Nosferatu
Eine Geschichte des Grauens
von Mathias Tikwa Neumann
Im Jahr 1838: Der recht exzentrische Makler
Alexander Knock gibt dem jungen Thomas Hutter den Auftrag, den alten
Salzspeicher in Wisborg direkt gegenüber seinem Heim, an einen Interessenten zu
verkaufen.
Doch dieser Interessent lebt in Tanssylvanien auf einem
Schloss und Thomas wundert es schon, was dieser Graf Orlok mit gerade diesem,
im Verfall befindlichen Speicherhaus überhaupt anfangen will.
Auf der anderen Seite ist dieser Auftrag für ihn ein recht lukrativer Auftrag, welcher auch seiner jungen Ehe mit seiner schönen Frau Ellen zugutekommen dürfte.
Und so gibt Thomas auch nicht viel auf die Sorgen
seitens Ellen, die während seiner Abwesenheit bei dem Reeder Johannes Harding
und seiner Schwester Ruth, der besten Freundin von Ellen, leben soll.
Doch an Warnungen fehlt es auch in der Fremde nicht,
wo man ihm in einem Gasthaus von der Weiterreise zum Grafen abhalten möchte.
Das alles wirklich irgendwie nicht normal verläuft,
bemerkt Thomas allerdings schon am Borgo-Pass, wo ihn eine seltsame schwarze
Kutsche abholt und zum Schloss des Grafen Orlok bringt. Und hier beginnt der
alptraumhafte Schrecken für Thomas erst richtig und fasst verliert er sogar
sein Leben.
Doch Orlok ist zu diesem Zeitpunkt bereits mit sechs
Kisten, gefüllt mit heimatlicher Graberde, bereits auf Reisen nach Wisborg.
Und so sticht das Schiff Empusa im Hafen von Varna
in See, ohne das der Kapitän oder seine Mannschaft weiß, welchen finsteren
Schrecken sie transportieren. Doch in den Nächten schlägt das Böse zu und
dezimiert Mann um Mann die gesamte Mannschaft, während sich an Bord immer mehr
Pestratten verbreiten.
Als die Embusa dann in Wisborg ankommt, findet man
daher nur noch Leichen und Ratten auf dem Schiff. Doch in der Nacht hatten
bereits mehrere geheimnisvolle dunkle Männer eines finsteren okkulten Zirkels
von Wisborg die Kisten vom Schiff gebracht und an geheime Orte in Wisborg
verbracht.
Und zu diesem Zirkel des Bösen gehört auch Alexander
Knock, welcher sich wie ein Wahnsinniger gebärdet, Spinnen und Fliegen isst und
bereits in der Irrenanstalt inhaftiert wurde.
Und während Dr. Gustav Sievers Knock nur für einen
gefährlichen Irren hält, sieht der im Okkultismus bewanderte Professor Wilhelm
Falkenstein wesentlich mehr in Knocks seltsamen Verhalten und seinem Gerede von
einem dunklen Meister.
Doch diese düstere Vorahnung hilft auch nicht mehr,
denn Orlok schwebt bereits über Wisborg wie ein düsterer Schatten des Todes und
seine Ratten verbreiten mit der Pest längst die Hölle aus Krankheit und
qualvollem Siechtum in der Stadt.
Zwar hat sich auch Thomas Hutter auf den Weg nach
Wisborg gemacht, um den Vampir Orlok zu stoppen, welcher ihm die Haarlocke von
Ellen aus seinem Medallion entwendet hatte.
Doch auch Ellen hat längst die Anwesenheit des
Vampir erkannt und hört in ihrem Haus
des Nachts hypnotische Stimmen des Bösen, da die Hardings zu Beginn der Pest
Wisborg bereits fluchtartig verlassen hatten.
Doch werden Thomas Hutter und Professor Falkenstein
noch in der Lage sein, den Vampir stoppen zu können? Und welche Rolle spielt Alexander
Knock noch in dieser schrecklichen Auseinandersetzung?
- Nosferatu - Eine Geschichte des Grauens
- Der Roman zum Stummfilm von 1922
- Autor: Mathias Tikwa Neumann
- Hardcover ca. 300 Seiten
- Dracona Verlag (Independently published)
- Erstveröffentlichung: Am 6. Februar 2025
-
ISBN: 979 - 8309668533
„Der Vater saß noch auf einem Schemel, die Arme auf den Knien verschränkt, als hätte er sich im letzten Moment zum Schlafen gesetzt. Die Mutter lag daneben, das Kind an ihre Brust gepresst, als könne sie es noch immer schützen. Doch der Tod hatte keinen Unterschied gemacht.“ (Nosferatu - Eine Geschichte des Grauens/Seite 151)
Wer den Stummfilm von Friedrich
Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922 kennt, dem dürfte die Handlung ja durchaus
bekannt vorkommen. Und gleiches gilt auch für die Kenner des Romans „DRACULA“
(von 1897) des irischen Schriftstellers Bram Stoker.
