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Mittwoch, 3. Juni 2026

Das achte Opfer

Das achte Opfer

von Matt Shaw

Es ist schon kein guter Start, wenn man laufend die Schule wechseln muss, weil der Beruf des Vaters die Familie zwingt, ständig umziehen zu müssen.

Und richtig gemein wird es, wenn man in der Klasse, in die man dann kommt, gleich zum Opfer für Mobbing und Gewalt wird, nur weil einem deine Nase im Gesicht nicht passt, oder er einfach die Farbe deiner Sportschuhe nicht leiden kann.

David Barlow kann davon ein Lied singen, als er den neuen Mitschüler in ihre gemeinsame Klasse führt. Denn David ist nicht nur nett und freundlich, sondern hat auch eine ausgeprägte homosexuelle Veranlagung.

Und das reicht bei dem gewalttätigen Mitschüler Piers und seiner Gang, David zu demütigen und zu misshandeln.

Und da der neue Mitschüler sich für David einsetzt, gerät auch er an der neuen Schule gleich auf die Posiition eines neuen Mobbingopfers, welches man erniedrigen und bis aufs Blut quälen kann.

Und diese Grausamkeiten von Piers kennen keine Grenzen. Egal ob man auf ein Opfer einschlägt oder es an der ganzen Schule bloßstellen kann.

 Aber auch die Klassenschönheit Rebecca Clark steht Piers hier in nichts nach. Denn sie kennt in der Schule nur "Fickfreunde" und keine wirkliche Beziehung. Und so wird von ihr David und der neue Mitschüler zu einer Party eingeladen, wo sie die Wogen angeblich zwischen ihnen und Piers wieder glätten will.

David weiß, mit welcher falschen Schlange er es hier zu tun hat. Nur der Neue geht noch recht naiv auf das Angebot ein und wird prompt an diesem Abend durch ein Handy-Video an der gesamten Schule  in einer verfänglichen Situation bloßgestellt.

Als David sich aufgrund der sich steigernden Brutalität und wegen der fehlenden Hilfe durch die Schulleitung und dem Lehrpersonal selbst das Leben nimmt, greift der neue Schüler zur Vergeltung.

Und so löst die letzte Tat von Piers und seinen Mitläufern eine unkontrollierbare Rache des neuen Mitschülers aus, der mit der Waffe seines Vaters alle die in seiner Klasse bestrafen will, welche an den Misshandlungen in der einen wie der anderen Art beteiligt waren, und das egal ob Schüler oder Lehrer.

Und er sieht hinter sich die Unterstützung von nicht weniger als sieben Opfern, die durch Mobbing und Gewalt bereits in den letzten Jahren an dieser Schule aus Verzweiflung einen Ausweg durch Selbstmord gesucht hatten.

Doch es ist auch eine stumme Anklage gegen Eltern, die ihre eigenen Kinder nicht verstehen wollen oder sich bei Warnzeichen blind stellen. Aber auch Lehrkräfte, die den mobbenden Schülern in nichts nachstehen, wenn es darum geht ungeliebte Schüler durch ihr Verhalten sowie verbal zu peinigen.

  • Das achte Opfer
  • Autor: Matt Shaw
  • Festa-Extrem-Reihe ohne ISBN
  • Paperback ca. 128 Seiten
  • Festa Verlag
  • Deutsche Erstausgabe: April 2026

> "Du bist ein Psycho." "Nein, bin ich nicht. Ich bin ein Produkt meines Umfelds. Alle, die hier sitzen, haben mich dazu gemacht." < (Klappentext-Rückseite)

Gleich zur Erklärung: Die zentrale Figur in dieser Novelle ist nicht David Barlow, sondern der neue Schüler, dessen Namen wir weder zu Beginn noch am Ende erfahren werden. Dafür aber wird uns die Handlung aus seiner persönlichen Perspektive erzählt.

Dabei hat er durchaus auch manchmal Zweifel, ob dieser rigorose Weg der Rache, den er mit der Waffe seines Vaters eingeschlagen hat, wirklich der richtige ist. Doch einmal diesen Weg beschritten, gibt es keine Chance für einen Rückzieher mehr.

Denn Hilfe wird man gegen diesen Terror weder von den eigenen Eltern noch von den Lehrkräften bekommen. Und so beginnt in der Klasse schnell ein nicht mehr aufzuhaltender Strudel aus Strafe, Selbstjustiz und Tod, bei dem die Täter nicht selten ihre eigene unmenschliche Medizin zu kosten bekommen.

Und dabei sind es im Geiste auch die sieben ehemaligen Opfer, welche hier dem Rächer moralisch den Rücken stärken.

Der Autor Matt Shaw selbst hält in seinem Vorwort zu dieser Novelle aus der Festa-Extrem-Reihe fest, dass er kein Befürworter von Konfliktlösungen durch Gewalt ist.

Aber wo keine Hilfe zu erhalten ist und nur noch die persönliche Kapitulation vor dem Terror droht, bekommt man unwillkürlich als Leser durchaus Verständnis für den Akt der Selbstjustiz des Schülers.

Denn wenn man sieht, wie die Mitschüler ihren Opfern auflauern um diese dann bis aufs Blut zu quälen, und wenn man dann noch sieht, wie sowohl bei den Eltern als auch den Lehrkräften nicht nur Hilflosigkeit, sondern in ihrem Verhalten eine ganz eigene Form der Mittäterschaft erwächst, bleibt so manchen jungen Menschen kein Ausweg mehr als den Freitod zu wählen oder die Rache in die eigenen Hände zu nehmen.

Mit rund 128 Seiten erlaubt der Autor Matt Shaw der Handlung dabei nicht, durch Ausschweifungen diesen glaubwürdigen Schrecken zu verwässern. Und ebenso werden die Qualen und die Verachtung gegenüber den Opfern nicht durch Beschönigungen bzw. Handwerkliche Winkelzüge abgeschwächt. Beides sorgt so dafür, dass die Veröffentlichung in der Festa-Extrem-Reihe durchaus berechtigt ist.

In jedem Fall ist es Horror der schlimmsten Art, denn er zeigt junge Menschen in schier ausweglosen Situationen, welche durchweg jederzeit real werden könnten. 

Und wenn dies passiert, kann daraus ein Abgrund aus Grausamkeit, Blut und Gewalt entstehen, bei der am Ende nur die Frage stehen wird, was man hätte im Vorfeld tun müssen, um es nicht zu einer solchen Katastrophe kommen zu lassen.

Denn wo keine Hilfe mehr zu erwarten ist, wird das Gewaltmonopol eines Gesellschaftssystems eigentlich zur hohlen Phrase.

 © by Konrad Wolfram

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