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Freitag, 1. Mai 2026

Roman: A Head Full of Ghosts

A Head Full of Ghosts  

Ein Exorzismus

von Paul Tremplay

Die Barretts könnten glatt eine dieser typischen amerikanischen Vorzeigefamilien sein. Wohl gemerkt sie könnten, sie sind es aber nicht. 

Der Vater ist, seit die Spielzeugfirma dicht gemacht hatte, arbeitslos und eigentlich lebt die Familie seit dieser Zeit von dem, was die Mutter in ihrem Job verdient.

Hinzu kommen die Schwierigkeiten mit ihrer ältesten Tochter, dessen Verhalten über das hinausgeht, was man bei Teenagern eigentlich bereits erwarten dürfte.

Eigentlich liebt die achtjährige Merry ihre vierzehnjährige Schwester Marjorie abgöttisch.

 Gemeinsam hängen sie manchmal über den Bilderbüchern von Merry, erfinden kleine neue Geschichten zu den Figuren oder zeichnen auch neue Figuren in die Bücher.

Doch seit einiger Zeit wird das Verhalten von Marjorie immer problematischer. Ihr Verhalten wird immer merkwürdiger und für die Eltern zusehends unerträglich. Einher geht dies mit plötzlicher Übelkeit und das sie anfängt in verschiedenen Tonlagen zu sprechen. Manchmal bekommt sie Schreianfälle, hört Stimmen in ihrem Kopf und scheint gar zu Gewalttätigkeiten zu neigen.

Marjorie zeigt damit alle Anzeichen einer psychischen Störung, welche die Barretts mit Hilfe eines Psychologen in den Griff zu bekommen hoffen. Auch Merry, die ihre ältere Schwester nach wie vor liebt, bekommt langsam Angst vor ihr.

Denn Marjorie erzählt ihr nun keine lustigen Geschichten mehr, dafür jedoch solche, die dem kleinen Mädchen Angst machen. An anderen Tagen scheint Marjorie dann wieder fasst normal und nennt ihre kleine Schwester dann auch liebevoll "Miss Merry".

Da die ärztliche Hilfe nicht schnell genug zu fruchten scheint, wie man es gerne hätte, beschließt ihr Vater statt zum Psychologen mit Marjorie zum katholischen Pater Wanderly zu gehen.

Denn seit er arbeitslos ist, versinkt der Vater immer mehr in einen tiefen religiösen Fanatismus, weshalb er zu glauben beginnt, dass seine älteste Tochter vom Bösen selbst besessen ist.

Da auch die Behandlungskosten den Barretts langsam über den Kopf wachsen, kommt es ihnen daher gerade gelegen, dass Pater Wanderly mit dem Fernsehen Kontakt aufgenommen hat.

Die bessern nun nicht nur die Kasse der Familie auf, sondern planen auch direkt eine neue Reality-Serie für den Discovery Channel unter dem Titel "Besessen". Der Höhepunkt soll ein Exorzimus an Marjorie sein, der sie von der bösen Macht eines Dämons befreien soll.

Während ihr Vater mit Pater Wanderly alles daran setzt, von der Kirche die Genehmigung für einen Exorzismus zu erhalten, merkt niemand, wie die gesamte Familie immer mehr auf einen erschreckenden Abgrund zusteuert, an dessen Ende sowohl weiteres Leid als auch der Tod stehen könnte, oder ist der Abstieg in den erschreckenden Wahnsinn doch noch zu stoppen?

  • A Head Full of Ghost - Ein Exorzismus
  • Autor: Paul Tremplay
  • Hardcover ca. 400 Seiten
  • Übersetzung: Manfred Sanders
  • ISBN: 978-3-86552-659-5 (Verlagsvergriffen)
  • Verlag: Festa
  • Verlagsreihe: Festa Must Read/Erstausgabe 2018

„Sie schrie, wie ich noch nie jemanden habe schreien hören, vorher nicht und nachher nicht. Ihre hyperaktive Stimmlage war mehrschichtig und Schizophren, sie implodierte zu einer Singularität und wurde dann zum Urknall, der expandierte und über alles und jedem explodierte“ (A Head Full of Ghost - Ein Exorzismus/ Seite 73)

Der Roman „A HEAD FULL OF GHOSTS - EIN EXORZISMUS“ erzählt eigentlich die Geschichte der vierzehnjährigen Marjorie aus dem Blickwinkel der kleineren Schwester Merry, die erste Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, an der scheinbar die Mediziner als auch die Eltern hilflos kapitulieren.

Statt Hilfe greift man zu religiöser Unterstützung seitens der Kirche, die in einem Exorzismus gipfelt, welcher sogar aus finanziellen Gründen bald als Show live im Fernsehen ausgeschlachtet wird.

Dabei baut sich der Roman selbst auf drei Ebenen auf. Die erste Ebene liegt in der Gegenwart, 15 Jahre nach den eigentlichen Ereignissen. Hier gibt die erwachsene Merry ein Interview der Autorin Rachel über die damaligen Vorkommnisse.

Die zweite Ebene, welche den größten Raum einnimmt, führt uns in die Erinnerungen der damals achtjährigen Merry und den Vorkommnissen um Marjorie samt der sich aufbauenden Spirale des Schreckens. Die dritte Ebene sind indessen die Blockeinträge seitens Merry im Internet.

Für den Leser wirkt es dabei zuerst etwas, als wenn man hier ein wenig Zeit erhält, um Luft zu holen und gefühlsmaßig wieder etwas herunter zu kommen. Doch Vorsicht, dieser Glaube ist bei der Art, wie Paul Tremblay seine Sätze förmlich zelebriert, eher trügerischer Natur.

Denn der Autor Paul Tremplay schafft es, die Spannungsschraube unmerklich aber rücksichtslos immer weiter nach oben zu schrauben, um am Ende mit einer überraschenden Wendung zu punkten, welche seine Leser auch noch einige Zeit danach nicht loslassen dürfte. Allerdings sollte man hier auch nicht erwarten, hier einfach eine andere Version von „DER EXORZIST“ von William Peter Blatty in Händen zu halten.

Schließlich kann alles was hier passiert auch durchaus rational erklärt werden. Und hier liegt der eigentliche Horror von „A HEAD FULL OF GHOSTS - EIN EXORZISMUS“. Der Autor Stephen King sagt zu diesem Roman nicht umsonst, dass dieser ihm eine höllische Angst gemacht habe.

Denn in dem Roman von Tremplay scheint alles aus dem Ruder zu laufen und als Leser möchte man eigentlich irgendwann selbst in die Handlung einsteigen, um die eine nahende Katastrophe zu verhindern, die sich unweigerlich wie eine Raubkatze mit jeder weiteren Seite anschleicht.

Allerdings sollte man hierbei keinen Schrecken mit dem Holzhammer erwarten, welcher hier sicherlich der sich immer erschreckender aufbauende Atmosphähre der Handlung zuwider gelaufen wäre.

Denn Tremplay gelingt es hier perfekt den Leser tief in die Abgründe mit hinab zu ziehen, denen man sich dann sogar selbst hilflos ausgesetzt sieht. Von mir gibt es hierzu in jedem Fall eine absolute Leseempfehlung.

Wer also noch antiquarisch an dieses Buch gelangen kann, sollte unbedingt hierbei zuschlagen. Leser die der englischen Sprache mächtig sind, können aber auch problemlos über Amazon an die englische Originalausgabe herankommen.

© by Konrad Wolfram

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