pusteln und Blasen, eine Frau
hat rote Stellen am Körper und letztendlich ist ihr ganzer Körper
blutunterlaufen und entstellt (S. 49–50).
Minstoff schafft es, Grimsby zu überwältigen. Vaultier
entdeckt Minstoffs Versteck. Bevor man Grimsby befreit, wird Cynthia Barrington
hinzugezogen, um für Rückendeckung zu sorgen (OF S. 54) bzw. im Ernstfall
Scotland Yard zu informieren (KMI S. 26).
Dr. Minstoff hypnotisiert Grimsby und gibt ihm den
Auftrag, Morton zu töten. Beim Showdown am Grosvenor Square kann Grimsby sich
aus der Hypnose lösen und überwältigt Minstoff.
Anschließend gibt es zwei verschiedene Enden des Romans:
KMI: Chefinspektor Maugham und Dr. Morton inspizieren
Minstoffs geheime Versuchsanlage. Minstoff kommt in eine psychiatrische Klinik,
dann ins Zuchthaus. Er stirbt kurz darauf an Nierenkrebs, S. 28–29.
OF: Chefinspektor Maugham und Gerichtsmediziner Baker inspizieren Minstoffs geheime Versuchsanlage. Minstoff ist unauffindbar.
Denn
er befindet sich bereits in Dr. Mortons unterirdischen Gewölben, wo mit ihm
neue Versuchsreihen gestartet werden – Reginald Dee soll eine dringend
benötigte neue Hilfskraft erhalten, S. 59–60.
Dr. Morton und Sir Henry duzen sich im KMI, in der OF
sprechen sie sich mit „Sie“ an.
Als verantwortliche Redaktion ist im KMI-Impressum
„Presse Bild Ton“ angeführt. Unter diesem Label wurden zur gleichen Zeit
pornografische Geschichten und Bildromane im Taschenbuchformat veröffentlicht,
die ausschließlich in Pornoläden oder über Direktversand erhältlich waren.
(Abbildungen: KMI 7/77 und Sex-Love-Story – Familien-Saga Nr. 246.)
Das KMI hat die Größe eines aufgeklappten Heftromans im
Hochformat, 32 Seiten plus einen vierfarbigen Umschlag. Auf 10 Seiten gibt es
Artikel für sensationslüsterne Leser – Clickbait 1970er-Style.
Das KMI-Cover zeigt Kieron Moore und Janette Scott in
„Crack in the world“ (Ein Riß in der Welt) von 1964. Das Foto hat weder Bezug
zum Roman noch wird es im Heft erwähnt. Das Titelbild der OF ist eine Collage aus Der Lord Nr. 34
und Sandra King Nr. 46.
© by Helge Ebsen


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