Denn jede Menge Ähnlichkeiten
in der Handlung lassen sich sicherlich nicht bestreiten, was dann auch dazu
führte, das Stokers Witwe gerichtlich angestrengt hatte, Murnaus Film und alle
Kopien hiervon zu vernichten.
Genau dieser Umstand führte
aber auch dazu, dass der Film eben nicht in Vergessenheit versank und bis über
die Jahre geradezu einen Kultstatus erreichte. Murnaus Werk zu vernichten, ist
jedenfalls damals nicht gelungen, da man überall Teile des Films vor dem
Zugriff und damit der drohenden Vernichtung retten konnte.
Der Autor Mathias Tikwa Neumann
wiederum ist ein Kenner der Thematik über den Vampirismus in Literatur, Film
und Geschichte und hat hierzu auch mit „DAS HANDBUCH DER VAMPIRE“ ein schönes
Nachschlagewerk vorgelegt, welches ausgehend vom ersten Brudermord von Kain und
Abel beginnt, Adams erste Frau Lilith im Paradies genauer beleuchtet oder etwa
den Mythos der Lamien im Bereich der Blutsauger nachgeht.
Und nebenbei nimmt er sich hier
auch den bekanntesten Vampir-Figuren aus Literatur und Film an. Und genau an diesem
wichtigen Punkt weiß der Autor auch sehr genau zwischen Dracula und Graf Orlok
zu unterscheiden.
Denn bei Stoker ist Dracula
eher eine kultivierte Figur. Intelligent und charismatisch, bösartig aber eben
auch manipulativ. Dies trifft aber so nicht auf Murnaus Darstellung des Vampir
zu.
Denn Graf Orlok ist kaum eine
aristokratische noch charismatische Figur. Eher ist er schattenhaft-finster,
den Ratten näher als einer Fledermaus, welche Krankheit und Tod wie den Schweif
eines Kometen hinter sich herziehen.
Dracula ist hier also eher der
Dandy, auf den man schlicht hereinfällt, während Orlok eine Kreatur ist, die
eher Ekel erzeugt und der man wirklich niemals begegnen möchte. Und dies
arbeitet der deutsche Autor und Illustrator Mathias Tikwa Neumann in seinem
Roman zum Film auch sehr gut heraus.
Natürlich lässt sich ein
Stummfilm aber auch nicht einfach in einen Roman übertragen. Und so bleiben die
Motive z.B. der Figur des Makler Knock im Film doch eher etwas nebulös. Doch
der Autor weiß hier als Beispiel gerade auch an der Figur des Alexander Knock
eine perfekte Tiefe in die Figur zu bringen, welche ihn später sogar wesentlich
gefährlicher erscheinen lässt, als etwa die Figur des R.M. Renfield aus „DRACULA“,
der ja ebenfalls in der Irrenanstalt landet und Insekten frisst.
Genau genommen nimmt Knock im
finalen Bereich dieses Roman sogar eine größere und bösartigere Stellung ein,
während Renfield in der Handlung von „DRACULA“ schon etwas zur tragischen
Witzfigur verkommt.
Ich muss hier jedenfalls
ehrlich gestehen, das ich mit dem Roman „DRACULA“ von Bram Stoker immer
irgendwie meine Schwierigkeiten hatte, was auch an der Form liegt, in die
Stoker die Handlung gegossen hatte.
Beim „NOSFERATU“ von Mathias
Tikwa Neumann muss ich jedoch ebenso gestehen, dass mich die Handlung schnell
in ihren düster gefassten Bann zog und einfach nicht mehr losgelassen hat. Wer
da also noch nicht weiß, zu welchem Vampir-Roman er zuerst greifen soll, dem
kann ich hier nun „NOSFERATU - EINE GESCHICHTE DES GRAUENS“ wärmstens ans Herz
legen, welcher auch mit einer recht finster eingewobenen Atmosphäre der sich
steigernden Bedrohung zu punkten weiß.
Und zusätzlich liefert uns der
Autor im Anhang des Buches auch noch wesentlich mehr an Informationen nicht nur
zur Entstehung des Stummfilms von 1922, sondern natürlich auch darüber hinaus.
© by Konrad Wolfram
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