A Head Full of Ghosts
Ein Exorzismus
von Paul Tremplay
Die Barretts könnten glatt eine dieser typischen amerikanischen Vorzeigefamilien sein. Wohl gemerkt sie könnten, sie sind es aber nicht.
Der Vater ist, seit die Spielzeugfirma dicht gemacht hatte,
arbeitslos und eigentlich lebt die Familie seit dieser Zeit von dem, was die
Mutter in ihrem Job verdient.
Hinzu kommen die Schwierigkeiten mit ihrer ältesten
Tochter, dessen Verhalten über das hinausgeht, was man bei Teenagern eigentlich
bereits erwarten dürfte.
Eigentlich liebt die achtjährige Merry ihre vierzehnjährige Schwester Marjorie abgöttisch.
Gemeinsam hängen sie manchmal über den Bilderbüchern von Merry, erfinden kleine neue Geschichten zu den Figuren oder zeichnen auch neue Figuren in die Bücher.Doch seit einiger Zeit wird das Verhalten von Marjorie immer
problematischer. Ihr Verhalten wird immer merkwürdiger und für die Eltern
zusehends unerträglich. Einher geht dies mit plötzlicher Übelkeit und das sie
anfängt in verschiedenen Tonlagen zu sprechen. Manchmal bekommt sie
Schreianfälle, hört Stimmen in ihrem Kopf und scheint gar zu Gewalttätigkeiten
zu neigen.
Marjorie zeigt damit alle Anzeichen einer psychischen
Störung, welche die Barretts mit Hilfe eines Psychologen in den Griff zu
bekommen hoffen. Auch Merry, die ihre ältere Schwester nach wie vor liebt,
bekommt langsam Angst vor ihr.
Denn Marjorie erzählt ihr nun keine lustigen Geschichten
mehr, dafür jedoch solche, die dem kleinen Mädchen Angst machen. An anderen
Tagen scheint Marjorie dann wieder fasst normal und nennt ihre kleine Schwester
dann auch liebevoll "Miss Merry".
Da die ärztliche Hilfe nicht schnell genug zu fruchten
scheint, wie man es gerne hätte, beschließt ihr Vater statt zum Psychologen mit
Marjorie zum katholischen Pater Wanderly zu gehen.
Denn seit er arbeitslos ist, versinkt der Vater immer
mehr in einen tiefen religiösen Fanatismus, weshalb er zu glauben beginnt, dass
seine älteste Tochter vom Bösen selbst besessen ist.
Da auch die Behandlungskosten den Barretts langsam über
den Kopf wachsen, kommt es ihnen daher gerade gelegen, dass Pater Wanderly mit
dem Fernsehen Kontakt aufgenommen hat.
Die bessern nun nicht nur die Kasse der Familie auf,
sondern planen auch direkt eine neue Reality-Serie für den Discovery Channel
unter dem Titel "Besessen". Der Höhepunkt soll ein Exorzimus an
Marjorie sein, der sie von der bösen Macht eines Dämons befreien soll.
Während ihr Vater mit Pater Wanderly alles daran setzt,
von der Kirche die Genehmigung für einen Exorzismus zu erhalten, merkt niemand,
wie die gesamte Familie immer mehr auf einen erschreckenden Abgrund zusteuert,
an dessen Ende sowohl weiteres Leid als auch der Tod stehen könnte, oder ist
der Abstieg in den erschreckenden Wahnsinn doch noch zu stoppen?
- A Head Full of Ghost - Ein Exorzismus
- Autor: Paul Tremplay
- Hardcover ca. 400 Seiten
- Übersetzung: Manfred Sanders
- ISBN: 978-3-86552-659-5 (Verlagsvergriffen)
- Verlag: Festa
-
Verlagsreihe:
Festa Must Read/Erstausgabe 2018
„Sie schrie, wie ich noch nie jemanden habe schreien hören, vorher nicht und nachher nicht. Ihre hyperaktive Stimmlage war mehrschichtig und Schizophren, sie implodierte zu einer Singularität und wurde dann zum Urknall, der expandierte und über alles und jedem explodierte“ (A Head Full of Ghost - Ein Exorzismus/ Seite 73)
Der Roman „A HEAD FULL OF GHOSTS - EIN EXORZISMUS“
erzählt eigentlich die Geschichte der vierzehnjährigen Marjorie aus dem
Blickwinkel der kleineren Schwester Merry, die erste Anzeichen einer
Geisteskrankheit zeigt, an der scheinbar die Mediziner als auch die Eltern
hilflos kapitulieren.
Statt Hilfe greift man zu religiöser Unterstützung
seitens der Kirche, die in einem Exorzismus gipfelt, welcher sogar aus
finanziellen Gründen bald als Show live im Fernsehen ausgeschlachtet wird.
Dabei baut sich der Roman selbst auf drei Ebenen auf. Die
erste Ebene liegt in der Gegenwart, 15 Jahre nach den eigentlichen Ereignissen.
Hier gibt die erwachsene Merry ein Interview der Autorin Rachel über die
damaligen Vorkommnisse.
Die zweite Ebene, welche den größten Raum einnimmt, führt
uns in die Erinnerungen der damals achtjährigen Merry und den Vorkommnissen um
Marjorie samt der sich aufbauenden Spirale des Schreckens. Die dritte Ebene
sind indessen die Blockeinträge seitens Merry im Internet.
Für den Leser wirkt es dabei zuerst etwas, als wenn man
hier ein wenig Zeit erhält, um Luft zu holen und gefühlsmaßig wieder etwas
herunter zu kommen. Doch Vorsicht, dieser Glaube ist bei der Art, wie Paul
Tremblay seine Sätze förmlich zelebriert, eher trügerischer Natur.
Denn der Autor Paul Tremplay schafft es, die
Spannungsschraube unmerklich aber rücksichtslos immer weiter nach oben zu
schrauben, um am Ende mit einer überraschenden Wendung zu punkten, welche seine
Leser auch noch einige Zeit danach nicht loslassen dürfte. Allerdings sollte
man hier auch nicht erwarten, hier einfach eine andere Version von „DER
EXORZIST“ von William Peter Blatty in Händen zu halten.
Schließlich kann alles was hier passiert auch durchaus
rational erklärt werden. Und hier liegt der eigentliche Horror von „A HEAD FULL
OF GHOSTS - EIN EXORZISMUS“. Der Autor Stephen King sagt zu diesem Roman nicht
umsonst, dass dieser ihm eine höllische Angst gemacht habe.
Denn in dem Roman von Tremplay scheint alles aus dem
Ruder zu laufen und als Leser möchte man eigentlich irgendwann selbst in die
Handlung einsteigen, um die eine nahende Katastrophe zu verhindern, die sich
unweigerlich wie eine Raubkatze mit jeder weiteren Seite anschleicht.
Allerdings sollte man hierbei keinen Schrecken mit dem
Holzhammer erwarten, welcher hier sicherlich der sich immer erschreckender
aufbauende Atmosphähre der Handlung zuwider gelaufen wäre.
Denn Tremplay gelingt es hier perfekt den Leser tief in
die Abgründe mit hinab zu ziehen, denen man sich dann sogar selbst hilflos
ausgesetzt sieht. Von mir gibt es hierzu in jedem Fall eine absolute
Leseempfehlung.
Wer also noch antiquarisch an dieses Buch gelangen kann,
sollte unbedingt hierbei zuschlagen. Leser die der englischen Sprache mächtig
sind, können aber auch problemlos über Amazon an die englische Originalausgabe
herankommen.
© by Konrad Wolfram

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