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Dienstag, 25. März 2025

Nosferatu - Eine Geschichte des Grauens

Nosferatu 

Eine Geschichte des Grauens

von Mathias Tikwa Neumann

Im Jahr 1838: Der recht exzentrische Makler Alexander Knock gibt dem jungen Thomas Hutter den Auftrag, den alten Salzspeicher in Wisborg direkt gegenüber seinem Heim, an einen Interessenten zu verkaufen.

Doch dieser Interessent lebt in Tanssylvanien auf einem Schloss und Thomas wundert es schon, was dieser Graf Orlok mit gerade diesem, im Verfall befindlichen Speicherhaus überhaupt anfangen will.

Auf der anderen Seite ist dieser Auftrag für ihn ein recht lukrativer Auftrag, welcher auch seiner jungen Ehe mit seiner schönen Frau Ellen zugutekommen dürfte.

Und so gibt Thomas auch nicht viel auf die Sorgen seitens Ellen, die während seiner Abwesenheit bei dem Reeder Johannes Harding und seiner Schwester Ruth, der besten Freundin von Ellen, leben soll.

Doch an Warnungen fehlt es auch in der Fremde nicht, wo man ihm in einem Gasthaus von der Weiterreise zum Grafen abhalten möchte.

Das alles wirklich irgendwie nicht normal verläuft, bemerkt Thomas allerdings schon am Borgo-Pass, wo ihn eine seltsame schwarze Kutsche abholt und zum Schloss des Grafen Orlok bringt. Und hier beginnt der alptraumhafte Schrecken für Thomas erst richtig und fasst verliert er sogar sein Leben.

Doch Orlok ist zu diesem Zeitpunkt bereits mit sechs Kisten, gefüllt mit heimatlicher Graberde, bereits auf Reisen nach Wisborg.

Und so sticht das Schiff Empusa im Hafen von Varna in See, ohne das der Kapitän oder seine Mannschaft weiß, welchen finsteren Schrecken sie transportieren. Doch in den Nächten schlägt das Böse zu und dezimiert Mann um Mann die gesamte Mannschaft, während sich an Bord immer mehr Pestratten verbreiten.

Als die Embusa dann in Wisborg ankommt, findet man daher nur noch Leichen und Ratten auf dem Schiff. Doch in der Nacht hatten bereits mehrere geheimnisvolle dunkle Männer eines finsteren okkulten Zirkels von Wisborg die Kisten vom Schiff gebracht und an geheime Orte in Wisborg verbracht.

Und zu diesem Zirkel des Bösen gehört auch Alexander Knock, welcher sich wie ein Wahnsinniger gebärdet, Spinnen und Fliegen isst und bereits in der Irrenanstalt inhaftiert wurde.

Und während Dr. Gustav Sievers Knock nur für einen gefährlichen Irren hält, sieht der im Okkultismus bewanderte Professor Wilhelm Falkenstein wesentlich mehr in Knocks seltsamen Verhalten und seinem Gerede von einem dunklen Meister.

Doch diese düstere Vorahnung hilft auch nicht mehr, denn Orlok schwebt bereits über Wisborg wie ein düsterer Schatten des Todes und seine Ratten verbreiten mit der Pest längst die Hölle aus Krankheit und qualvollem Siechtum in der Stadt.

Zwar hat sich auch Thomas Hutter auf den Weg nach Wisborg gemacht, um den Vampir Orlok zu stoppen, welcher ihm die Haarlocke von Ellen aus seinem Medallion entwendet hatte.

Doch auch Ellen hat längst die Anwesenheit des Vampir  erkannt und hört in ihrem Haus des Nachts hypnotische Stimmen des Bösen, da die Hardings zu Beginn der Pest Wisborg bereits fluchtartig verlassen hatten.

Doch werden Thomas Hutter und Professor Falkenstein noch in der Lage sein, den Vampir stoppen zu können? Und welche Rolle spielt Alexander Knock noch in dieser schrecklichen Auseinandersetzung?        

  • Nosferatu - Eine Geschichte des Grauens
  • Der Roman zum Stummfilm von 1922
  • Autor: Mathias Tikwa Neumann
  • Hardcover ca. 300 Seiten
  • Dracona Verlag (Independently published)
  • Erstveröffentlichung: Am 6. Februar 2025
  • ISBN: 979 - 8309668533

„Der Vater saß noch auf einem Schemel, die Arme auf den Knien verschränkt, als hätte er sich im letzten Moment zum Schlafen gesetzt. Die Mutter lag daneben, das Kind an ihre Brust gepresst, als könne sie es noch immer schützen. Doch der Tod hatte keinen Unterschied gemacht.“ (Nosferatu - Eine Geschichte des Grauens/Seite 151)

Wer den Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922 kennt, dem dürfte die Handlung ja durchaus bekannt vorkommen. Und gleiches gilt auch für die Kenner des Romans „DRACULA“ (von 1897) des irischen Schriftstellers Bram Stoker.

