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Dienstag, 5. August 2025

Der Galgenbaum der bösen Geister

Gespenster-Krimi 178

Der Galgenbaum der bösen Geister

von Earl Warren (Walter Appel)

1786 in Frankreich: Artoir de Roncallon ist eher ein Monster als ein Adeliger und vergewaltigt die junge wie schöne Geraldine Trevignac vor den Augen ihres kleinen Sohnes auf dem eigenen Hof.

Das dies ihren vom Feld zurückkehrenden Ehemann Armand bis aufs Blut reizen würde, ist nur offensichtlich. Und so erschlägt dieser Artoir mit dem Beil.

Doch die Rache der anderen Brüder, Luis und Richard de Roncallon folgt quasi auf den Fuß. Denn sie foltern Armand drei Tage lang und mauern Geraldine samt ihrem kleinen Sohn aus purer Rache im Schlosskerker lebendig ein.

Doch bevor sie Armand zum Schluss an der großen Ulme im Schlossgarten hängen, hatte dieser einen Pakt mit Satan selbst geschlossen, um die Familie Roncallon auf ewig zu verfluchen. Und der Fluch zwingt sie nun in jeder Generation das jeweils erstgeborene Kind unter dem Galgenbaum dem Teufel selbst zu opfern.

Gegenwart, London: Stephen Roncallon ist Verleger und Ehemann der hübschen wie resoluten Anne. Und ihr Glück könnte perfekt sein, denn sie haben auch bereits einen dreijährigen Sohn mit Namen Paul.

Doch dann zwingt ein Familienunglück ihn und seine Familie zurück nach Frankreich. Denn seine erst 21-jährige Schwester Blanche ist völlig unerwartet an weinem Herzstillstand verstorben.

Doch die Stimmung auf dem Schloss der Familie ist mehr als nur von Trauer gezeichnet und Anne fällt auf, das auch Stephen neben seinen weiteren Geschwistern, seinem Bruder Didier und der jüngsten Schwester Catherine samt seinem Vater Jean Roncallon offenbar ein dunkles Geheimnis hüten. Hat dies etwa etwas mit dem damaligen Tod seines älteren Bruders Francois zu tun, der nur zwei Jahre alt werden durfte?

In der Nacht dann erfährt Anne von dem grausamen Fluch der nun ihren kleinen Sohn in Gefahr bringt, geopfert zu werden. Und Stephen gerät in eine schmerzhafte Begegnung mit dem Geist der Weißen Frau auf dem Schloss. Doch auch der Versuch, den kleinen Paul zurück nach England zu schaffen, misslingt. Denn der Fluch schlägt unbarmherzig zu und bedroht das Leben aller Roncallons.

Anne ahnt, das sie hier nur mit der Hilfe ihres Bruders Frank Weston, der ebenfalls auf dem Schloss eingetroffen ist und wohl ein Auge auf die hübsche Catherine geworfen hat, dem dunklen Schrecken ein Ende setzen muss. Kann sie dabei vielleicht sogar auf Hilfe vom Geist der Weißen Frau hoffen?

Zumindest scheint ihr die Zeit davon zu laufen, um das Leben der Familie vor dem Fluch zu retten. Denn für sie kommt die Opferung ihres eigenen Kindes unter dem Galgenbaum um keinen Preis in Frage.

Doch dem kleinen Paul droht nicht nur Gefahr seitens des satanischen Fluchs, sondern auch von seinem Onkel Didier, der nur sein Überleben im Sinn hat. Egal wer dafür von der Familie über die Klinge springen muss.

  • Erschienen am 2. August 2025
  • Ein Roman von Earl Warren (Walter Appel)
  • Grusel-Klassiker/Neuauflage
  • Erstveröffentlichung: Vampir-Horror-Roman, 1977/Band 239
„Armand Trevignac bebte vor Zor und brachte kein Wort heraus. Aus dem Schlafzimmer, deren Tür nur angelehnt war, drang das verzweifelte Schluchzen seiner Frau. Leise nur, wie das Wimmern eines Tieres. Travignac war es, als zerberste etwas in seiner Brust.“ (Gespenster-Krimi/Band 178, "Der Galgenbaum der bösen Geister"/Seite 2)

„DER GALGENBAUM DER BÖSEN GEISTER“ ist wie gesagt wieder einmal ein Grusel-Klassiker des Autors Earl Warren, der bürgerlich auf den Namen Walter Appel hört. Wer aber nun mit dem vorliegenden Titel des „GESPENSTER-KRIMI 178“ auf die Suche nach einer früheren Veröffentlichung geht, der dürfte erst einmal einige Schwierigkeiten zu überwinden haben.

Denn der Roman erschien als Erstveröffentlichung in der Reihe „VAMPIR-HORROR-ROMAN“ (VHR) als Band 239 des Pabel Verlag im Jahre 1977 unter dem schönen Titel „DER FLUCH DER RONCALLONS“.

Damit nicht genug, erschien der Roman dann späterhin nochmals in der Reihe „GEISTER-SCHOCKER“ als Band 9 im Oktober 2003 im Vertrieb der Romantruhe.

Hier allerdings trug der Roman dann den Titel „IM HORRORSCHLOSS DES TODESGRAFEN“. Dafür hat der Roman aber jetzt endlich ein zur Handlung passendes und optisch ansprechendes Cover  im aktuellen „GESPENSTER-KRIMI“ erhalten.

Was man so manchen alten Einzelromanen und hier besonders auch dem Autor Walter Appel/Earl Warren immer wieder hoch anrechnen muss, ist aber schon mal der Umstand, dass am Ende nicht einfach ein magisches Kreuz, ein ebenso magisches Amulett oder die typischen Silberkugeln dem Schrecken mal flott ein eventuell schon spannungsfreies Ende setzen dürfen, wie man es von diversen Serienhelden der Gruselromane her ja kennt. 

Das hält jedenfalls die Spannung auch über den finalen Teil der Handlung hinweg dann auf einem recht positiven Niveau.

Walter Appel gehört dabei sogar auch zu den wenigen Autoren, dessen Romane nun auch Jahrzehnte später immer noch spannend zu lesen sind, ohne altbacken zu wirken. Leider tritt aber auch er hier in ein paar kleine Fettnäpfchen.

So rasselt der Geist der skelettierten Weißen Frau des Nachts auch mit den Ketten in den dunklen Gängen des Schloss und im finalen Teil taucht sogar ein Dämon mit Hörnern, Pferdehufen und einem Dreizack in den Händen auf.

Diese Beschreibungen hatten mich dann doch in Sachen Kopfkino eher zum schmunzeln angeregt. Denn sie wirken wie aus einer Kinderbuch-Gruselgeschichte etwa wie Hui Buh das Schlossgespenst. Allerdings kann man dies bei dem vorliegenden Roman eher als kleinen und nicht beachtenswerten Ausrutscher verbuchen. Zumal der Roman selbst schon mit einem recht heftigen wie spannenden Einstieg punkten kann.

Und während man locker mit den jeweiligen sympathischen Figuren des Roman mitfiebern kann, ist es hier gerade Didier Roncallon, der so schön unsympathisch mit jedem seiner Auftritte daher kommt, das es schon eine wahre Freude ist, ihn als schmierigen bösen Buben so richtig hassen zu können.

Insgesamt ist der Roman daher trotz seines Alters auch heute noch ein perfektes wie spannendes Lesevergnügen und damit recht zeitlos statt altbacken.

 © by Konrad Wolfram

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