Gespenster-Krimi 178
Der Galgenbaum der bösen Geister
von Earl Warren (Walter Appel)
1786 in Frankreich: Artoir de Roncallon ist eher ein
Monster als ein Adeliger und vergewaltigt die junge wie schöne Geraldine
Trevignac vor den Augen ihres kleinen Sohnes auf dem eigenen Hof.
Das dies ihren vom Feld zurückkehrenden Ehemann Armand bis aufs Blut reizen würde, ist nur offensichtlich. Und so erschlägt dieser Artoir mit dem Beil.
Doch die Rache der anderen Brüder, Luis und Richard
de Roncallon folgt quasi auf den Fuß. Denn sie foltern Armand drei Tage lang
und mauern Geraldine samt ihrem kleinen Sohn aus purer Rache im Schlosskerker
lebendig ein.
Doch bevor sie Armand zum Schluss an der großen Ulme
im Schlossgarten hängen, hatte dieser einen Pakt mit Satan selbst geschlossen,
um die Familie Roncallon auf ewig zu verfluchen. Und der Fluch zwingt sie nun
in jeder Generation das jeweils erstgeborene Kind unter dem Galgenbaum dem
Teufel selbst zu opfern.
Gegenwart, London: Stephen Roncallon ist Verleger
und Ehemann der hübschen wie resoluten Anne. Und ihr Glück könnte perfekt sein,
denn sie haben auch bereits einen dreijährigen Sohn mit Namen Paul.
Doch dann zwingt ein Familienunglück ihn und seine
Familie zurück nach Frankreich. Denn seine erst 21-jährige Schwester Blanche
ist völlig unerwartet an weinem Herzstillstand verstorben.
Doch die Stimmung auf dem Schloss der Familie ist
mehr als nur von Trauer gezeichnet und Anne fällt auf, das auch Stephen neben
seinen weiteren Geschwistern, seinem Bruder Didier und der jüngsten Schwester
Catherine samt seinem Vater Jean Roncallon offenbar ein dunkles Geheimnis
hüten. Hat dies etwa etwas mit dem damaligen Tod seines älteren Bruders
Francois zu tun, der nur zwei Jahre alt werden durfte?
In der Nacht dann erfährt Anne von dem grausamen
Fluch der nun ihren kleinen Sohn in Gefahr bringt, geopfert zu werden. Und
Stephen gerät in eine schmerzhafte Begegnung mit dem Geist der Weißen Frau auf
dem Schloss. Doch auch der Versuch, den kleinen Paul zurück nach England zu
schaffen, misslingt. Denn der Fluch schlägt unbarmherzig zu und bedroht das
Leben aller Roncallons.
Anne ahnt, das sie hier nur mit der Hilfe ihres
Bruders Frank Weston, der ebenfalls auf dem Schloss eingetroffen ist und wohl
ein Auge auf die hübsche Catherine geworfen hat, dem dunklen Schrecken ein Ende
setzen muss. Kann sie dabei vielleicht sogar auf Hilfe vom Geist der Weißen
Frau hoffen?
Zumindest scheint ihr die Zeit davon zu laufen, um
das Leben der Familie vor dem Fluch zu retten. Denn für sie kommt die Opferung
ihres eigenen Kindes unter dem Galgenbaum um keinen Preis in Frage.
Doch dem kleinen Paul droht nicht nur Gefahr seitens
des satanischen Fluchs, sondern auch von seinem Onkel Didier, der nur sein
Überleben im Sinn hat. Egal wer dafür von der Familie über die Klinge springen
muss.
- Erschienen am 2. August 2025
- Ein Roman von Earl Warren (Walter Appel)
- Grusel-Klassiker/Neuauflage
-
Erstveröffentlichung: Vampir-Horror-Roman, 1977/Band 239
„Armand Trevignac bebte vor Zor und brachte kein Wort heraus. Aus dem Schlafzimmer, deren Tür nur angelehnt war, drang das verzweifelte Schluchzen seiner Frau. Leise nur, wie das Wimmern eines Tieres. Travignac war es, als zerberste etwas in seiner Brust.“ (Gespenster-Krimi/Band 178, "Der Galgenbaum der bösen Geister"/Seite 2)
„DER GALGENBAUM DER BÖSEN
GEISTER“ ist wie gesagt wieder einmal ein Grusel-Klassiker des Autors Earl
Warren, der bürgerlich auf den Namen Walter Appel hört. Wer aber nun mit dem
vorliegenden Titel des „GESPENSTER-KRIMI 178“ auf die Suche nach einer früheren
Veröffentlichung geht, der dürfte erst einmal einige Schwierigkeiten zu
überwinden haben.
Denn der Roman erschien als
Erstveröffentlichung in der Reihe „VAMPIR-HORROR-ROMAN“ (VHR) als Band 239 des
Pabel Verlag im Jahre 1977 unter dem schönen Titel „DER FLUCH DER RONCALLONS“.
Damit nicht genug, erschien der
Roman dann späterhin nochmals in der Reihe „GEISTER-SCHOCKER“ als Band 9 im
Oktober 2003 im Vertrieb der Romantruhe.
Hier allerdings trug der Roman dann den Titel „IM HORRORSCHLOSS DES TODESGRAFEN“. Dafür hat der Roman aber jetzt endlich ein zur Handlung passendes und optisch ansprechendes Cover im aktuellen „GESPENSTER-KRIMI“ erhalten.
Was man so manchen alten Einzelromanen und hier besonders auch dem Autor Walter Appel/Earl Warren immer wieder hoch anrechnen muss, ist aber schon mal der Umstand, dass am Ende nicht einfach ein magisches Kreuz, ein ebenso magisches Amulett oder die typischen Silberkugeln dem Schrecken mal flott ein eventuell schon spannungsfreies Ende setzen dürfen, wie man es von diversen Serienhelden der Gruselromane her ja kennt.
Das hält jedenfalls die Spannung auch über den finalen Teil der Handlung
hinweg dann auf einem recht positiven Niveau.
Walter Appel gehört dabei sogar
auch zu den wenigen Autoren, dessen Romane nun auch Jahrzehnte später immer
noch spannend zu lesen sind, ohne altbacken zu wirken. Leider tritt aber auch
er hier in ein paar kleine Fettnäpfchen.
So rasselt der Geist der
skelettierten Weißen Frau des Nachts auch mit den Ketten in den dunklen Gängen
des Schloss und im finalen Teil taucht sogar ein Dämon mit Hörnern, Pferdehufen
und einem Dreizack in den Händen auf.
Diese Beschreibungen hatten
mich dann doch in Sachen Kopfkino eher zum schmunzeln angeregt. Denn sie wirken
wie aus einer Kinderbuch-Gruselgeschichte etwa wie Hui Buh das Schlossgespenst.
Allerdings kann man dies bei dem vorliegenden Roman eher als kleinen und nicht
beachtenswerten Ausrutscher verbuchen. Zumal der Roman selbst schon mit einem
recht heftigen wie spannenden Einstieg punkten kann.
Und während man locker mit den
jeweiligen sympathischen Figuren des Roman mitfiebern kann, ist es hier gerade
Didier Roncallon, der so schön unsympathisch mit jedem seiner Auftritte daher
kommt, das es schon eine wahre Freude ist, ihn als schmierigen bösen Buben so
richtig hassen zu können.
Insgesamt ist der Roman daher
trotz seines Alters auch heute noch ein perfektes wie spannendes Lesevergnügen
und damit recht zeitlos statt altbacken.
© by Konrad Wolfram
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