Denn jede Menge Ähnlichkeiten in der Handlung lassen sich sicherlich nicht bestreiten, was dann auch dazu führte, das Stokers Witwe gerichtlich angestrengt hatte, Murnaus Film und alle Kopien hiervon zu vernichten.

Genau dieser Umstand führte aber auch dazu, dass der Film eben nicht in Vergessenheit versank und bis über die Jahre geradezu einen Kultstatus erreichte. Murnaus Werk zu vernichten, ist jedenfalls damals nicht gelungen, da man überall Teile des Films vor dem Zugriff und damit der drohenden Vernichtung retten konnte.

Der Autor Mathias Tikwa Neumann wiederum ist ein Kenner der Thematik über den Vampirismus in Literatur, Film und Geschichte und hat hierzu auch mit „DAS HANDBUCH DER VAMPIRE“ ein schönes Nachschlagewerk vorgelegt, welches ausgehend vom ersten Brudermord von Kain und Abel beginnt, Adams erste Frau Lilith im Paradies genauer beleuchtet oder etwa den Mythos der Lamien im Bereich der Blutsauger nachgeht.

Und nebenbei nimmt er sich hier auch den bekanntesten Vampir-Figuren aus Literatur und Film an. Und genau an diesem wichtigen Punkt weiß der Autor auch sehr genau zwischen Dracula und Graf Orlok zu unterscheiden.

Denn bei Stoker ist Dracula eher eine kultivierte Figur. Intelligent und charismatisch, bösartig aber eben auch manipulativ. Dies trifft aber so nicht auf Murnaus Darstellung des Vampir zu.

Denn Graf Orlok ist kaum eine aristokratische noch charismatische Figur. Eher ist er schattenhaft-finster, den Ratten näher als einer Fledermaus, welche Krankheit und Tod wie den Schweif eines Kometen hinter sich herziehen.

Dracula ist hier also eher der Dandy, auf den man schlicht hereinfällt, während Orlok eine Kreatur ist, die eher Ekel erzeugt und der man wirklich niemals begegnen möchte. Und dies arbeitet der deutsche Autor und Illustrator Mathias Tikwa Neumann in seinem Roman zum Film auch sehr gut heraus.

Natürlich lässt sich ein Stummfilm aber auch nicht einfach in einen Roman übertragen. Und so bleiben die Motive z.B. der Figur des Makler Knock im Film doch eher etwas nebulös. Doch der Autor weiß hier als Beispiel gerade auch an der Figur des Alexander Knock eine perfekte Tiefe in die Figur zu bringen, welche ihn später sogar wesentlich gefährlicher erscheinen lässt, als etwa die Figur des R.M. Renfield aus „DRACULA“, der ja ebenfalls in der Irrenanstalt landet und Insekten frisst.

Genau genommen nimmt Knock im finalen Bereich dieses Roman sogar eine größere und bösartigere Stellung ein, während Renfield in der Handlung von „DRACULA“ schon etwas zur tragischen Witzfigur verkommt.

Ich muss hier jedenfalls ehrlich gestehen, das ich mit dem Roman „DRACULA“ von Bram Stoker immer irgendwie meine Schwierigkeiten hatte, was auch an der Form liegt, in die Stoker die Handlung gegossen hatte.

Beim „NOSFERATU“ von Mathias Tikwa Neumann muss ich jedoch ebenso gestehen, dass mich die Handlung schnell in ihren düster gefassten Bann zog und einfach nicht mehr losgelassen hat. Wer da also noch nicht weiß, zu welchem Vampir-Roman er zuerst greifen soll, dem kann ich hier nun „NOSFERATU - EINE GESCHICHTE DES GRAUENS“ wärmstens ans Herz legen, welcher auch mit einer recht finster eingewobenen Atmosphäre der sich steigernden Bedrohung zu punkten weiß.

Und zusätzlich liefert uns der Autor im Anhang des Buches auch noch wesentlich mehr an Informationen nicht nur zur Entstehung des Stummfilms von 1922, sondern natürlich auch darüber hinaus.

 © by Konrad Wolfram

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